
Landkreis Osterholz/Gnarrenburg. Die Gnarrenburger wissen, worum es geht. An einem runden Tisch haben sie versucht, beim Thema Erhalt der Moore alle Interessen unter einen Hut zu bekommen. Es erwies sich als schwierig. Im Landkreis Osterholz zeigten sich die unterschiedlichen Interessen bei dem Ringen um die Sammelverordnung, bei der es um eine rechtliche Sicherung von Naturschutz- und Landschaftsschutzgebieten ging. Doch der Förderverein Naturpark Teufelsmoor wagt nun erneut die Quadratur des Kreises. Ziel ist die Schaffung eines Naturparks. „Der Schwerpunkt liegt auf den Säulen Naturschutz und Landwirtschaft“, sagt der Vorsitzende Arne Börnsen, wissend, dass diese Kombination ein großes Konfliktpotenzial birgt. Zwei Jahre hat die Gruppe im Hintergrund gearbeitet und einen Verein gegründet. Nun wagen sich die Mitglieder, deren Zahl an die 100 heranreicht, aus der Deckung und geben in der Öffentlichkeit Gas. Vergangene Woche informierten sie Interessierte bei Informationsveranstaltungen über die Pläne. In der Kreuzkuhle in Gnarrenburg hielt der Verein zudem seine Jahreshauptversammlung ab.
„Aus Gnarrenburg erhalten wir große Resonanz“, begründete Börnsen die Wahl des Ortes. Er soll mit zum Gebiet des Naturparks gehören, finden die Initiatoren. Die Region ist Modellregion, in der erkundet werden soll, welche Entwicklung Moorgebiete unter dem Thema Naturschutz nehmen könnten. Eine interessante Geschichte für den Förderverein, weil doch ein Naturpark ähnlich arbeitet. Das Konstrukt ist kein Entscheidungsträger, wie Börnsen eröffnete. Vielmehr sei der Park darauf angewiesen, dass viele Beteiligte dort mitmachen. Dann kann der Naturpark beispielsweise Fördergelder für geplante Maßnahmen akquirieren. Das Beispiel anderer Naturparks, von denen es 100 in Deutschland gibt, zeige, welche positiven Aspekte diese haben können. Kein Wunder, wenn das Interesse aus Gnarrenburg sehr groß ist.
Hermann Luttmann, Landrat in Rotenburg, und Gnarrenburgs Bürgermeister Axel Renken waren gekommen. Sie wollten mehr über einen möglichen Naturpark erfahren, zeigten sich aber skeptisch. „Sie müssen noch viel Aufklärungsarbeit leisten“, erklärte Luttmann. Axel Renken mahnt: Ein Naturpark dürfe die Sache nicht noch komplizierter machen, als sie derzeit schon sei.
Arne Börnsen und seinen Mitstreitern geht es auch um den Klimaschutz. Trockene Moore sind – je nach Quelle – für mehr als vier Prozent der gesamten Emission an klimaschädlichen Gasen in Deutschland verantwortlich; das entspricht etwa der Klimawirkung des Flugverkehrs. Der Förderverein hat deshalb eine Wiedervernässung im Blick. Doch so einfach ist das nicht. Beispiel Gnarrenburg: 77 Prozent der untersuchten Fläche besteht hier derzeit aus Acker oder intensivem Grünland. Eine Erhöhung des Wasserspiegels würde die Nutzung der Flächen erschweren. Das stellten 17 Studenten bei einem Studienprojekt der Leibniz-Universität Hannover fest. Aus Naturschutzgründen müssten die Acker- und Intensivgrünlandflächen reduziert werden.
Ohne die Landwirte, die diese Kulturlandschaft geschaffen hätten, ist laut Förderverein ein Erhalt aber nicht möglich. Sie sollen als eine Art Pfleger helfen – Naturschutz durch Landwirtschaft. „Wir sind nicht gegen Naturschutz. Wir wollen aber von Anfang an dabei sein“, erklärte Agraringenieur Heiko Philipp bei der Jahreshauptversammlung. Aber den Landwirten dürfe nicht die Existenzgrundlage entzogen werden. Im Landkreis Osterholz seien die Landwirte skeptisch, wie CDU-Politiker Heiko Pankoke aus Worpswede glaubt. Sie fürchten weitere Auflagen. Er hofft aber, dass die Zusammenarbeit von Landwirten und Unterer Naturschutzbehörde innerhalb eines Naturparks besser laufe. Im Landkreis Osterholz funktioniere das nicht immer.
Der Landkreis Osterholz setzt in Teilen des Naturschutzes auf eine Renaturierung. Er hat dafür Flächen gekauft, um diese ohne Landwirtschaft umsetzen zu können. Einige Flächen wurden zur extensivierten Nutzung verpachtet. Dieses Vorgehen strebt der Förderverein ausdrücklich nicht an. Die Landschaft soll erhalten bleiben, wie sie ist. Naturschützern schmeckt das nicht besonders, hat Börnsen festgestellt. Sie hätten eine andere Vorstellung von Naturschutz. Die Grüne Renate Warner stellte die Frage, ob 50 Prozent Naturschutz besser wären als keiner.
Im kommenden Jahr soll ein Antrag auf Errichtung des Naturparks gestellt werden. Die Landkreise Osterholz, Rotenburg und Verden sowie die Stadt Bremen müssten dafür allerdings zustimmen. Mehr Informationen zum Förderverein gibt es im Internet unter www.verein-naturpark-teufelsmoor.de.
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