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Hunderte Schüler demonstrieren
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Fridays-for-Future-Bewegung erreicht Osterholz-Scharmbeck

Christian Valek 28.06.2019 0 Kommentare

Die Demo-Teilnehmer liefen vom Bahnhof über Bahnhofstraße und Marktweide zur Kundgebung auf dem Kirchenvorplatz.
Die Demo-Teilnehmer liefen vom Bahnhof über Bahnhofstraße und Marktweide zur Kundgebung auf dem Kirchenvorplatz. (Christian Kosak)

Die Fridays-for-Future-Bewegung hat die Kreisstadt erreicht. Hunderte Schüler und Studenten sind am Freitagvormittag in Osterholz-Scharmbeck für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen. Sprechchöre forderten unter anderem den sofortigen Kohleausstieg. „Es ist die beste Demo, die wir je organisiert haben“, wird Frederik Burdorf vom Organisationsteam am Ende der gut 90-minütigen Aktion sagen. Und er macht eine weitere Ansage: „Die Demo soll erst der Auftakt sein.“ 

Mit dem Megafon vorweg und unter Polizeibegleitung geht es vom Bahnhof die Bahnhofstraße entlang. Den ersten Stopp legen die Teilnehmer am Rathaus ein. Eilig wird eine mitgebrachte Kabeltrommel an die Stromversorgung des Verwaltungssitzes angestöpselt, eine heisere Stimme macht über Lautsprecher eine Ansage. Es werden Selfies geknipst. Manche Schüler halten schüchtern selbst gemalte Plakate hoch, andere tippen auf ihrem Handy herum oder stehen etwas verloren auf dem Rasen zusammen. Kein Zweifel: Der eine oder andere muss sich an seine neue Rolle erst gewöhnen.

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Mitorganisator Frederik Burdorf, Mitglied im Landesvorstand der Jusos Niedersachsen, schreitet lächelnd ans Mikrofon. „Armut, Hunger, Flucht und Vertreibung werden ausgelöst durch den Klimawandel“, sagt der 22-Jährige. Er forderte zu einem ökologischen und ökonomischen Wandel auf. „Wir hören nicht auf zu kämpfen“, schwört er die Menge ein. Dann brandet Applaus auf.

Unter den Zuhörern ist Dafina Halili. Die Gymnasiastin hat ihre eigene Methode, um sich klimaneutral zu verhalten. Sie will auf Plastik verzichten und mehr Getränke aus Glasflaschen konsumieren, wie sie betont. Das habe sie auch schon ihrer Mutter gesagt. „Ist eben mehr zu schleppen“, bemerkt sie. Sie will beim Tragen helfen. Auch Ole Schulz und Tjalf Erichs ziehen Konsequenzen. Die angehenden Elftklässler fahren jeden Tag mit Rad aus Hambergen zur Schule nach Osterholz-Scharmbeck und zurück. Das seien so 13 Kilometer – für eine Tour. Und bei Regen? „Da lassen wir uns von meinem Onkel fahren“, sagt Ole Schulz wie aus der Pistole geschossen. „Der hat ein Elektroauto.“

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Nach dem Lauf durch die Bahnhofstraße erreicht der Tross den Platz vor der St.-Willehadi-Kirche. Sprechchöre erklingen. „Ich ruf‘ Kohle, ihr ruft stopp“, schallt es durchs Megafon. Die Stimmung ist gut. Dann ergreift die 17-jährige Hanna Pöhlmann am Mikrofon das Wort. Sie habe keine Lust, in einer Welt zu leben, in der der Meeresspiegel auf Rekordhoch klettert, in der 45 Grad Celsius herrschen und das Plastik das Wasser verschmutzt." Und dann geht es um Methan, das in zu warmen Meeren aus dem Boden aufsteigen kann und einen Dominoeffekt in Sachen Erderwärmung auslösen könnte. „Für die Leute, die Methan nicht so gut kennen: Es ist das Zeug, was die Kühe pupsen“, versucht sie zu erläutern. „Ich fühle mich manchmal machtlos“, fährt sie fort. „Aber Euch hier zu sehen, das gibt mir Hoffnung“, ruft sie ins Mikrofon bis die Menge applaudiert. Hanna Pöhlmann, Schülerin der Integrierten Gesamtschule (IGS), und Fredrik Burdorf als Lehramtsstudent sind von der ersten Demo dieser Art in der Kreisstadt angetan. Alles sei gut gelaufen, sagen sie. Dafür ernten sie ein Nicken von den anderen, umstehenden Orga-Team-Mitgliedern. Mehr als 20 Ordner waren eingesetzt gewesen. Vor allem der allgemeine Zuspruch in der Bevölkerung habe ihn begeistert, sagt Frederik Burdorf. Jeder sei hilfsbereit gewesen.

Nach seiner Schätzung haben zwischenzeitlich knapp 400 Schüler an der Auftaktveranstaltung teilgenommen. Andere schätzen die Menge auf dem Kirchenvorplatz auf gut 250 Teilnehmer. Lehrer verschiedener Schulen hatten die Teilnehmer vom Unterricht befreit, wie zu hören war. „Ist sowieso nicht mehr viel los vor den Ferien“, ruft einer im Gespräch dazwischen. Die Demonstranten seien nicht nur aus der Kreisstadt gekommen, betont Burdorf. Auch aus Hambergen, Ritterhude und Lilienthal seien Jugendliche angereist, wie die Organisatoren betonen.

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Am Gymnasium Osterholz-Scharmbeck findet am Montag ein „Umwelttag“ statt – unter anderem mit Müllsammlung, dem Bau von Bewässerungsanlagen für Pflanzen und Infos über klimaneutrale T-Shirt-Produktion. „Jeder Lehrer hat ein Projekt am Start“, sagt Karim Kanafani. Und sicherlich werde auch über die Demo gesprochen. Frederik Burdorf, "Übergangskoordinator" einer neu gegründeten Aktionsgruppe in Osterholz-Scharmbeck (wir berichteten), kündigt an, im Stadtrat einen kurzen Vortrag zu „Landkreis-Politik und regionalem Raumordnungsprogramm“ halten zu wollen. „Die Stadt kann damit rechnen, dass von uns noch etwas kommt."


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heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
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Bremen99 am 21.10.2019 20:41
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