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Bremer Projekt „Spurensuche“
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Geschichte erlebbar machen

Peter Otto 09.11.2017 0 Kommentare

Spurensuche
Sie engagieren sich für das Projekt „Spurensuche“ (v. l.): Von links Manfred Bannow, John Gerardu und Peter-Michael Meiners. (Peter Otto)

Ritterhude. Stolpersteine erinnern in vielen Städten an Menschen, die im Nationalsozialismus unsägliches Leid erdulden mussten. Sie wurden verfolgt und drangsaliert, nur weil sie anders waren, anders glaubten, anders dachten. Was ist aber mit denen, die anderen das Leid zugefügten? Die ihre Taten rechtfertigten mit platten Parolen eines Unrechtssystems? Opfer und Täter stehen in einer unheilvollen Beziehung zueinander. Um diese Zusammenhänge aufzudecken, haben sich Menschen auf die Spurensuche begeben. Der Verein „Erinnern für die Zukunft“ in Bremen hat dies vor acht Jahren angeregt. Die Spurensuche richtet sich nachdrücklich gegen rechtsextreme Tendenzen in der Gesellschaft.

John Gerardu stellte jetzt das Bremer Projekt im Hamme-Forum einer überschaubaren Zahl an Gästen vor. Der gebürtige Niederländer lebt seit 45 Jahren in der Hansestadt. Als Sozialpädagoge hat er sich lange der internationalen Jugendarbeit gewidmet. Jetzt ist er im Ruhestand und koordiniert das Projekt „Spurensuche“. In dessen Rahmen versucht er, ein digitales Forum zu schaffen, in das auch jüngere Menschen einbezogen werden können. Manfred Bannow vom Bündnis 90 / Die Grünen hatte den Referenten eingeladen, um auch in Ritterhude eine Erinnerungskultur anzuregen. Bannow lebt seit zwei Jahren in der Hamme-Gemeinde und beschäftigte sich bereits in der Vergangenheit mit Einzelschicksalen von Fahnenflüchtigen und Deserteuren in Bremen.

Gerardu bemängelte, dass man bisher in Bremen Geschichte zu wenig fassbar machen konnte. Es habe zu wenig lokale Ansätze gegeben, zu denen „jeder in seinem eigenen Umfeld einen Bezug“ hat. Darum habe man sich überlegt, besonders jungen Menschen eine Plattform zu bieten, sich unmittelbar mit geschichtlichen Hintergründen auseinanderzusetzen. Man habe eine Form gesucht, die heute auch Jugendliche anspreche.

In Zusammenarbeit mit der Hochschule Bremen haben die ehrenamtlichen Projekt-Mitarbeiter eine interaktive Karte entwickelt. An ihr kann man Spuren im engeren Umkreis verfolgen. Ziel der Initiatoren ist es, dadurch  eine „persönliche Identifikation mit dem Wohn- beziehungsweise Arbeitsumfeld“ zu erhöhen, wie es heißt. Der Stadtplan informiert darüber, an welchen Orten bestimmte Gebäude standen und einschneidende Ereignisse stattfanden. Auch wer an diesen Ereignissen beteiligt war, erfahren die Nutzer auf der Plattform.

Insgesamt 300 Orte können auf der Karte aufgesucht werden. Die dafür eingezeichneten Punkte brauchen nur angeklickt zu werden. Hinter jedem Punkt verbirgt sich eine Geschichte. Dazu hat die Redaktionsgruppe wissenschaftlich fundierte Erfahrungsberichte und originale Dokumente gesammelt und aufbereitet. Die Radio Bremen-Redaktion „As time goes by“ stellte Audio-Material aus den Jahren 1933 bis 1945 zur Verfügung. Das Landesinstitut für Schule Bremen (LIS) steuerte Fotomaterial für Video-Beiträge bei.

Das Internetportal wurde im Oktober 2010 im Bremer Sendesaal vorgestellt und ging als digitales Forum „Spurensuche“ online. Es bietet Augenzeugenberichte und Kommentare zur Lagerlandschaft Bremen-Nord und Berichte zu Ereignissen wie die Ermordung von fünf jüdischen Mitbürgern durch SA-Leute am 9. November 1938. Ein Foto zeigt feixende SA-Männer mit Benzin-Kanister und Äxten vor der Synagoge, bevor sie das Gotteshaus in Brand stecken.

Die Texte, Fotos, Video- und Audiobeiträge sollen besonders auch junge Leute mit den geschichtlichen Zusammenhängen in der Nazi-Zeit näher bekannt machen und ihnen die Auswirkungen auf das Lebensumfeld verdeutlichen. Die gegenwärtig etwa 300 Spuren gehen der Judenverfolgung nach, beschäftigen sich mit Methoden der Zwangsarbeit und verfolgen das Schicksal von Kriegsgefangenen und Deserteuren. Etwa 60 Nutzer besuchten die Seite am Tag, berichtete Gerardu. Manfred Bannow möchte auch für Ritterhude eine Alternative zu den üblichen Gedenkveranstaltungen und Ritualen schaffen, in die sich vor allem Jugendliche verstärkt hineinversetzen können und die ihnen ihre eigene Umwelt verständlicher macht.

Zusätzlich wurde eine App entwickelt, über die Nutzer zusätzliche Informationen in ihrer jeweiligen Standortnähe abrufen können. Geld für die Arbeit am Portal „Spurensuche“ gibt es aus  dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“. Die Internetadresse lautet www.spurensuche-bremen.de. Interessenten können unter info@spurensuche-bremen.de mit John Gerardu Kontakt aufnehmen.


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suziwolf am 22.10.2019 13:04
@brakadabra ...

„👍“ ... Ich hab‘ jetzt‘n „Hummer“ ...
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FloM am 22.10.2019 13:01
@gorgon:
Himmelnochmal, jahrzehntelang billige Lebensmittel konsumieren und sich dann über die Folgen der Herstellung aufregen.
Welche ...