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Nachhaltige Geldanlage
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Gute Geschäfte mit der Nachhaltigkeit

Bernhard Komesker 09.09.2018 0 Kommentare

Fonds-Manager Ingo Speich (links) und Volksbank-Vorstand Jan Mackenberg sehen in nachhaltigen Geldanlagen einen Zukunftstrend, der mehr umfasst als ein grünes oder soziales Gewissen. Vielen Anlegern gehe es darum, im Portfolio weniger Schwankungen
Fonds-Manager Ingo Speich (links) und Volksbank-Vorstand Jan Mackenberg sehen in nachhaltigen Geldanlagen einen Zukunftstrend, der mehr umfasst als ein grünes oder soziales Gewissen. Vielen Anlegern gehe es darum, im Portfolio weniger Schwankungen und mehr Stetigkeit zu haben. (bko)

Landkreis Osterholz. Den todsicheren Insider-Tipp packte der prominente Fondsmanager Ingo Speich jetzt nicht aus, als er auf zwei Vortragsveranstaltungen in Osterholz-Scharmbeck und Iselersheim aus dem Nähkästchen plauderte. Doch die jeweils etwa 90 Volksbank-Mitglieder erhielten ein paar Denkanstöße zum Thema Nachhaltigkeit bei Kapitalanlagen. Für die Gesellschaft Union Investment analysiert und verwaltet Ingo Speich börsengehandelte Wertpapiere, die seine Abteilung in Frankfurt/Main zu "grünen" Fonds-Bündeln aus 70 bis 120 Titeln schnürt. Die Anlageberater der Volksbank Osterholz Bremervörde, die der 41-Jährige jetzt zwischen seinen Vorträgen hinter verschlossenen Türen in Gnarrenburg unterwies, haben die Aufgabe, die nachhaltigen Finanzprodukte unters Volk zu bringen.

Die Anleger sollen guten Gewissens zugreifen können: Zu Speichs Prüfkriterien zählen neben der klassischen Bilanzanalyse auch Umweltgesichtspunkte sowie soziale Aspekte und verantwortungsvolle Unternehmensführung. "Wir interessieren uns nicht nur für die Quartalszahlen", sagte Speich und betonte, nachhaltiges Investieren sei auch "nicht immer grün", wie Solarworld oder Prokon gezeigt hätten. Deren Insolvenzen bewiesen, dass "good governance als wertgebender Faktor" letztlich wichtiger sei als Ökologie und Soziales.

Gut 42 Milliarden Euro werden dem nachhaltigen Anlage-Management von Speichs Abteilung zugerechnet, Tendenz steigend. Eine regelrechte Regulierungswelle der EU werde ab 2020 das Thema Nachhaltigkeit für Unternehmen und Anleger noch verbindlicher machen, prophezeite der Manager. Volksbank-Vorstand Jan Mackenberg gab sich entspannt: "Das passt doch gut zum genossenschaftlichen Selbstverständnis."

Um die Rendite-Aussichten von weltweit etwa 12 000 Unternehmensbeteiligungen abschätzen zu können, durchlaufen diese bei den Portfolio-Managern eine Risiko-Analyse, für die es im deutschsprachigen Raum zuletzt Bestnoten der Agentur Scope Ratings gab. Bemerkenswert: Die Untersuchungsmaßstäbe basieren nicht auf einer höheren Moral, sondern folgen handfesten materiellen Motiven: Es geht darum, die Zukunft möglichst verlässlich planen zu können, um eine stabile Wertentwicklung ohne extreme Schwankungen zu haben. Speich redet da auch gar nicht drumherum: "Es sind die institutionellen Anleger am Kapitalmarkt, die vor allem Treiber dieses Trends sind."

Vier Risiko-Felder sind es, auf denen Wertpapier bei der Nachhaltigkeit punkten oder auch floppen kann. Da ist das Reputationsrisiko, das beispielsweise mit einer starken Abhängigkeit von asiatischen Zulieferern steigen kann; zweitens das Klagerisiko, dem etwa Tabakkonzerne regelmäßig ausgesetzt sind; drittens das Ereignisrisiko, also die Wahrscheinlichkeit von Arbeitsunfällen und Produktionsausfällen; und viertens das Regulierungsrisiko, das Automobilkonzerne wegen des CO2-Ausstoßes zurzeit besonders spüren. Doch auch Bau-, Bergbau, Öl- und Energiekonzerne mit starker Emissionstätigkeit stehen vor Regulierungen. "Wir rechnen wegen der Klimaziele von Paris mit der Einführung von CO2-Steuern", so Speich.

"In der Kundschaft wächst das Bewusstsein für solche Themen", sagte Jan Mackenberg und nannte als Beispiele Skepsis gegenüber Atomkraft, Schlagzeilen über Kinderarbeit und Korruption oder den Ausschluss bestimmter Länder bei der Geldanlage. "Es geht nicht mehr nur um Rendite-Maximierung." Die Bandbreite bei Risikobereitschaft und Anlagezeitraum unterscheidet nachhaltige Fonds nicht von anderen gemanagten Fonds. Das gelte es in der persönlichen Beratung abzuklären. Allerdings müssen solche Produkte ihre Kosten auch wieder einspielen, weshalb im Internet massiv für billigere Index-Fonds etwa aus der ETF-Familie geworben wird.

Von solchen Pantoffel-Portfolios hält Speich erwartungsgemäß nichts: Bei einigen ökologischen und ethischen Aktien-Indexfonds sei allerhand Etikettenschwindel im Spiel; vor allem aber beraube sich der Anleger damit auch der Chance, als Anteilseigner Einfluss auf ein Unternehmen zu nehmen. Speich und seine Kollegen haben auf weltweit 1900 Hauptversammlungen Stimmrecht und glaubt man dem Banker, dann nutzen sie das vor allem in Deutschland auch dazu, dem Vorstand im Beisein des Aufsichtsrats kritische Fragen zu stellen. Aktives Aktionärstum schütze Anleger und Nachhaltigkeit.

"Ich will nicht behaupten, dass wir die Krise bei VW vorhergesehen haben, aber unsere Prüfung hatte schon vor 2015 ergeben, dass bei der Unternehmensführung etwas nicht stimmte." Den Bankern war eine starke Wachstumsorientierung bei den Vorstandsvergütungen aufgefallen, doch Vorstand und Aufsichtsrat hätten ein Gespräch abgelehnt. Union habe seine Anteile daraufhin reduziert – und bereut seit dem Abgasskandal höchstens, es nicht radikaler getan zu haben.

Blick in die Zukunft

Bis 2030 werde wohl das Elektroauto die Brückentechnologie sein, dann aber schlage die Stunde der Wasserstoff-Antriebe, glaubt Speich. "Die Patente liegen in den Schubladen der großen Konzerne." Unter Nachhaltigkeitsaspekten sei die Elektrobatterie nicht unbedenklich, sagte er und zählte auf: knappe natürliche Ressourcen, Strom aus fossilen Quellen, begrenzte Speicherkapazität, ungelöste Entsorgungsfragen. Der Vorstand der Volksbank, die zurzeit das Ladesäulen-Netz für die E-Mobile ausbaut, horchte auf. Speich setzte hinzu: Wasserstoff friste auch hinsichtlich der Anlagemöglichkeiten ein Nischendasein. Am Ende könnte Toyota die Nase vorn haben.

Und die Weltwirtschaft? Speich sagte, er sehe keinen Handelskrieg. "Es gibt dunkle Wolken, aber ebenso gute Gründe, investiert zu bleiben." Das seien vor allem die Unternehmen selbst, aber auch die Politik der Notenbanken. Trumps Steuerreform habe die Märkte ja sogar beflügelt. "Ein Problem ist die anhaltende Unsicherheit, aber der Druck ist aushaltbar." Selbst bei einem heißen Herbst, der mit den Zwischenwahlen in den USA oder einer Italien-Krise drohen könnte, bleibe er "konstruktiv gestimmt".


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elfotografo am 22.10.2019 18:55
"Es ist doch ein Märchen, dass man mit einer Loge Geschäftskontakte akquiriert oder pflegt, geschweige denn Geschäfte abschließt."

Haben ...
FloM am 22.10.2019 18:51
@gorgon1:
Abgedroschen ist es den x-ten Kommentar mit undifferenzierten Anschuldigungen zu schreiben.

Die Erkenntnis, daß man Teil ...