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Lange Nacht der Mathematik
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Knobeln bis zum Morgengrauen

Milena Schwoge 27.11.2018 0 Kommentare

Eine Gruppe von Schülern des sechsten Jahrgangs an der IGS rechnet und löst die Aufgaben gemeinsam.
Eine Gruppe von Schülern des sechsten Jahrgangs an der IGS rechnet und löst die Aufgaben gemeinsam. (Shirin Abedi)

Landkreis Osterholz. Es ist kurz vor Mitternacht. Während der Großteil der Kreisstadt im Dunkel der Nacht versinkt, brennt in den Räumen der Integrierten Gesamtschule (IGS) Licht. Im Schlafanzug huschen einige Schüler über die Flure; aufgeregt vergleichen sie ihre Lösungen. In den Klassenzimmern ist es dagegen absolut still. Konzentriert sitzen die Schüler vor den Computern. „Die Aufgabe mit den Güterzügen ist blöd“, schimpft einer der Schüler und rauft sich die Haare.

Im Nebenzimmer arbeitet Andrea Stäudte an der ungeliebten Kombinatorik-Aufgabe. Die Mathematiklehrerin gibt nicht auf. „Die Aufgaben sind sehr anspruchsvoll und selbst für uns Lehrer nicht immer einfach zu lösen“, sagt sie. Seit 18 Uhr sitzt sie mit ihren Kollegen und 41 Schülern nun schon vor den Rechenaufgaben. Noch hat es keiner in die zweite Runde geschafft, aber die Nacht ist noch jung. Seit etwa zehn Jahren nimmt die IGS an der Langen Nacht der Mathematik teil, einem bundesweiten Wettbewerb für Schüler des fünften bis 13. Jahrgangs. Mitmachen kann, wer Lust hat – Preise gibt es keine.

In diesem Jahr tritt die IGS mit zwölf Gruppen an. „Die Schüler, die mitknobeln, sind alle sehr leistungsstark. Die Aufgaben sind anders als im Unterricht und verlangen ihnen einiges ab", sagt Stäudte, die einen gemütlichen Jogginganzug trägt. Durchhaltevermögen sei sehr wichtig. Wie sehr muss jemand Mathe mögen, um sich die Nacht mit Rechnen um die Ohren zu schlagen? „Mathe ist eines meiner Lieblingsfächer. Es macht mir Spaß, den Kopf anzuschalten und zu knobeln“, sagt Lena Rönick. Für die Elfjährige ist es die erste Mathe-Nacht. Von Müdigkeit ist bei der Sechstklässlerin nichts zu spüren. Wen der Ehrgeiz nicht treibt, dem helfen Schokolade, Chips und zuckerhaltige Getränke durch die Nacht.

Analoge und digitale Wege

„Wir kommen bei dieser Aufgabe nicht weiter, Frau Stäudte“, sagt einer der Oberstufenschüler. Bei den Zehnt- bis Dreizehntklässlern ist die Stimmung auf dem Tiefpunkt. Die Lehrerin wirft einen flüchtigen Blick auf die Problemaufgabe, aber sie kann den Schülern nicht helfen. „Von Oberstufen-Mathematik habe ich keine Ahnung. Da müsst ihr googlen“, rät Stäudte. In manchen Fällen hilft auch das nicht weiter. Dann greifen Schüler und Lehrer zu praktischen Mitteln, wie der kleine Berg aus Papierschnipseln auf dem Tisch zeigt. „Gesucht ist die ursprüngliche Länge eines Seils, das zuvor gefaltet und an den nicht gefalteten Stellen durchgeschnitten wurde. Um die Aufgabe besser zu verstehen, haben wir sie durchgespielt“, erklärt Stäudte.

Der Wettbewerb geht über drei Runden à zehn Rechenaufgaben. Sobald diese online stehen, können sich die Schüler ins Zahlenabenteuer stürzen. Die große Textmenge lässt dabei zuerst nicht an Mathe denken. „Eine Aufgabe haben wir nur geraten. Das klappt manchmal auch“, gesteht ein Schüler und grinst schelmisch. Knobeln, raten, ausprobieren und nicht nach Schema F die Aufgaben lösen – darum geht's in dieser Nacht. Und um den Spaß daran. „Ich finde es toll, dass verschiedene Klassen zusammenkommen und gemeinsam rechnen. Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl“, sagt Aileen Kozk. Die Oberstufenschülerin mag Mathematik, auch wenn sie hin und wieder daran verzweifelt. „Manchmal bin ich frustriert, wenn ich eine Aufgabe nicht lösen kann. Aber wenn ich es dann doch schaffe, ist das Glücksgefühl groß“, erklärt sie.

Wie Kozk hat auch Jarrit Weigel schon mehrfach an der Langen Nacht der Mathematik teilgenommen. „Im Vergleich zum Stoff aus dem Unterricht ist es eine Herausforderung. Mir gefällt das logische Denken, das dahinter steckt“, fügt der 17-Jährige hinzu. Seine Schwester Charleen hat der Oberstufenschüler mit dem Rechenfieber bereits angesteckt. Sie tüftelt im Nachbarzimmer mit ihrer Gruppe an den Aufgaben. Wenn es ein Team in die zweite Runde schafft, zieht der komplette jeweilige Jahrgang mit. Sind zu viele der Antworten falsch, setzt es eine zehnminütige Zeit-Sperre bis zur nächsten Eingabe.

Während sich die Jüngeren die Zeit mit Fotos von Tierbabys vertreiben, lesen die älteren Schüler Bücher oder hören Musik. Wer durchhält, kann bis zur Schließung des Online-Portals gegen 7 Uhr morgens knobeln. Nickerchen zwischen Tischen und Stühlen können jederzeit eingelegt werden. Ursprünglich stammt der Wettbewerb aus Schleswig-Holstein; Schulen aus anderen Bundesländern können als Gäste an der Aktion teilnehmen. Sie geht zurück auf eine Initiative von Jochen Carow aus Neumünster, der seit 1971 Mathematik-Arbeitsgemeinschaften anbietet.

In diesem Jahr rechnen 17 808 Schüler von 340 Schulen um die Wette. 35 Schüler der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Hambergen nehmen ebenfalls teil. Unterstützt werden sie von sechs Lehrkräften, zwei Vätern und zwei ehemaligen Schülern. „Es ist nicht selbstverständlich, dass sich Schüler eine ganze Nacht lang freiwillig mit Mathematik-Aufgaben beschäftigen. Wir Lehrer sehen, dass das sonst gefürchtete Fach auch mal Spaß machen kann und dadurch anders belegt wird“, freut sich KGS-Fachbereichsleiterin Catrin Wiechert.

Um 1 Uhr zieht Stäudte an der IGS ein Zwischenfazit: „Die Oberstufenschüler rechnen erfahrungsgemäß die Nacht durch; die Jüngeren werden wohl bald schlafen gehen.“ Aber da hat die müde Mathe-Lehrerin die Rechnung ohne die Sechstklässler gemacht. „Wir wollen auf jeden Fall bis 3 Uhr durchhalten“, verkünden dies entschlossen. Was jetzt noch keiner ahnt: Die Aufgaben werden sie sogar bis 6 Uhr morgens beschäftigen. Und das Durchhaltevermögen zahlt sich aus: Die Schüler des sechsten bis achten Jahrgangs erreichen die ersehnte zweite Runde und schaffen danach fast 70 Prozent der weiteren Fragen.

Auch die KGS-Schüler können sich freuen. Die Doppeljahrgänge 7/8 und 9/10 schaffen es sogar in die dritte Runde. Nach der Nachtschicht wartet das Bett auf Schüler und Lehrer. Sie haben nun 359 Tage Zeit, um für den nächsten Mathe-Marathon vorzuschlafen.  


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...