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Arche-Ausstellung
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Kunstwerke mit Geschichte

Andrea Grotheer 07.10.2019 0 Kommentare

Bildhauer Thorsten Schütt ist einer von insgesamt 46 Künstlern der freien Künstlervereinigung
Bildhauer Thorsten Schütt ist einer von insgesamt 46 Künstlern der freien Künstlervereinigung "Arche", die zurzeit ihre Arbeiten im Schulzentrum Beverstedt zeigen. (Andrea Grotheer)

Beverstedt. Mehr als 400 Meter Wandfläche, 46 Aussteller, 221 gehängte Bilder, 108 Objekte und über 2000 zu erwartende Besucher – das ist die 47. Jahresausstellung der freien Künstlervereinigung „Die Arche“ in Zahlen. Noch bis zum 13. Oktober ist sie im Schulzentrum Beverstedt zu sehen. Hinter diesen Angaben verstecken sich viele Kunstwerke und Geschichten.

Eine dieser Geschichten kann Thorsten Schütt erzählen. Bereits seit etwa 20 Jahren ist der freischaffende Bildhauer aus Friedeburg in Ostfriesland Mitglied der Künstlervereinigung und zeigt seine Werke in der jährlichen Ausstellung. In diesem Jahr ziehen seine hölzernen Schiffe im Eingangsbereich, die mit kleinen Figuren aus Nägeln bemannt sind, die Blicke auf sich. „Ich komme aus einer Seefahrerfamilie und brauche die Nähe zum Wasser“, erklärt der Künstler den Bezug zur Materie. Jede Skulptur stehe in Verbindung zu ihm. Das Piratenschiff verkörpere eine alte Familiengeschichte, nach der einer seiner Vorfahren im 15. Jahrhundert der Piraterie angeklagt gewesen sein soll. Und der Walfänger beziehe sich auf ein indianisches Ritual. „Ich habe selbst Kontakt zu Indianern“, erzählt Thorsten Schütt.

Ganz anders die Geschichte von Monika Nicolaus, die Tonarbeiten zeigt. Neben einem abstrakten Tierobjekt, das die Fantasie der Besucher anregt, sind auch ein Nashorn und ein sogenannter Hochzeitselefant zu sehen. Der Elefant stehe für ein privates Erlebnis rund um eine Hochzeit, verrät die Künstlerin, die ihre Emotionen dieses Fest betreffend in der tierischen Skulptur verarbeitet hat. Schon seit 45 Jahren hat die Nordholzerin sich dem Material Ton verschrieben, gibt Kurse und verfasst Bücher. Wichtig ist ihr, dass man die Arbeiten auch fühlen muss. So dürfen die Besucher in ihrem Beisein die Objekte ausgiebig berühren. „Das macht mir bei der Arbeit Spaß und es macht mir beim Gucken Spaß“, fasst Monika Nicolaus gutgelaunt ihren Blick auf die Werke, die sie mit einer speziellen Oberflächenglasur mit Salz bearbeitet, zusammen.

Zwei Künstler – ein Werk

Bernd Lichtenstein ist Glasgestalter und hat eine Werkstatt im Bremer Schnoorviertel. Dort entstehen unter anderem Würfel, Schalen und Kegel aus Glas. „Ich benutze Schott-Glas und farbiges Glas aus den USA, beides muss miteinander kompatibel sein“, erklärt der ausgebildete Glasschleifer. Sonst entstünden Spannungen, die das Glas platzen lassen könnten. Die schillernden Farben in seinen Kunstwerken liefert Glas mit Metallbeschichtung. Aus 15 bis 20 Schichten besteht einer seiner Würfel, der in einer Kooperation mit seiner Bremer Steinmetzkollegin Katja Stelljes entstanden ist. Sie hat die passende Stele aus Stein geliefert. “Das Glas wird bei 850 Grad geschmolzen und später glatt geschliffen“, so der Künstler.

Radierungen mit Prägungen von Musikinstrumenten zeigt Renate Rönsch aus Stotel, die auch Pressesprecherin der Arche-Gruppe ist. Als sehr aufwendig beschreibt sie die Arbeit, bei der neben der Radierung zusätzlich ein Modell aus Kunststoff für die Prägung entsteht, das als Abbild des Motivs in Feinarbeit geschnitzt wird. „Das sind zwei unabhängige Arbeitsgänge“, erklärt sie. Und die Arbeit müsse auf Anhieb funktionieren: „Die Prägung kann man nicht wiederholen.“

Die diesjährige Ausstellung bietet auch Platz für junge Nachwuchskünstler: Der neunjährige Erik Steinbrenner und sein ein Jahr jüngerer Cousin Juri haben im vergangenen Jahr beim deutschen Kinder- und Jugendfotopreis den zweiten Platz in ihrer Altersgruppe belegt und zeigen als Teil der Fotogruppe Apollo 13 ihre Alien- und Planetenbilder. Entstanden seien die Bilder 2017 während eines Urlaubs im dunklen, begehbaren Kleiderschrank einer Ferienwohnung. „Die beiden haben mit einer kleinen Kompaktkamera, einem Rasierspiegel, einem Tuch und einer Nachtlampe experimentiert“, erzählt Juris Vater Ino Steffen aus Stotel. Und tatsächlich, dem Betrachter gaukeln die Fotos Planeten und vielleicht auch Außerirdische vor.

Dass Kunst generell die Möglichkeit eines Perspektivenwechsels biete, stellte Rolf Wittig, Vorsitzender der Künstlervereinigung, in seiner Eröffnungsrede fest. Das gelte für den Kunstschaffenden genauso wie für den Betrachter. „Ganz einfach: Sie treten einen Schritt zur Seite und sehen alles aus einer anderen Perspektive“, so seine Aufforderung. Den Weg des Künstlers könne man nicht planen, er sei nicht gradlinig, sondern zackig.

Unterstützung für Kunstschaffende bot Gastrednerin Karina Kramer, Amtsleiterin des Amtes Schulen und Kultur beim Landkreis Cuxhaven, an. „Kunst verbindet, trägt zum Austausch bei; es werden Beziehungen geknüpft und der Blick weitet sich“, sagte sie und hob den ehrenamtlichen Einsatz von Kunst- und Kulturschaffenden hervor, die für die Gesellschaft einen wertvollen Beitrag leisten und häufig vor Hürden stehen würden, die nicht einfach zu überwinden seien. Diesbezüglich sicherte sie Unterstützung in Form von Beratung, Kooperation oder räumlichen Möglichkeiten zu. Die Ausstellung lobte sie als etwas Besonderes und hoffte mit Dank an alle Beteiligten auf Bestand. Mit einem Zitat des spanischen Malers Pablo Picasso schloss sie ihre Rede: „Kunst wäscht den Alltag von der Seele.“

Geöffnet ist die Ausstellung im Schulzentrum Beverstedt, Schulstraße 6, 27616 Beverstedt, noch an folgenden Tagen: Dienstag, 8. Oktober, bis Freitag, 11. Oktober, von 14 bis 18 Uhr, Sonnabend, 12. Oktober, von 12 bis 18 Uhr und Sonntag, 13. Oktober, von 10 bis 17 Uhr. Am letzten Öffnungstag findet von 17 bis 18 Uhr die Ausgabe der verkauften Objekte und Bilder statt. Der Eintritt ist frei. Informationen gibt es unter www.kuenstlerarche.de.


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Leserkommentare
Gissmo am 23.10.2019 09:36
Danke für die konstruktive Antwort, man kann sich scheinbar ja doch noch ohne Beleidigungen hier im Kommentarbereich austoben, so machts doch allen ...
RalfBlumenthal am 23.10.2019 09:28
Was macht ein Ortsamtsleiter, der seinen Willen nicht bekommt ?
Er macht nichtöffentlich, was öffentlich gehört !
So geht das nicht, Herr ...