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Traktor-WM in Österreich
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Mit 17 PS die Alpen hinauf

Brigitte Lange 06.10.2019 0 Kommentare

Was für ein Panorama: Für manchen mag schon die Aussicht auf die Alpen Grund genug für die Teilnahme an der Traktor-WM gewesen sein.
Was für ein Panorama: Für manchen mag schon die Aussicht auf die Alpen Grund genug für die Teilnahme an der Traktor-WM gewesen sein. (Sven Jantzen)

Ritterhude. Diesmal hat Sven Jantzen darauf geachtet, dass er bei der Siegerehrung der Traktor-WM am Großglockner im Festzelt ist. Vor vier Jahren, als er das erste Mal um den Pokal kämpfte, hatte der Ritterhuder mit seinen Vereinskollegen von den „Freunden alter Trecker Lesumstotel / Werschenrege“ nämlich noch beim Abendessen gesessen, als er im Zelt als Zweiter in seiner Trecker-Klasse aufgerufen worden war. Von seiner Platzierung erfuhr er erst auf dem Postweg. „Man lernt ja dazu“, sagt Jantzen und grient. Dieses Jahr schaffte er es mit seinem Lanz Bulldog 1706 (Baujahr 54) in der Gesamtwertung auf Platz 37  – von insgesamt 500. Damit war er der Beste unter den Teilnehmern aus seinem Verein. 

Wer bei der Traktor-WM in Österreich vorn mitmischen will, muss ein Gespür für Geschwindigkeit besitzen. Bei den beiden Wertungsfahrten, die die Teilnehmer absolvieren, geht es um Durchschnittsgeschwindigkeiten. „Unsere Trecker haben aber keinen Tacho“, bemerkt Sven Jantzen. Einige Kandidaten würden zwar versuchen, dem Problem mit einem Fahrrad-Tacho oder dem Handy Herr zu werden. „Das klappt aber nicht“, sagt Peter Helmke.

Helmke hat den Trecker-Freunde-Verein in Lesumstotel / Werschenrege aus der Taufe gehoben. Der Vorsitzende schmunzelt: „Am 11.11.2011 war das.“ Acht Gründungsmitglieder seien sie gewesen. Inzwischen seien sie 28 Mitglieder. „Der Jüngste ist 19 und der Älteste 88 Jahre“, sagt Helmke. Gemeinsam bringen sie es auf 32 Trecker aus den frühen 50er- bis hin zu den 70er-Jahren.

Mit acht dieser Oldtimer hat der Verein nun an der 18. Traktor-Weltmeisterschaft in teilgenommen. Im Internet waren sie vor einigen Jahren auf die WM gestoßen. Diesmal reisten 15 Mitglieder nach Bruck an der Großglockner-Hochalpenstraße im Salzburger Land. Darunter mit Helmke und Jantzen sowie Sven Vogler fast der komplette Vorstand. Mit eigenem Trecker sei erstmals auch Cord Rathjen dabei gewesen.

Ab zur Nachprüfung

Die 1000 Kilometer bis nach Bruck legten sie noch mit PKW und Transporter zurück. Ihre alten Schätze hatten sie für den Transport auf zwei Lastwagen samt Anhängern verladen. „Wir sind die Nacht durchgefahren und kamen gegen Mittag an“, erzählt Helmke. Früh genug, um die Meldeunterlagen in Empfang zu nehmen. Nur Sven Jantzen bekam keine: Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass die Trecker noch mindestens ein Jahr Tüv haben. „Meinem fehlten genau sechs Tage“, erzählt Jantzen. Sein Lanz musste daher zur Nachprüfung. „Er war aber nicht der Einzige, der kontrolliert wurde.“ Allein in der Zeit, in der er bei der Werkstatt wartete, seien gut zehn andere Trecker vorgefahren. Bei insgesamt 500 Teilnehmern aus elf Nationen eine überschaubare Zahl.

Für Sven Jantzen war es nicht einmal die erste Hürde, die er nehmen musste. „Als wir zu Hause die Trecker verladen haben, hörte ich dieses Quietschen.“ Der Keilriemen drohte, sich zu lösen. Ein Neuer musste her und das sofort. Er hatte Glück: „In Quelkhorn habe ich ganz kurzfristig einen bekommen.“

Bei bestem Spätsommer-Wetter genossen die 19- bis 76-jährigen Trecker-Fans aus Ritterhude den Wettstreit vor der Alpenkulisse. Der erste „Lauf“ ging über eine Distanz von acht Kilometern und führte die WM-Teilnehmer von Bruck ins benachbarte Fusch. Mit 57 Metern war der dabei zu bewältigende Höhenunterschied zu vernachlässigen. Die eigentliche Schwierigkeit bestand darin, eine vorgegebene Durchschnittsgeschwindigkeit von 13,7 Kilometern pro Stunde zu treffen. „Er hat es um drei Sekunden verrissen“, sagt Helmke über Sven Jantzen. Von ihrer Gruppe war er damit trotzdem der Beste.

Ein Grund für die Abweichung: die Polizei. Sven Jantzen schmunzelt als er erzählt: „Ich musste während der Wertungsfahrt pusten.“ Sein Beifahrer hatte ihm nämlich beim Fahren etwas zu Trinken gereicht. „Das hat die Polizei gesehen und gedacht, es handele sich um Alkohol.“ Die verlorene Zeit hatte er aufholen müssen – etwas, das er tatsächlich fast geschafft hat.

Bevor sie sich am nächsten Morgen der zweiten Prüfung stellten, feierten die WM-Teilnehmer in Fusch. Dann wurde es ernst. Ab 7 Uhr war die Großglockner-Alpenstraße wegen der WM für den regulären Verkehr gesperrt. „Bis 10 Uhr gehörte die Bergstrecke uns“, erzählt Helmke. Über eine Strecke von 16 Kilometern schraubten sich die betagten Fahrzeuge von 1100 Metern über normal Null am Startpunkt bis zum Ziel in 2500 Metern Höhe hoch. Helmke: „Die Steigung betrug dabei die ganze Zeit zehn bis zwölf Prozent.“ 16 Spitzkehren mussten sie nehmen.  

„Von einer Mautstation sind wir im Abstand von wenigen Sekunden gestartet“, so Helmke weiter. Eine Lichtschranke registrierte jeden Trecker. Dann ging es im selbst gewählten Tempo den Berg hinauf. Zumindest die ersten acht Kilometer. Mit seinem 17 PS starken Lanz, einem Zweitakter ohne eigenes Bremsmoment im Motor, tuckerte Sven Jantzen mit acht bis neun Stundenkilometern dem Ziel entgegen.

Nach den ersten acht Kilometern kam die eigentliche Herausforderung: Die bis dahin gefahrene Durchschnittsgeschwindigkeit musste jeder Fahrer auch auf der zweiten Hälfte bis zum Ziel einhalten. „Ich lag am Ende 17 Sekunden daneben“, sagt Jantzen. Beide Läufe zusammen ergaben eine Abweichung von 20 Sekunden, was für Sven Jantzen Platz 37 bedeutete. Die übrigen Vereinsmitglieder rangierten im dreistelligen Bereich: So landeten als Zweit- und Drittbeste der Ritterhuder Truppe Markus Böttjer auf Platz 139 und Neuling Cord Rathjen auf Platz 165.

Nächstes Jahr wollen Helmke, Jantzen und Co. wieder antreten. „Das macht einfach wahnsinnigen Spaß“, sagt Sven Jantzen. Allerdings sei dieser nicht ganz billig, räumen die beiden Vorstandsmitglieder ein. Helmke: „Ohne Sponsoren könnten wir das gar nicht.“


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Leserkommentare
Gissmo am 23.10.2019 09:36
Danke für die konstruktive Antwort, man kann sich scheinbar ja doch noch ohne Beleidigungen hier im Kommentarbereich austoben, so machts doch allen ...
RalfBlumenthal am 23.10.2019 09:28
Was macht ein Ortsamtsleiter, der seinen Willen nicht bekommt ?
Er macht nichtöffentlich, was öffentlich gehört !
So geht das nicht, Herr ...