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Theater im Gymnasium
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Mit LSD auf eigensinnige Reise

Christian Pfeiff 11.06.2019 0 Kommentare

Die Theater-AG verlegte die bekannte Geschichte vom Wunderland in eine Irrenanstalt.
Die Theater-AG verlegte die bekannte Geschichte vom Wunderland in eine Irrenanstalt. (von Lachner)

Ritterhude. Kaum ein anderes Kinder- und Jugendbuch des 19. Jahrhunderts übt einen dermaßen nachhaltigen Einfluss selbst auf die heutige Literatur und Popkultur aus wie Lewis Carrolls erstmals 1865 veröffentlichtes „Alice in Wonderland“, dessen vielfältige Adaptionen, Bezugnahmen und Zitate in sämtlichen Formen und Medien locker eine vierstellige Summe erreicht haben dürften. Diesem Kanon fügte die Theater-AG des Ritterhuder Gymnasiums am vergangenen Mittwoch eine weitere, eigenständige Interpretation hinzu.

Unter der Leitung von Stephan Besl und Olaya Diaz übernahm die durchgehend weibliche AG-Teilnehmerschaft zwar weitestgehend Handlungselemente aus Carrolls literarischer Vorlage, reduzierte diese jedoch auf signifikante Handlungselemente und fügte zudem noch eigene Ideen hinzu.

„Nachdem die Auswahl des Stücks zu Beginn des Schuljahres gemeinsam mit den 17 Teilnehmerinnen demokratisch getroffen wurde, haben wir die Vorlage zunächst von 120 auf 36 Seiten reduziert“, erklärt Besl.

Darüber hinaus gestattete sich die AG-Teilnehmerinnen auch weitere interpretatorische Freiheiten: So wurde die Rahmenhandlung der Geschichte kurzerhand in eine Irrenanstalt verlegt, in der Alices Reise ins Wunderland durch medizinische Experimente mit LSD ausgelöst wird – ein Bezug, der laut Besl nicht auf dem mehrfach widerlegten Mythos, das Carrolls Werk deutliche Verweise auf die Effekte des Konsums psychedelischer Drogen und die damit einhergehende Vereinnahmung durch die experimentierfreudige Jugendkultur der späten Sechzigerjahre, sondern schlicht auf einem Vorschlag eines vormaligen AG-Mitglieds basiert, das diesen während eines Besuchs auf einer Probe äußerte.

„Ursprünglich wollte ich in diesem Jahr ein anderes Stück inszenieren, wurde jedoch überstimmt“, gesteht Besl. Dass die AG-Teilnehmer jedoch eine gute Wahl trafen, befand nicht nur er angesichts der Aufführung in der sehr gut besuchten Aula. Schließlich gewährt der fantastische Stoff den mitwirkenden Akteurinnen nahezu alle denkbaren Freiheiten, ihre Rollen zu verkörpern – von geheimnisvoller Zurückhaltung bis hin zu gnadenlosem Overacting. „Im zweiten AG-Jahr trauen sich die meisten schon etwas mehr auf der Bühne“, konstatiert Besl schmunzelnd.

Diese Möglichkeit kostete allen voran Emily Behrends in einer Doppelrolle als Herzkönigin beziehungsweise cholerische Oberärztin genüsslich aus, als sie beispielsweise bei dem bekannten Croquetspiel ein ums andere Mal lautstark „Ab mit dem Kopf!“ forderte. Doch auch Veronika Heinz, Linea Matz und Leonie Wolf, um nur einige zu nennen, die der Bühnen-Alice unter anderem als Grinsekatze, Maus und Kaninchen begegneten, führten ihre jeweiligen Rollen mit spürbarer Spielfreude bis an den Rand der Überzeichnung.

So liegt es schon fast in der Natur der Sache, dass die Vorlagenbearbeitung durch die AG trotz der zusätzlichen Rahmenhandlung nicht den Anspruch eines Dramas, sondern primär eines ebenso bunten wie kurzweiligen Spektakels aufwies, der die Akteure ein ums andere Mal die gesamte Aula als Spielfläche ausnutzen ließ. Ein Eindruck, der sich durch bisweilen psychedelisches Bühnenlicht und Hintergrundprojektionen sowie bereits am Eingang durch zwei Kartensoldatinnen ans Publikum verteilte bunte Pillen verstärkt wird – auch wenn Letztere sich spätestens beim Verzehr als harmlose Bonbons erwiesen.

Zur Umsetzung der inneren Monologe der Protagonistin entschied sich die Gruppe zu dem Kunstgriff, Alice zumindest im Wunderland gleich doppelt auftreten zu lassen, was wiederum absurd-tragikomische Dialoge zwischen den entsprechenden Darstellerinnen Charlotte Gentsch und Shanaya Busch ermöglicht: „Ob ich jemals wieder normal sein werde?“ „Da Du gerade mit Dir selbst sprichst, sieht es nicht so aus.“ So ist dem sichtlich liebevoll inszenierten Bühnenspaß als einziges Manko eigentlich nur anzulasten, dass derzeit noch keine Termine für etwaige Folgeaufführungen feststehen. „Die Umstellung auf das G9-System und der frühe Sommerferienbeginn lassen in diesem Schuljahr leider wenig Raum für Theater“, bedauert nicht nur Besl – auch zahlreiche Darstellerinnen meldeten bei ihm nach der gelungenen Aufführungen vor gut gefülltem Haus Wiederholungsbedarf an. „Wenn Ihr nach den Sommerferien Eure Texte noch könnt können wir das ja für den August ins Auge fassen“, versprach der Theaterpädagoge.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...