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Nazizeit als Thema für Viertklässler

Klaus Grunewald 26.01.2018 0 Kommentare

Stolpersteine Riesstrasse Ritterhude
In der Gemeinde Ritterhude lassen sich einige Spuren aus der Nazi-Vergangenheit finden, darunter diese Stolpersteine an der Riesstraße. (Christian Kosak)

Ihlpohl. „Denkmal nach“ steht auf dem Laken, das an der Decke der Aula hängt. Nachdenken sollen an diesem Abend in der Grundschule Am Denkmal die Erwachsenen. Und zwar darüber, ob sich Viertklässler mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, mit Faschismus und Holocaust, auseinandersetzen können oder sollten. Eingeladen zu dem „nachdenklichen Gesprächsabend“ in der Grundschule hatte am Donnerstagabend der Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“. Er will die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen und das Unrecht der DDR-Diktatur wach halten und versteht sich als „Teil des vielfältigen bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland.“ Das ist nach den Worten von Reinhard Egge in diesem Jahr besonders gefordert.

Der Regionalsprecher der Arbeitsgruppe Unterweser-Bremen erinnerte zum Auftakt des Abends an die Pogromnacht am 9. November vor 80 Jahren; sodann an den 18. November 1941, als zahlreiche Juden aus Bremen, Ritterhude und Stade nach Minsk deportiert wurden; und an das Ende des Ersten Weltkriegs am 11. November 1918, also vor exakt 100 Jahren. Geschichtliche Ereignisse, aus denen Lehren zu ziehen seien und die deshalb selbstverständlich zum Schulunterricht gehörten.

Soll damit aber schon in der Grundschule begonnen werden oder sind die Kinder in diesem Alter überfordert? Diese Frage stand im Laufe des Abends schließlich im Mittelpunkt der Diskussion. Für Diakon Michael Freitag-Parey von der Gedenkstätte Sandbostel steht fest, dass sich Zehnjährige sehr wohl mit der Thematik auseinandersetzen können. Freitag-Parey ist der einzige Friedenspädagoge, der im Auftrag der hannoverschen Landeskirche an einer NS-Gedenkstätte arbeitet. Er organisiert Projekte auch für Grundschüler auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers; dabei gehe es dann um die zentrale Frage geht, wie Gewalt und Krieg überwunden werden können. Sein Urteil: „Man kann auch schon mit Viertklässlern gut über den Nationalsozialismus reden.“

Zwischen Bewunderung und Skepsis

Eine Steilvorlage für diese Feststellung hatte ihm in der Schulaula der zehnjährige Jannis Wywianka geliefert. Von Schulleiterin Tanja Jordan vorgestellt und ermuntert, erläuterte Jannis den Unterricht über den Nationalsozialismus  in der Schule Am Denkmal. Unaufgeregt und verständlich. Die gut 30 Erwachsenen in der Aula zeigten sich beeindruckt. Wenngleich einige keinen Hehl aus ihrer Skepsis machten, schon Grundschüler mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte zu konfrontieren.

Die große Mehrheit aber hatte sich offenbar von dem Friedenspädagogen und dem Zehnjährigen überzeugen lassen. Allerdings  wurde mehrmals gemahnt, dass gutes Lehrmaterial und gut vorbereitete Pädagogen unbedingte Voraussetzung für einen nachhaltigen Unterricht seien. Außerdem, so hieß es, dürfe der Geschichtsunterricht für die älteren Jahrgänge in Oberschule und Gymnasium nicht mit dem Thema Nationalsozialismus überfrachtet werden.

Der Buchautor und ehemalige Hörfunkdirektor von Radio Bremen, Hermann Vinke, hält es für wichtig, die Eltern in die „Erinnerungsarbeit“ einzubeziehen. Vinke war als Moderator des Abends eingeladen worden und empfahl, im Erinnerungsjahr 2018 konkrete Projekte anzuschieben. Es sollte sich dabei bevorzugt um solche handeln, die sich mit der Geschichte vor Ort verbinden ließen, ergänzte der Bundesgeschäftsführer des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“, Michael Parak. Er bot seine Hilfe bei der Realisierung solcher Projekte an.

Spuren für faschistische Greueltaten auch in der Gemeinde Ritterhude gibt es einige; das hatte auch Jannis Wywianka in seinem Vortrag deutlich gemacht. Ritterhude engagiere sich auch schon seit drei Jahrzehnten in der Erinnerungsarbeit, unterstrich Ute Marquardt von der Gemeindeverwaltung. Auch künftig werde man entsprechende Projekte tatkräftig fördern. „Dafür, dass das angesichts der geschichtsträchtigen Ereignisse am 9. und 18.November frühzeitig geschieht, sollte dieser Gesprächsabend Denkanstöße geben“, lautete Reinhard Egges Fazit nach anderthalbstündiger Debatte.


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
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Bremen99 am 21.10.2019 20:41
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