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Neuer Blick auf Ruth Dodenhoff

Bernhard Komesker 21.05.2019 0 Kommentare

Gabriele Jannowitz-Heumann hat dafür gesorgt, dass Ruth Dodenhoff einen eigenen Eintrag in der Online-Plattform Arcinsys erhält.
Gabriele Jannowitz-Heumann hat dafür gesorgt, dass Ruth Dodenhoff einen eigenen Eintrag in der Online-Plattform Arcinsys erhält. (Christian Kosak)

Landkreis Osterholz. Die Archivierung der riesigen Worpsweder Foto-Sammlung aus dem Nachlass von Rudolf Dodenhoff (1917 bis 1992) hat ein wichtiges Etappenziel erreicht. Das gab Kreisarchivarin Gabriele Jannowitz-Heumann jetzt im Kreistagsausschuss für Bildung bekannt. Demnach sei es gelungen, aus den mehr 100 000 Bildern und Negativen diejenigen Aufnahmen herauszufiltern und zu katalogisieren, die in Wahrheit von Dodenhoffs früherer Ehefrau Ruth stammen. „Sie war gelernte Fotografin wie er und hat in den ersten Jahren nach dem Krieg zahlreiche Künstlerfotos gemacht, von denen wir bisher dachten, dass sie von Rudolf Dodenhoff stammen“, teilte Jannowitz-Heumann mit.

Ruth Dodenhoff (1923 bis 2018) sei in ihren Jahren am Weyerberg vielfach zu den Kunstschaffenden gefahren, um sie in ihren Ateliers zu fotografieren. Ruth Dodenhoff, geborene Schapitz, habe auch in den Fünfzigerjahren noch bemerkenswerte Porträtfotos gemacht, sich dann aber offenbar eher darauf verlegt, ihrem Mann im Fotogeschäft an der Bergstraße den Rücken frei zu halten, erklärte die Archivarin. 1950 war das Jahr ihrer Meisterprüfung und der Eheschließung mit Rudolf Dodenhoff; das Paar bekam zwei Söhne und ließ sich 1970 wieder scheiden.

Rudolf Dodenhoff gilt – neben Hans Saebens – seit langer Zeit als einer der wichtigsten frühen Foto-Chronisten im Künstlerdorf. Da viele Abzüge auf der Rückseite lediglich einen Stempelabdruck „Dodenhoff“ oder „R. Dodenhoff“ trugen, sei die Zuordnung zunächst nicht einfach gewesen, so die Archivarin. Einige Jahre nach Rudolf Dodenhoffs Tod ging das weitgehend ungeordnete Konvolut zunächst an den Fotografen Dieter Weiser, von dem der Landkreis es mithilfe von Sponsoren 2016 erwerben konnte (wir berichteten). „Ich habe mir den Bestand zunächst angeschaut und gleich gesagt, ,Wenn wir es übernehmen, dann nur vollständig.'“

Am Ende einer akribischen Recherche, die Jannowitz-Heumann auch mit Ruth Dodenhoffs Ausbildungsstätte, der Berliner Lette-Schule, zusammengebracht hatte, stand die Indizienkette – zumal der Fotograf häufig doch mit „Rud. Dodenhoff“ oder mit vollem Namen gezeichnet hatte. Ein Schlüsseldokument in den Unterlagen war dabei ein Papier aus dem Jahr 2000; darin meldete Ruth Dodenhoff, die damals schon in Freiburg lebte, die Urheberrechte für die Künstlerporträts in der Sammlung an, die sie in den Jahren bis zur Eheschließung gefertigt hatte.

Es blieb aber bis zur Übernahme durch den Landkreis eine folgenlose Protokollnotiz. „Ihr Sohn war zunächst auch skeptisch, weil er keinen Streit auslösen wollte“, schilderte Jannowitz-Heumann. Für sie sei das Papier wie ein Arbeitsauftrag gewesen, wie auch juristische Ratgeber bestätigt hätten. Inzwischen sei der Dodenhoff-Sohn sehr zufrieden damit, das geistige Eigentum seiner Mutter vom Archiv geprüft und geschützt zu sehen. „Ruth Dodenhoff wird im Archivinformationssystem Arcinsys nun als eigenständige Fotografin aufgeführt“, schloss die Archivarin. Nun warten mit Rudolf Dodenhoffs Arbeiten „weitere, sehr interessante Bestände“ darauf, gesichtet und sortiert zu werden. „Ich verspreche Ihnen, das wird auch nochmal ganz spannend.“

Mit dem Beispiel der Dodenhoff-Fotos hatte Gabriele Jannowitz-Heumann den Kreistagsabgeordneten einen Einblick in ihre Arbeit gewährt. Laut Jahresbericht hatte das Archiv auch im vergangenen Jahr etwa 1000 Besucher und unverändert viele amtliche und private Anfragen. „Wir haben die Präsenzbibliothek auf einen guten Stand gebracht und einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht.“

Oft bekomme sie Kartons voller Privatnachlässe angeboten, worüber sie sich sehr freue. In jüngerer Zeit geschieht dies oft auch in Form einer Festplatte. „Diese Datenflut wird noch eine Herausforderung“, blickt die Archivarin voraus. „Originale kann man anfassen.“

Das Digitalzeitalter hat längst begonnen: Zurzeit gehen viele alte Aktenbestände mit Originalzeichnungen aus dem Bauamt der Kreisverwaltung ans Archiv. Aus den Rathäusern treffen zudem regelmäßig auch Personenstandsunterlagen bei Jannowitz-Heumann ein, wobei die Behörden jeweils den Datenschutz und seine Fristen beachten müssen. Das vergangene Jahr sei geprägt gewesen von einigen Gedenktagen und der Netzwerkpflege sowie von historischer Bildungsarbeit in Form von Ausstellungs- und Unterrichtsprojekten, erklärte die Archivleiterin.

„Die Schüler ins Archiv zu holen, ist weiter ein wichtiges Anliegen“, sagt sie. Jannowitz-Heumann hatte 2017 den Preis der Internationalen Friedensschule Bremen gewonnen, deren Arbeitsgruppe im Bürgerhaus Vegesack tätig sind. In der Laudatio hieß es, Jannowitz-Heumann habe „zur Geschichtsaufarbeitung der NS–Herrschaft in unserer Region und zur Dokumentation der Lebensgeschichte von Opfern und Überlebenden beigetragen“.

Sie selbst sagt zurückhaltend, sie wolle, dass das Archiv ein Lernort sei. Damit das so bleibt, sind bei jungen Leuten neue Methoden nötig. So bereitet die Archivarin ein Projekt vor, bei dem Schüler geschichtliche Ereignisse mithilfe von Graphic Novels aufarbeiten. „Das setzt natürlich voraus, dass ich mich selbst auch mit Graphic Novels befasst habe.“

Untergebracht ist das Kreisarchiv im Medienhaus im Campus, Am Barkhof 10 a, Telefon 0 47 91 / 930 22 60. Die Öffnungszeiten sind montags und dienstags von 10 bis 12 Uhr, donnerstags von 15 bis 18 Uhr und mittwochs nach Vereinbarung. Das Archiv informiert heute um 18 Uhr im Kreishaus über die Internet-Portale „Kuniweb“ sowie „Künstlerdatenbank und Nachlassarchiv Niedersachsen“; diese sollen Urheber-Zuordnungen erleichtern.


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Leserkommentare
cklammer am 23.10.2019 09:05
Na, wir wissen ja, wie das geht: etwas gleichartiges wird ja am Weserstadion schon beim jedem Heimspiel von Werder umgesetzt.

Da wird ...
oharena am 23.10.2019 09:04
wen soll man jetzt mehr "lieben" - die Polizei, de Anschläge verhindert hat - oder die "lieben" Terroristen, die keine Anschläge verübt haben?