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Vom Gutachter für schuldfähig befunden
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Schwaneweder büßt mit Freiheitsstrafe

Friedrich-Wilhelm Armbrust 08.10.2019 2 Kommentare

Justizia-Symbolbild.
Justizia-Symbolbild. (David-Wolfgang Ebener/dpa)

War der 34-jährige Angeklagte aus Schwanewede schuldfähig oder nicht? Vor allem diese Frage hatte das Schöffengericht im Prozess gegen ihn zu klären. Vor dem Kadi stand er wegen einer ganzen Latte von Straftaten: mehrfacher schwerer Diebstahl, einfacher Diebstahl, Urkundenfälschung und Fahren ohne Fahrerlaubnis. Die Taten hatte er weitgehend eingeräumt.

Um über die Schuldfähigkeit des Angeklagten Feststellungen zu treffen, war Johannes Pallenberg, Facharzt für forensische Psychiatrie, als Sachverständiger geladen. Der Hintergrund dafür: der Schwaneweder ist drogenabhängig. Darum berichtete er, dazu befragt von Strafrichterin Johanna Kopischke, über seinen Werdegang in die Sucht. Als 13-Jähriger habe er mit leichten Drogen begonnen, sagte der 34-Jährige aus. Nach seinen Worten hat er aus diesem Grund den Hauptschulabschluss nicht geschafft, eine begonnene Lehre abgebrochen. „Mit 20 Jahren kamen härtere Drogen wie Kokain. Dann war mal ein halbes Jahr Abstinenz. Aber ich wurde wieder rückfällig. Eine Therapie habe ich nicht gemacht.“

Weshalb er zuletzt dann doch wieder rückfällig geworden sei, fragte die Strafrichterin den 34-Jährigen. „Der emotionale Auslöser war, dass sich meine Freundin von mir getrennt hat.“ Er habe dann auch seinen Job verloren, so der Schwaneweder. Auf die Frage nach seiner Zukunft entgegnete er: „Arbeiten gehen, Wohnung suchen, Bremen verlassen. Für die Schule habe ich keinen Ehrgeiz.“ Eine Ausbildung im Handwerk komme aber in Frage. „Ich bin so ein Einzelgänger. Das hat sich so ergeben.“

Sachverständiger Pallenberg verwies darauf, dass der Schwaneweder dreifach drogenabhängig sei, von Heroin, Kokain und Cannabis. Heroin hat er dem Sachverständigen zufolge ein bis zwei Gramm täglich konsumiert, Kokain einmal im Monat, Cannabis sporadisch. Im Blick auf die Persönlichkeit des Angeklagten merkte Pallenberg an: „Er ist nett, freundlich, zuvorkommend und normal intelligent.“

Allerdings hatte der Sachverständige eine dissoziale Entwicklung ausgemacht. „Das ist eine Störung im Sozialverhalten“, erklärte er. Menschen mit dieser Störung fielen dadurch auf, dass sie gegen soziale Normen verstießen, so Pallenberg. Die Folgen sind diesen Menschen nach seinen Worten egal. „Typisch ist, dass sie keine eigene Verantwortung für ihr Verhalten übernehmen.“ Aber er sehe nichts, was die Schuldfähigkeit einschränken würde, so das Fazit des Sachverständigen. „Die Dissozialität steht im Vordergrund. Drogenkonsum verstärkt sie.“

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hielt eine Freiheitsstrafe von drei Jahren für angemessen. Freiheitsstrafen, die über zwei Jahre gehen, können nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden. Außerdem sollte es für den Angeklagten eine Sperrfrist für den Führerschein von zwei Jahren und sechs Monaten geben. Schließlich beantragte sie die Einziehung des Wertes des Erlangten in Höhe von gut 14 700 Euro. Dieser Schaden ist bei den Diebestouren des Schwaneweders entstanden.

Verteidigerin Regina Gross bat um ein mildes Urteil. Sie begründete ihr Anliegen  einmal damit, dass ihr Mandant ein Geständnis abgelegt habe. Zum anderen habe  er seine Diebstähle und Einbrüche nur in Gebäuden verübt, in denen sich keine Menschen aufgehalten hätten. „Für Menschen hat keine Gefahr bestanden.“ Der Wegfall der Stabilität habe, so die Verteidigerin, zu den Taten und zum Drogenkonsum geführt. „Das war ein Teufelskreis.“

Was aber auch zu Buche schlug, waren 15 Eintragungen im Bundeszentralregister (BZR). Mehrfach Diebstahl, Fahren ohne Fahrerlaubnis und ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz sind im BZR aufgelistet.

Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und zwei Monaten. Man sei dabei von der völligen Schuldfähigkeit des Schwaneweders ausgegangen, sagte Strafrichterin Kopischke. Denn die Fahrten zu den einzelnen Tatorten bedurften ihr zufolge der Organisation und Koordination. „Das war ein planvolles  Vorgehen.“ Darüber hinaus schloss sich das Schöffengericht den Anträgen der Staatsanwaltschaft wie der Sperrfrist für den Führerschein und die Einziehung des Wertes des Erlangten an. Der Angeklagte sitzt zur Zeit in der Justizvollzuganstalt Bremervörde. Der Untersuchungshaftbefehl ist aufrecht erhalten geblieben. Zwei Justizwachtmeister hatten den an den Händen gefesselten Angeklagten nach Osterholz-Scharmbeck begleitet. 


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Leserkommentare
cklammer am 23.10.2019 09:05
Na, wir wissen ja, wie das geht: etwas gleichartiges wird ja am Weserstadion schon beim jedem Heimspiel von Werder umgesetzt.

Da wird ...
oharena am 23.10.2019 09:04
wen soll man jetzt mehr "lieben" - die Polizei, de Anschläge verhindert hat - oder die "lieben" Terroristen, die keine Anschläge verübt haben?