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Kampf gegen Straßenlärm
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„Sie müssen am Ball bleiben“

Christian Valek 18.09.2019 0 Kommentare

Die B 74, hier in Sandhausen, gehört zu den Straßen, die im Lärmaktionsplan genannt werden. der dortige Kreuzungsbereich wird zurzeit umgebaut.
Die B 74, hier in Sandhausen, gehört zu den Straßen, die im Lärmaktionsplan genannt werden. der dortige Kreuzungsbereich wird zurzeit umgebaut. (Christian Valek)

Osterholz-Scharmbeck. Die Stadt Osterholz-Scharmbeck hat einen Lärmaktionsplan (LAP) aufstellen lassen. Ein Beratungsbüro aus Hannover hat dazu das Stadtgebiet untersucht. Sein Fazit: Die Lärmkartierung in Osterholz-Scharmbeck zeige eine vergleichsweise hoch belastete Situation in weiten Teilen der B 74 und der L 135. Für die betroffenen Straßenabschnitte könnten vorgeschlagene Maßnahmen zu einer deutlichen Minderung der Lärmsituation beitragen, sind die Gutachter überzeugt, wie sie vor Mitgliedern im Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung erläuterten.

Besondere Belastungen würden entstehen, heißt es in der Untersuchung, wenn sich Straßen- und Schienenverkehrslärm bündelten. Dieser Sachverhalt betreffe „weite Bereiche Osterholz-Scharmbecks“, wie das Gutachten festhält. „Es ist ein Lärmkorridor vorhanden, in dem nachts im Bereich von Wohngebieten teilweise Mittelungspegel bis zu 70 dB(A) erreicht werden“, heißt es im Lärmaktionsplan. Auch „ruhige Gebiete“ der Stadt werden im Plan explizit aufgeführt. 

Ortsvorsteher Jens Tietjen, der in der Sitzung anwesend war, nutzte die Gelegenheit, um sich über den Einbau von sogenanntem Flüsterasphalt in Sandhausen zu erkundigen. Dort wird zurzeit der B74-Abschnitt der Ortsdurchfahrt saniert (wir berichteten). Diplom-Ingenieur Heinz Mazur vom Beratungsbüro PGT Umwelt und Verkehr GmbH aus Hannover teilte mit, dass dort eine „011er-Oberfläche“ verbaut werden soll. Dieser Belag mindere den Lärm immerhin um gut zwei Dezibel, gab er an. „Echter Flüsterasphalt“ sei in der Lage, das Abrollgeräusch der Reifen durch seine Offenporigkeit um gut fünf Dezibel zu drücken.

Flüsterasphalt für B 74?

Bauamtsleiter Frank Wiesner machte sich Notizen, als Mazur darauf hinwies, dass es nach seiner Kenntnis auf Veranlassung von Städten „Versuchsstrecken“ für Flüsterasphalt geben könne. Frank Wiesner kündigte an, den einen oder anderen Vorschlag in den kommenden Verkehrsentwicklungsplan aufzunehmen. Für die Umsetzung müssten aufgrund der Zuständigkeiten für Kreis-, Land- und Bundesstraßen auch Gespräche mit dem jeweiligen Baulastträger geführt werden. Die Frage stehe im Raum, wer die zusätzlichen Kosten übernehmen wolle. Letztlich gebe der Lärmaktionsplan aber allen eine gute Übersicht. Die Frage ist: „Was kann man theoretisch machen, um Lärm zu reduzieren?“

Für die „wesentlichen Belastungspunkte“ in der Stadt soll laut Gutachter auf folgende Bausteine zurückgegriffen werden. Darunter fallen Geschwindigkeitsreduzierungen insbesondere bei Nacht, Konzepte zur Straßenumgestaltung wie der Einbau von Mittelinseln im Zuge der B 74 und der L 135 sowie das Verbauen von lärmmindernder Asphalt-Arten bei Sanierungsmaßnahmen auf der B 74 und der L 135. Auch die Förderung des Radverkehrs durch Entwicklung eines Radverkehrsnetzes oder die Markierung von Schutzstreifen seien geeignet. „Diese Maßnahmen sollten „Schrittchen für Schrittchen“ umgesetzt werden appellierte Heinz Masur. „Sie müssen am Ball bleiben, sonst verschwindet der Lärmaktionsplan in der Schublade“, mahnte Heinz Mazur.

Marie Jordan von der CDU-Fraktion hatte Zweifel. „Wir sind im Moment noch nicht vom Lärmaktionsplan überzeugt.“ Unter anderem zog sie Stellungnahmen des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs (ADAC) heran. Dieser weise darauf hin, dass Temporeduzierungen nachts nicht viel bringen würden, da Lastwagen ohnehin nicht schneller als 80 Kilometer pro Stunde fahren könnten.

Heinz Mazur wollte das nicht gelten lassen. Ihm ginge es um die grundsätzliche Bereitschaft. „Wenn sie Zweifel haben, dann sagen Sie, dass sie keinen Schutz gegen Lärm haben wollen.“ Jordan wiederum wollte das nicht auf sich sitzen lassen. Mazurs Vorwurf wies sie als „unangemessen“ zurück. Vielmehr müsse man überlegen, ob es beim Lärmschutz nicht effektivere Möglichkeiten gebe, als nur die erlaubte Höchstgeschwindigkeit zu senken. Anja Heuser von den Grünen hielt die Ausführungen von Heinz Mazur jedoch für „hochinteressant und schlüssig“. Lärm sei ein potenzielles, gesellschaftliches Problem, merkte sie an. „Die Lebensqualität wird dadurch herabgesetzt“, steht für sie fest. Lärmschutz dulde deshalb keinen Aufschub. „Ich verstehe nicht, warum wir es nicht gleich tun wollen.“

Störung der Nachtruhe

Kommunen sind zur Aufstellung einer Lärmaktionsplanung (LAP) nach Paragraf 47d Bundesimmissionsschutzgesetz auf der Grundlage der Umsetzung der Umgebungslärmrichtlinie 2002/49/EG gesetzlich verpflichtet, wie aus der Sitzungsvorlage zum Tagesordnungspunkt hervorgeht. Denn Belastungen durch Lärm könnten sich im Wohnumfeld durch Störungen der Kommunikation, durch Störungen der Nachtruhe oder durch eine eingeschränkte Nutzbarkeit der Grundstücke ausdrücken. Die Europäische Union wolle diesem Szenario mit der Umgebungslärmrichtlinie entgegenwirken.

Über den vorgelegten Lärmaktionsplan soll an diesem Donnerstag, 19. September, ab 15 Uhr von den Ratsmitgliedern abgestimmt werden. Wer sich das Gutachten samt Abbildungen ansehen möchte, kann es über das Ratsinformationssystem der Stadt Osterholz-Scharmbeck unter www.osterholz-scharmbeck.de aufrufen.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...