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Streit um Jagd auf Nutria
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Tierrechtler gibt Jägermeister kontra

Bernhard Komesker 17.05.2019 2 Kommentare

Nutrias vermehren sich rasant; die Jagd auf sie wird intensiviert.
Nutrias vermehren sich rasant; die Jagd auf sie wird intensiviert. (Philipp Schulze/dpa)

Landkreis Osterholz. Zu unserem Bericht über den verstärkten Kampf der Osterholzer Jägerschaft gegen Nutria, Waschbär und Marderhund hat sich ein prominenter Jagdgegner und Tierrechtler aus Marburg zu Wort gemeldet. Franceso Dati hält die Bejagung der genannten Tierarten für unverhältnismäßig und überflüssig; er legt Wert auf die Feststellung, dass nicht die Europäische Union den Muttertierschutz für Nutria aufgehoben habe, sondern das Land Niedersachsen – nachdem eine EU-Richtlinie genau dies ermöglicht hatte. Mehr noch: Dati bezweifelt rundheraus, dass beispielsweise die auf dem Vormarsch befindlichen Nutrias eine ernste Gefahr für Ufer und Deiche darstellen.

Kreisjägermeister Heiko Ehing widerspricht energisch und hält die Bedrohung der Gewässerränder keineswegs für eine Glaubensfrage. Während Dati Beweise in Form von gebrochenen Deichen einfordert, führt Ehing unter anderem die Studien ins Feld, die schon 2017 das Bundesamt für Naturschutz (BfN) zu dem Schluss veranlasst hatten: „Starke Fraßschäden an Unterwasser- und Ufervegetation.“ Wilfried Döscher, Geschäftsführer des Bremischen Deichverbands am rechten Weserufer, hatte im vergangenen Jahr gewarnt, die Nutria-Höhlen und Gänge im Deich gefährdeten den Hochwasserschutz. Er sorge sich zudem, dass Mitarbeiter und Maschinen bei Entkrautungsmaßnahmen an Flussläufen und Gräben zu Schaden kommen könnten.

Auch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen konstatierte 2017 bei einem Seminar der Naturschutzakademie in Schneverdingen: „Die grabende Tätigkeit der Nutria im Gewässeruferbereich verändert die Hydrologie.“ Handfeste Flurschäden an Jeetzel und Oker sollen auf das Konto der Nutria gehen. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) kommt ebenfalls zu dem Schluss: „Die Auswirkungen im Deichschutz können erheblich sein. In Einzelfällen und lokal verursacht die Nutria wirtschaftliche Schäden, zum Beispiel an Feldfrüchten oder durch Unterwühlen von Dämmen oder Fahrwegen.“

„Es sind einfach zu viele Tiere“

Ehing sagt, die Jägerschaft sei vom Land geradezu zum Handeln aufgefordert. Es sei aber schwierig bis unmöglich, die rasant wachsende Population etwa durch Sterilisation einzudämmen, was laut EU immerhin eine ebenfalls geeignete Maßnahme sein könnte, wie Francesco Dati betont. In Italien sei vor einiger Zeit ein erfolgreiches Nutria-Sterilisationsprojekt gelaufen. Aber Ehing schüttelt den Kopf: Bei Wildschweinen sei das auch schon erfolglos versucht worden. Mildere Maßnahmen seien unwirksam, und bei der flächendeckenden Verwendung von Medikamenten könnten diese ins Ökosystem geraten. „Es sind inzwischen einfach zu viele Tiere.“

Auch die BfN-Gutachten laufen bei Nuria auf Lebendfang oder Abschuss hinaus. Die holländischen Nachbarn sind Ehing zufolge besonders alarmiert und verärgert, über die bisherige Zurückhaltung der Deutschen beispielsweise im Emsland und in Ostfriesland. Henk van der Steen, der die staatliche Nagetierbekämpfung im Osten der Niederlande koordiniert, fordere ein grenzübergreifendes Nutria-Management, wie der Kreisjägermeister zu berichten weiß.

Die EU hat bisher 49 Tier- und Pflanzenarten in die Verordnung 1143/2014 aufgenommen, die als invasiv und gebietsfremd gelten. Davon stehen Nutria, Marderhund und Waschbär auf der Liste der bereits besonders weit verbreiteten Arten, die künftig regelmäßig aktualisiert werden soll. Die Mitgliedsstaaten sind dadurch aufgefordert, wirksame Gegenmaßnahmen zu ergreifen; als solche gelten Beseitigung, Populationskontrolle, Eindämmung. Ziel müsse es sein, die „Auswirkungen dieser invasiven Arten auf die Biodiversität und die damit verbundenen Ökosystemdienstleistungen sowie gegebenenfalls auf die menschliche Gesundheit oder die Wirtschaft“ zu minimieren.

Dati ist in der Vergangenheit mit Organisationen wie Peta und der Deutschen juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht vergebens gegen diese Einstufung vorgegangen. Besonders die Waschbären liegen dem Marburger am Herzen, zumal diese, wie er sagt, auch nach dem Bundesnaturschutzgesetz inzwischen zur heimischen Fauna zählten. Er wittert eine Hetzkampagne und betont, Waschbären stellten keine Gefahr für Säugetiere und Vögel dar, was Forschungen im Müritz-Nationalpark bestätigt hätten. „Warum soll sich ein Allesfresser wie der Waschbär mit Storch und Seeadler auseinandersetzen, wenn er viel einfacher an andere besser verfügbare Nahrungsquellen kommt?“

Tatsächlich sind die Empfehlungen des NLWKN beim Waschbär milder und differenzierter als beim Nutria. Bedrohte Nester von Großvögeln seien eher durch Manschetten an den Horstbäumen zu schützen als durch Bejagung. Für den Marderhund sind entsprechende Handreichungen des Landesbetriebs noch in Arbeit. Dass Ehing darauf verwiesen hatte, der Marderhund sei auch ein Überträger der Tollwut, findet der Tierrechtler dabei übertrieben. „Die Tollwut gilt in Deutschland als besiegt“, moniert Dati; viele weitere Heim- und Zuchttiere kämen ebenso gut als potenzielle Virus-Träger infrage.

Feldhasen, Fasane, Kiebitze, Birk- und Rebhühner seien durch andere Tiere sowie die Menschen bedroht, aber jedenfalls nicht durch Marderhund und Waschbär, behauptet Dati. Ebenso gehe eine ungleich größere Gefährdung für Moorfrosch, Ringelnatter und Gelbbauchunke von den teils geschützten Greifvögeln und Kranichen aus. Der Landesjagdbericht 2017/18 kommt zu dem Schluss: „Fasan, Hase, Rebhuhn und Stockente stehen unter erheblichem Druck und müssen demzufolge durch hegerische Maßnahmen massiv unterstützt werden.“ Um auf der anderen Seite eine Reduktion und Eindämmung der Nutria zu erreichen, müssten Abschuss und Fangjagd forciert werden.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...