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Troyer made in Lilienthal

Silke Looden 10.06.2019 0 Kommentare

Olaf Grohmann führt das Unternehmen in dritter Generation. Produziert wird in einer Halle an der Goebelstraße.
Olaf Grohmann führt das Unternehmen in dritter Generation. Produziert wird in einer Halle an der Goebelstraße. (Bernd Kramer)

Lilienthal. Ein gleichmäßiges Rattern erfüllt die Strickwarenfabrik im Lilienthaler Gewerbegebiet Moorhausen. Gut zehn Tonnen Garn werden dort pro Jahr zu etwa 10 000 Troyern verarbeitet. Elf Strickmaschinen sind in der 500 Quadratmeter großen Halle im Einsatz. „Leuchtfeuer liefert Qualität und ist global unterwegs“, sagt Inhaber Olaf Grohmann. Der 41-jährige Wirtschaftsingenieur leitet das Lilienthaler Unternehmen in dritter Generation.

Wer schon einmal an der Küste Urlaub gemacht hat, kennt die Wollpullover von Leuchtfeuer. Das maritime Markenzeichen prangt am linken Ärmel, auf Mützen, Socken und Schals. Etwa drei Viertel der Ware wird nach wie vor im Inland verkauft, das andere Viertel wird ins europäische Ausland exportiert, aber auch nach Amerika, Australien und Asien. „Die Asiaten schätzen made in Germany“, weiß Grohmann. Pullis aus Polyacryl und Polyester, wie sie in China produziert werden, sind bei Leuchtfeuer tabu.

„Wir profitieren vom Trend zu mehr Nachhaltigkeit“, erklärt Grohmann, warum sich das relativ kleine Unternehmen auf dem Weltmarkt behaupten kann. Billigtextilien aus Asien sind für Leuchtfeuer offenbar keine Konkurrenz. Grohmann legt besonderen Wert auf die Wolle. „Wir verwenden nur Naturmaterialien“, betont er und greift einen halb fertigen Pullover. „Das zum Beispiel ist Schurwolle, kommt also in direkter Linie vom Schaf über die Spinnerei gefärbt zu uns.“

Unablässig zieht die Maschine das Material von den Spulen. Unzählige kleine Nadeln ziehen Schlaufe um Schlaufe, Masche um Masche, Reihe um Reihe. Unten spuckt das Gerät die fertige Strickware aus: Rückenteile, Vorderteile, Ärmel und Kragen. Am Messtisch kontrolliert eine Mitarbeiterin die Größe. In diesem Fall muss der Pullover eine Breite von exakt 52 Zentimetern haben, das entspricht der Kleidergröße L. Die Schablone passt, die Ware kann weiter in die Näherei. „Wir haben auch schon Sonderanfertigungen in Größe 74 gemacht“, verrät Grohmann. Das entspricht der Größe 7XL, also XXXXXXXL. 

Anders als Baumwolle hat die Schurwolle ihr eigenes Klima. „Hält warm und man schwitzt nicht“, betont Grohmann, der selbst kein Plastik auf der Haut trägt und sich dafür einsetzt, dass weniger Müll in die Meere gelangt, etwa durch Fleecejacken, die beim Waschen kleinste Plastikpartikel verlieren. Schon als Kind hat Grohmann die Troyer aus der Fabrik seines Vaters, Textilingenieur Günter Grohmann, getragen.

Sein Großvater, Firmengründer Adolf Grohmann, hatte die Firma 1958 im Bremer Stadtteil Woltmershausen gegründet. In einem Keller produzierte er für die Schiffsausrüstung in Bremen, vor allem Bündchen für Fischereihandschuhe. Kein Wunder also, dass das Logo der Firma bis heute ein Leuchtturm ist. 1968 zog das Unternehmen mit der Familie nach Lilienthal um, zunächst in die alte Badeanstalt an der Wörpe, bevor es 1978 in die neue Halle an der Goebelstraße ging.

Leuchtfeuer-Strickwaren sind vor allem an der Küste und auf den Inseln bekannt, in Niedersachsen mehr als in Mecklenburg-Vorpommern. Dort, so Grohmann, kaufe der Kunde eher günstige synthetische Stoffe. Tatsächlich haben die Leuchtfeuerprodukte ihren Preis. „Dafür halten sie aber auch ewig“, betont Grohmann. Selten gebe es Reklamationen und wenn, dann meist weil der Troyer falsch gewaschen oder getrocknet wurde. „Wenn die Wolle schon ein Kilogramm wiegt, plus ein Kilo Wasser, dann ziehen zwei Kilo die Fasern in die Länge“, erklärt Grohmann, warum ein Troyer besser im Liegen trocknet.

Inzwischen sind die Einzelteile in der Näherei angekommen. Elf Frauen setzen den Troyer an elf Nähmaschinen zusammen. Zum Schluss kommt noch der Reißverschluss, der vielleicht schwierigste Part in der Produktion. Eine Kollegin entfernt die überstehenden Fäden, eine andere bringt das Firmenlogo, das Leuchtfeuer an. Das übrigens wechselt seine Farbe mit dem Pullover – mal Rot-Weiß-Blau, mal Rot-Gelb-Blau. Einige wenige Troyer, Mützen und Schals bleiben für den Fabrikverkauf in Lilienthal, die anderen gehen auf die Reise – in die große weite Welt.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...