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Unter Bienen

Brigitte Lange 22.04.2019 0 Kommentare

Berufs-Imker Mark Petermann muss in diesen Tagen seine Bienenvölker besonders im Blick behalten. Wird es im Stock zu eng, drängt es einen Teil der Arbeiterinnen samt Jungkönigin dazu, ein neues Volk zu gründen. Dem muss er zuvorkommen.
Berufs-Imker Mark Petermann muss in diesen Tagen seine Bienenvölker besonders im Blick behalten. Wird es im Stock zu eng, drängt es einen Teil der Arbeiterinnen samt Jungkönigin dazu, ein neues Volk zu gründen. Dem muss er zuvorkommen. (Maximilian von Lachner)

Ritterhude. Mark Petermann will wissen, wie weit seine Bienen sind. An diesem Frühlingstag ist die Luft unter den Tannen am Ortsrand von Ritterhude von ihrem Summen erfüllt. Nach dem Winter sind seine Honigbienen dabei, die ersten Pollen in den Stock zu tragen, Waben zu bauen und die Brut zu versorgen. Das Volk wächst. Bald wird es zu groß für seinen angestammten Bienenstock sein.

Der Berufs-Imker hat deshalb das Dach des Bienenstocks geöffnet und auch die sogenannte Honigebene entfernt. Den Honig, den die Bienen dort eintragen, wird er im Laufe des Jahres mehrmals ernten. Alles was die Arbeiterinnen eine Etage tiefer einlagern, lasse er aber den Bienen, versichert Petermann. Das, so erklärt er, sei die Brutebene.

Diese Ebene steht nun offen vor ihm. Petermann schaut, wie viele Arbeiterinnen und Drohnen im Einsatz sind; ob es Zeit ist, ein bis zwei Waben mit verdeckelter und etwas offener Brut – also mit frischen Eiern – zu entnehmen, um damit ein neues Volk zu gründen. Verpasse er den richtigen Moment, würden die Insekten selbst aktiv: „Dann schwärmen sie“, erklärt er. Und er müsste seine Honigproduzentinnen mühsam wieder einfangen.

Bevor der Imker mit der Wabenzange die Holzrähmchen aus dieser Brutebene zieht, nebelt er seine „Nutztiere“ mithilfe des Smokers ein: Dabei handelt es sich um eine zylindrische Brennkammer mit Tülle und Blasebalg, der Rauch entströmt. „Dadurch gaukel ich den Bienen vor, dass es brennt“, erklärt er. Um ihr Volk zu retten, würden die Arbeiterinnen ihre Honigmägen füllen – als Nahrungsvorrat für die Flucht. Dadurch sind sie so abgelenkt, dass sie Petermann kaum wahrnehmen. „Nun stechen sie mich nicht so schnell“, sagt der Imker, der zusätzliche Schutzkleidung und einen Hut mit Netz trägt. Dagegen dienen die Handschuhe dem Schutz der Bienen: „So übertrage ich keine Krankheitserreger.“

Ein Blick auf die Brutwaben zeigt ihm jedoch: „Es ist noch nicht so weit.“ Wahrscheinlich hätten seine Bienen in den vergangenen Tagen, als es noch mal kälter geworden war, ihre Aktivitäten zurückgefahren. An diesem Nachmittag nimmt der Imker daher noch keine Brutwabenableger.

Seit 2009 betreibt Mark Petermann seine Imkerei auf beruflicher Basis. „Eigentlich habe ich Maschinenbau an der Fachhochschule in Bremen studiert“, erzählt er. Den Abschluss habe er mit einem Notendurchschnitt von 1,3 gemacht. Das war 2008. Die Wirtschaftskrise begann. „Nachdem ich über 400 Bewerbungen vergeblich geschrieben hatte, dachte ich über Alternativen nach“, sagt er. Irgendwann sei er zu dem Entschluss gekommen, es mit der Imkerei zu versuchen: „Ein Volk hatte ich ja bereits.“ Die Tiere verdankte er seinem Freund Günter Erfurt, selbst Imker und Insekten-Experte. „Zu meinem Geburtstag 2006 schleppte er mir einen Bienenstock samt Volk an“, erinnert sich Mark Petermann – und daran, dass er nur gedacht habe: „Shit! Was soll ich denn damit?“

Schließlich hatte er schon als Jugendlicher erste Erfahrungen mit Honigbienen gesammelt. Als 13-Jähriger besaß der Ritterhuder schon einmal ein Bienenvolk. Allerdings lebte dieses in einer sogenannten Hinterbehandlungsbeute und nicht, wie seine heutigen Völker, in einem Kasten, der wie ein Magazin von oben geöffnet werden kann. Petermanns erster Bienenstock wurde, wie der Name sagt, von hinten geöffnet. „Dabei hatten die Bienen nur eine Richtung, in die sie fliehen konnten“, so Petermann. Und genau dort habe er gestanden. „Ich war also immer direkt von Bienen umgeben“, erzählt er. Das Gefühl habe ihm durchaus nicht behagt.

Mit den heutigen Magazinbeuten sei das ein anderer Schnack. „Die Bienen können in alle Richtungen fliegen.“ Günter Erfurt habe ihm seinerzeit nicht nur sein erstes Bienenvolk geschenkt, er sei auch sein „Bienen-Vater“, so Petermann: „Er hat mir alles gezeigt, was ich über Honigbienen wissen muss.“ Über den Lesumstoteler sei er außerdem Mitglied im Imkerverein Blumenthal geworden. „Diese Mitgliedschaft ist sehr wichtig – allein schon wegen des Versicherungsschutzes.“

Mit den Jahren ist die Zahl der Bienenvölker, deren Honig Mark Petermann erntet und verkauft, stetig gewachsen. Wie viele es aktuell sind, möchte er nicht sagen. Auch die Honigmenge, die er innerhalb eines Jahres durch ihre Arbeit gewinnt, nennt er nicht. Der Diebstahl von Völkern hat ihn vorsichtig werden lassen. So viel verrät er jedoch: Ernten würde er vier Mal. „Im Frühjahr bringe ich meine Bienen ins Alte Land.“ Andere Völker stünden am Rand von Rapsfeldern. Früher sei er mit seinen Honigbienen bis nach Fehmarn gefahren. Das sei ihm aber für seine Bienen und für sich selbst zu stressig geworden.

Die Bienen, die daheim auf dem Stand blieben, würden die Pollen und den Nektar von Frühblühern und von Sommerblüten eintragen. Macht zusammen vier Trachten beziehungsweise vier Mal verschiedene Nahrung, die die Bienen sammeln. Am Ende jeder Sammelphase erntet der Imker die Vorräte der Bienen aus der Honigebene des Stocks. „Ich nehme aber nicht alles“, betont er. Einen Teil lasse er ihnen für den Winter. Da diese Menge meist nicht reicht, stockt er sie zusätzlich mit 15 bis 16 Kilo Zucker auf. „Mit einem Vorrat von 25 bis 28 Kilo werden die Bienen dann eingewintert.“

Seinen Honig – und den, den er mit anderen Imkern deutschlandweit tauscht – bietet Petermann auf zwei Wochenmärkten an: „In Ritterhude bin ich freitags von 8 bis 13.30 Uhr auf dem Marie-Bergmann-Platz und auf dem Wochenmarkt in Platjenwerbe an der Esso-Tankstelle alle zwei Wochen von 8.30 bis 12 Uhr.“


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Leserkommentare
werderfan am 23.10.2019 21:15
Ich versuche das mal kurz für die Demokratiefreunde zu erläutern:
1. Der Umweltausschuss des Beirats Blumenthal tagt am nächsten Montag ...
IhrenNamen am 23.10.2019 21:02
Ich bin mal sehr gespannt wie sich das auf die Spendensumme auswirkt.