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Mittelalter auf Gut Sandbeck
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Unter die Hökerer gefallen

Christa Neckermann 10.06.2019 0 Kommentare

Beim Mittelalterhoffest sitzt Heike Appelhagen (links) am Spinnrad. Einen Eindruck davon, was ein Zahnarztbesuch vor 1000 Jahren bedeutet haben mag, gaben diese Werkzeuge (rechts).
Beim Mittelalterhoffest sitzt Heike Appelhagen (links) am Spinnrad. Einen Eindruck davon, was ein Zahnarztbesuch vor 1000 Jahren bedeutet haben mag, gaben diese Werkzeuge (rechts). (Maximilian von Lachner)

Osterholz-Scharmbeck. Durch die Zeit müsste man reisen können, erleben, wie es vor Dampfmaschine, Mikrowelle und funktionierenden Ordnungssystemen war. Zurück in eine Zeit, als Männer noch Schwerter, Streitäxte und Armbrüste bei sich trugen.

So eine Zeitreise unternahmen die Mitglieder von Liberi Effera, die Freien Wilden, nun mit dem Hoffest auf Gut Sandbeck. Ihnen haben sich dabei weitere Mittelalterfans aus ganz Norddeutschland angeschlossen. Bei Ritterspiel, Dudelsackmusik, würzigem Met und Bier feierten sie eine Zeit, die gut Tausend Jahre zurückliegt.

Im zehnten Jahrhundert spielt zumindest die Hintergrundgeschichte von Volker Hinz. Angus McAllen, ein Wikinger mit schottischer Mutter, der bei einem Raubzug der Wikinger auf die Hebriden gezeugt wurde, ist sein Alias beim Mittelalter-Hoffest. Als „Halb-Schotte“ musste sich der junge Angus dann seinen Lebensunterhalt zunächst damit verdienen, dass er sich als Krieger verdingte. „Waffen trug ich nur zur Verteidigung, und um mein Hab und Gut zu mehren“, erzählte Angus. In späteren Jahren, als die besten Zeiten eines Kriegers vorüber waren, verdiente Angus seinen Lebensunterhalt als Sklavenhändler. „Ich versuche immer, die jungen Kinder zu kaufen. Die sind billig, nehmen auf dem Schiff nicht so viel Platz weg und sind wegen ihrer blonden Haare auf dem Sklavenmarkt in Miklagaard (auch Konstantinopel genannt) gut zu verkaufen“, erzählte Angus McAllen.

Die gute, alte Zeit? Sabine und Rainer Eggers zeigen den Besuchern des Mittelalterfestes, wie Kochen vor einigen Jahrhunderten noch funktionierte.
Die gute, alte Zeit? Sabine und Rainer Eggers zeigen den Besuchern des Mittelalterfestes, wie Kochen vor einigen Jahrhunderten noch funktionierte. (fotos: Maximilian von Lachner)

Gerade als der Sklavenhändler dies erzählte, kam ein junges, etwa zehnjähriges Mädchen an der Seite ihres Kilt tragenden Vaters vorbei. Angus McAllens Interesse erwachte: „Kannst du nähen?“, fragte er die Kleine. Zögerliches Kopfschütteln. „Oder Hausarbeiten verrichten?“ Jetzt waren sowohl Vater als auch Tochter alarmiert. „Ich biete Euch eine warme Mahlzeit und einen Becher Bier für dieses Kind“, eröffnete er die Kaufverhandlungen mit dem Vater. Doch der wollte nicht zustimmen, nicht einmal, als McAllen den Preis um einen weiteren Becher Bier erhöhte. „Ich kann sie auch ohne Bezahlung haben – ich bin bewaffnet!“, drohte der Sklavenhändler, mit einem Enterbeil. So viel „gelebtes Mittelalter“ waren Vater und Tochter dann offensichtlich doch etwas unheimlich. Sie machten sich schnell aus dem Staub, während der Wikinger enttäuscht darüber nachsann, wie viel Geld sie ihm wohl in Konstantinopel gebracht hätte.

Die Mittelalterfans, die sich jährlich zum Hoffest auf Gut Sandbeck versammeln, schlüpfen in ziemlich detailreiche Rollen. Auch, was ihre Unterbringung angeht. Gleich neben dem Wikinger Angus und seiner Frau, die kleine, hölzerne Wikingerschiffe als Kinderspielzeug anbietet und warme, wollene Socken, die auch bei größtem Sturm auf See die Füße warmhalten, stand ein weiteres Zelt. Die neugierigen Zeltdorfbesucher schauen dort in die Schlafstube. Eine gemütlich anmutende Bettstatt war darin aufgestellt, mit einer aus weichen Lammfellen hergestellten Decke.

Die Mahlzeiten wurden ebenfalls wie im Mittelalter, in einem großen, eisernen Topf vom Dreibein, oder auf einem Rost über dem offenen Feuer hängend, zubereitet. „Das ist es ja gerade, was so viel Spaß macht, auch wenn das Kochen damit etwas länger dauert“, verriet eine der fleißigen Köchinnen.

Zwar war der Sklavenhandel auf dem Hof wenig erfolgreich, trotzdem brauchten die Besucher keine Angst zu haben, ohne schöne Gaben das Gelände des Gutes verlassen zu müssen. Aus Hannover etwa war die Gruppe „Nebelschwingen“ – Anika Urbank-Baar, Christian Baar, Avid Söffker und Tobias Lampe – angereist. In ihrer Rolle als fahrendes Volk aus Russland, verkauften sie duftende Seifen. „Alle aus natürlichen Rohstoffen hergestellt“, verriet Anika Urbank-Baar. „Eines der Rezepte ist sogar gut 300 Jahre alt. Wir verkaufen es als Hexenseife, oder „Anti-Veganer-Seife“, denn sie enthält Schweineschmalz“, verriet sie ihre Geheimzutat und schmunzelte. Mit Aktivkohle und duftenden Ölen hexe die Seife allerhand störende Gerüche weg, so das Versprechen.

(Maximilian von Lachner)

Die Bastelfee Nadine Pagendamm verhökerte Schönes aus Filz und Draht. Bei „Tanea vom Auetal“ wurden all jene fündig, die des Schreibens kundig waren, denn sie bot elegant gestaltete Schreibfedern und geschmackvoll gestaltete Büchlein an. Lederbeutel, Gürtel und Gürteltaschen fanden viel Interesse. Für die Unterhaltung sorgten die Gaukler, Tänzer und Feuerschlucker, die besonders in der Dämmerung für Staunen und Bewunderung sorgten. Sogar gruselig konnte es auf dem Hoffest werden, nämlich dann, wenn die Besucher Abaddon und Lilith begegneten. Der Herrscher der Unterwelt war mit der schwarz geflügelten, selbstbewussten und freiheitsliebenden Lilith unterwegs.

Dem Schreck der Begegnung mit dem Fürsten der Finsternis begegneten die Gäste dann am besten mit einem Becher Met vom „Fuselfix“, einem deftigen Mönchsspieß oder einem noch warmen Laib Brot aus der Lagerbäckerei auf dem Festgelände.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...