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Elektromobilität
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Unter Strom

Bernhard Komesker 13.01.2019 0 Kommentare

Fotovoltaik-Experte Holger Laudeley glaubt, dass 2019 das Schaltjahr für E-Mobilität wird.
Fotovoltaik-Experte Holger Laudeley glaubt, dass 2019 das Schaltjahr für E-Mobilität wird. (Christian Kosak)

Landkreis Osterholz. Die Einschätzung klingt nach Kanzlerin: „Wir schaffen das“, sagt Eginhard Engelke, wenn man ihn zu den Folgen der zunehmenden Elektromobilität befragt. Der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Elbe-Weser sieht den Vormarsch der Elektroautos gelassen und selbstbewusst. Werden die Stromer 2019 den Massenmarkt erobern und was sind die Folgen? Wir haben uns umgehört.

Eginhard Engelke ist überzeugt: Das Handwerk in der Region werde den Strukturwandel gut meistern. „Es wird nicht so schnell von heute auf morgen passieren, wie manche Leute es glauben oder gerne hätten“, sagt der Handwerksprecher. Er habe im Vorjahr ein Elektrofahrzeug zur Probe gefahren und festgestellt, welche Hürden es gibt: hoher Preis, geringe Reichweite, fehlende Ladesäulen. Solange nicht real 400 Kilometer mit nur einer Ladung drin seien, bleibe er skeptisch.

Unter Klima-Aspekten seien Alternativen zum Verbrennungsmotor wichtig. Doch Prognosen, wonach der Anteil der Elektrofahrzeuge am Neuwagenmarkt im Jahr 2035 je nach Förderung zwischen 22 und 58 Prozent liegen werde, hält der Geschäftsführer der Handwerkerschaft für Kaffeesatzleserei. Gleiches gelte für den drohenden Stellenabbau. „In der Automobilindustrie wird der Wandel langfristig erheblich sein, weil weniger Teile benötigt werden“, räumt Engelke ein. Das schlage auf Wartung und Reparatur durch, aber: „Die Werkstätten vor Ort müssen ihre Mitarbeiter schulen und auch in der Ausbildung entsteht Schulungsaufwand.“

Schulungsbedarf haben auch die Feuerwehren, sagt Kreisbrandmeister Jan Hinken. Die Einsatzkräfte müssen wissen, wo welche Batterien sitzen und wie sie abzuklemmen sind, damit sie gefahrlos helfen können. Schon heute gebe es dafür Sicherheitsdatenblätter in der Leitstelle: Der Einsatzleiter erhält von dort nach Nennung des Autokennzeichens postwendend die nötigen Baupläne des Fahrzeugs. Er habe es ausprobiert, sagt Hinken: Auch neue oder exotische Modelle habe der Disponent abrufbar.

Mit Spreizer und Rettungsschere

„Das ist ein kontinuierlicher Prozess, der ins Übungsgeschehen integriert ist – ähnlich wie beim Aufkommen der Solardächer oder der Airbags“, schildert der Chef der Kreisfeuerwehr. Erste Feuerwehren, die bei Auto-Unfällen mit Spreizer und Rettungsschere hantieren müssen, hätten bereits Info-Abende mit Händlern von Elektroautos veranstaltet; weitere sollen folgen. Die Truppe stelle sich dem Wandel: „Niemand muss deswegen auf ein Elektroauto verzichten oder befürchten, dass wir unbedarft an die Dinge herangehen.“

Dirk Schmolke, Autohändler aus Osterholz-Scharmbeck, rechnet in absehbarer Zeit mit steigender Nachfrage auf bescheidenem Niveau. „Momentan ist davon nicht viel zu spüren, aber die Steuervorteile für privat genutzte Firmenwagen werden eine gewisse Wirkung entfalten“, glaubt Schmolke. Einen spürbaren Anstieg werde es wohl erst 2020 geben. Ein Haupthindernis bleibe die Verfügbarkeit der Batterietechnik. Und auch die Reichweite und Lade-Infrastruktur sprechen aus Schmolkes Sicht eher gegen einen plötzlichen Elektro-Boom. Daimler werde 2019 vor allem neue Hybridmodelle präsentieren, Skoda den E-Citigo auf den Markt bringen.

Schmolke ist sicher: „Der Marktanteil reiner Elektroautos wird 2025 bei maximal zehn Prozent liegen.“ Andernfalls bekämen die Werkstätten in der Tat ein Problem. Denn wartungsarme E-Fahrzeuge treiben für den Kaufmann die Stundenverrechnungssätze empor, bedeuten weniger Ertrag. Schmolke weiß: Die Einhaltung politischer Co2-Vorgaben bringt die Autobauer in Zugzwang. Doch er hält dagegen: In der Gesamtbetrachtung sei der Dieselmotor weiter einer der umweltverträglichsten Antriebe, werde in der Ökobilanz nur vom Erdgasauto getoppt. „Aber Erdgas hat eben auch keine Lobby.“ Holger Laudeley sieht das ganz anders: „Die Hersteller und die Politik in Deutschland haben es verpennt“, sagt der Fotovoltaik-Experte. Nun würden eben der Markt und Otto-Normalverbraucher der Elektromobilität zum Durchbruch verhelfen. 70 Prozent aller Kunden, die von ihm Solarstromanlagen bauen oder erweitern lassen, planen aktuell den Kauf eines Elektroautos. „2019 wird das Schaltjahr für E-Mobilität“, ist der Ingenieur überzeugt, der nach eigenen Angaben seit 25 Jahren Elektroauto fährt.

„Der Tesla 3 wird der Game-Changer“, prophezeit Laudeley. In den nächsten ein bis zwei Jahren bringe der US-Hersteller 200 000 Stück davon auf den europäischen Markt. Zusammen mit Byton und Nio, BYD und BAIC aus China werde Tesla den Markt aufmischen, dazu kämen Maxus-Kleintransporter und die Wasserstoff-Lkw von Nikola. In den Startlöchern seien auch Hyundai/Kia sowie in zweiter Generation Nissan Leaf und Renault Zoe. „Das Henne-Ei-Problem ist mit diesem Angebot beseitigt“, glaubt Laudeley. Für VW und Co. sehe es nicht gut aus: „Sie stehen heute da, wo Nokia 2007 bei der Einführung des iPhone stand.“ Es werde noch eine Weile Verbrennungsmotoren geben, aber der Umschwung sei nicht aufzuhalten.

Fahrlehrer Holger Bleke aus Ritterhude hat die Diesel in seinem Fuhrpark abgeschafft, bevor die Selbstzünder wegen manipulierter Abgaswerte ins Gerede kamen. Das sei eher Zufall, aber goldrichtig gewesen, sagt er rückblickend. Neben dem Twizzy-Zweisitzer, einem City-Stromer, ist in seiner Fahrschule seit zwei Jahren ein Hybrid-Automatikwagen im Einsatz. Bis auf einen Benziner-Schaltwagen will Bleke schrittweise auf E-Autos umsatteln. „Den Twizzy nehmen wir für Besorgungsfahrten, Stadtverkehr und als Begleiter in der Motorradausbildung.“

Mittlerweile seien 75 Prozent aller Fahrschulen zum Umstieg bereit, glaubt Bleke. Bald werde auch die Automatikregelung fallen. Sie besagt: Wer seine praktische Prüfung nicht im Schaltwagen abgelegt hat, bekommt einen einschränkenden Führerschein-Eintrag. Künftig werde eine Handvoll Fahrstunden mit Handschaltung ausreichen, um beide Getriebearten steuern zu dürfen. „Es ist ja gar nicht unbedingt leichter, ein Automatikfahrzeug zu fahren.“ Einige Teilnehmer wollen schon heute nicht mehr umsteigen, wenn sie den Unterricht im Automatikfahrzeug begonnen haben. Ein Nebeneffekt sei der Abbau von Vorurteilen: „Die Fahrschüler erleben, dass E-Mobilität funktioniert.“


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Leserkommentare
elfotografo am 22.10.2019 18:55
"Es ist doch ein Märchen, dass man mit einer Loge Geschäftskontakte akquiriert oder pflegt, geschweige denn Geschäfte abschließt."

Haben ...
FloM am 22.10.2019 18:51
@gorgon1:
Abgedroschen ist es den x-ten Kommentar mit undifferenzierten Anschuldigungen zu schreiben.

Die Erkenntnis, daß man Teil ...