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Vollgraupen, Peinlichkeiten und Panini-Bildchen

Michael Schön 05.12.2018 0 Kommentare

Der Ball ist sein Freund. Arnd Zeigler bringt Fundsachen aus der skurrilen Bundesliga-Welt jetzt auch auf die Bühne der Osterholzer Stadthalle. 
Der Ball ist sein Freund. Arnd Zeigler bringt Fundsachen aus der skurrilen Bundesliga-Welt jetzt auch auf die Bühne der Osterholzer Stadthalle.  (Frank Thomas Koch)

Herr Zeigler, „Dahin, wo es wehtut“ lautet der Titel Ihres Programms, das sie am 12. Dezember auch in der Osterholzer Stadthalle präsentieren werden. Wo tut’s denn weh? Beim Fremdschämen in der Mixedzone, wo nach dem Spiel auf Reporterfragen immer dieselben Phrasen gedroschen werden? Versprecher oder auch Einlassungen wie Olaf Thons bildungsfernes „Ich habe ihn nur ganz leicht retuschiert“ haben doch einen höheren Unterhaltungswert als so mancher 90-Minuten-Kick.

Arnd Zeigler: Sagen wir, wie es ist: Fußballfan sein tut sehr oft weh! Eigentlich sogar ständig. Wenn der eigene Verein nichts gebacken bekommt, die Neueinkäufe sich nach großen Hoffnungen auf einen Megakracher dann doch immer wieder als Vollgraupen erweisen, und wenn man sich jedes Jahr im März damit trösten muss, dass es im August Gott sei dank eine neue Saison geben wird, dann braucht man oft sehr gute Nerven und Gelassenheit. Und trotzdem macht man das sein Leben lang mit. 

Von Mario Basler ist der Satz überliefert „Das habe ich ihm dann auch verbal gesagt.“ Täuscht der Eindruck, dass solchen Sprüche seltener werden? Sind Profis inzwischen darauf gedrillt, sich nicht zu verplappern?

Nein, erfreulicherweise nicht. Das gleicht die Natur dadurch wieder aus, dass es andererseits einfach viel mehr Interviews als früher gibt. Möglicherweise sind also manche Spieler durchaus geschulter im Umgang mit den Medien. Dadurch, dass aber auf immer mehr Sendern immer mehr Belangloses als Topnews verkauft werden soll, gibt es weiterhin herrlichen Unsinn, wenn man etwas genauer hinhört.

Sie begleiten den Fußballsport beruflich schon seit Jahrzehnten. Aber Sie gelten auch als sehr leidenschaftlicher Fan. Heute verdienen die Stars Millionen, und der Bundesliga-Spielbetrieb hat seine Unschuld verloren, ist hoch professionell und bis zum Anschlag vermarktet. Übt er auf Sie trotzdem noch dieselbe Faszination aus wie Ende des vorigen Jahrtausends?

Ich denke schon. Interessant ist ja, dass man schon vor 50 Jahren Artikel im „Kicker“ lesen konnte, in denen das große Aufregerthema war, ob die Lizenzspieler in der Bundesliga zuviel Geld verdienen. Gefühlt waren also Fußballer immer schon überbezahlt. Jetzt haben sich die Relationen in der Spitze etwas weiter verschoben, was sich für jeden Fan natürlich doof anfühlt. Aber es ist Profifußball, und diese Kröte musste man als leidenschaftlicher Anhänger schon immer schlucken. Es sind nur halt inzwischen etwas größere Kröten.

Im WDR entlarvt „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ die absurden und verrückten Seiten des Fußballs. Sie haben da einem neuen Format Leben eingehaucht. Es wirkte aber zumindest in der Startphase alles etwas improvisiert. Senden Sie wirklich noch aus der eigenen Wohnung? Und ist Ihnen unter diesen Umständen einmal selbst Absurdes und Verrücktes widerfahren?    

Ja, es ist die eigene Wohnung, und wir improvisieren immer noch sehr viel. Peinlich war eigentlich, dass wir in der ersten Saison durch die ungewöhnliche Situation mit einer Livesendung aus einer Privatwohnung eigentlich permanent mit ständig wechselnden Pannen zu kämpfen hatten. Und immer wieder mit neuen Pannen. Irgendwann haben wir das achselzuckend akzeptiert und uns gesagt: Gut, dann ist diese Sendung halt so, und wir akzeptieren jetzt einfach, dass dann eben einmal live Lampen durchknallen, Regale umkippen oder der Moderator unvorteilhaft ins Bild gerückt wird.

Wie reagieren die Profis, die von Ihnen auf die Schippe genommen werden? Professionell? Reagieren sie überhaupt?

Es gab bisher nur einen Fall, in dem ein sehr prominenter Profi beleidigt reagierte, wobei das eher von dessen Beratern ausging, die generell auch als schwierig galten. Ein heute extrem prominenter Stürmer hatte anfangs eine Phase, in der er wochenlang die simpelsten Bälle versemmelt hat, und wir haben daraus eine Homestory gemacht, in der ich mich als dieser Spieler verkleidet habe und in meiner Wohnung nichts getroffen habe: Den Lichtschalter nicht, den Mund beim Zähneputzen nicht, das Bett beim Hineinspringen nicht und so weiter. Danach hieß es bei Einladungen zu offiziellen Veranstaltungen immer vonseiten der Berater: „Wir kommen nur, wenn Zeigler nicht da ist!“. Grundsätzlich ist es so, dass ich bei Werder-Heimspielen sehr oft von Spielern des Gegners angesprochen werde, dass sie meine Sendung gern schauen. Zuletzt hat mich Lars Stindl darauf angehauen. So etwas freut mich immer sehr, weil es Beifall von der richtigen Seite ist.

Neben dem Format „Kacktor des Monats“, bei dem immer der unattraktivste Treffer gekürt wird, und den Rückblenden in die Fußball-Kintopp-Ära sind vor allem Ihre Interviews Kult, denkt man nur an den Abschied von Jürgen Klopp aus Dortmund.  Welches Gespräch hat bei Ihnen den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen?

Genau dieses: Das mittlerweile legendäre Interview mit Jürgen Klopp, für das wir beinahe einen Grimme-Preis bekommen hätten. Klopp ist in dieser Hinsicht einfach ein Unikat. Wir wollten das Interview vorher mit ihm grob besprechen, das wollte er aber nicht und war dann spontan Weltklasse, ohne vorher zu wissen, was ich von ihm will. Das sind extreme Glücksmomente.

Und welchen Gesprächspartner wünschen Sie sich unbedingt noch?

Ich würde Jürgen Klopp nach langer Zeit gern auch mal in Liverpool treffen. Und habe international noch Träume, die allerdings schwer zu realisieren sein werden. Eric Cantona treffen zum Beispiel. Was leichter umzusetzende Wünsche angeht, so würde ich wahnsinnig gern mal ausgiebig mit Claudio Pizarro über die Dinge des Lebens reden. Der tollste Typ der Bundesliga.

Sie sind nicht nur Moderator, sondern auch Produzent, Musiker, Journalist, Buchautor, Entertainer  und Stadionsprecher. Welche Rolle ist Ihnen die liebste?

Am meisten Spaß macht die Kombination all dieser Dinge, denn ich kann bei allem immer auch Fußballfan bleiben. „Produzent und Musiker“ bin ich aber lediglich im selben Maß wie ich zum Beispiel „Fußballer“ bin. Und zum „Entertainer“ auf Bühnen bin ich durch reinen Zufall und eigentlich gegen meinen Willen geworden. Ich bin absolut keine Rampensau und musste sanft dazu gedrängt werden, auf die Bühne zu gehen. Aber vielleicht ist das alles auch das Schöne daran: Ich bin in ganz viele Dinge reingerutscht, ohne das irgendwie zu forcieren. Es hat sich immer alles ergeben, ohne dass ich einem dieser Jobs hinterherhecheln musste. Und das macht es sehr entspannt und für mich spaßig, und das weiß ich als großes Privileg zu schätzen.

Noch einmal zum Titel „Dahin, wo es wehtut“. Sie selbst waren ja in Kirchweyhe aktiv. Hat man Ihnen da wehgetan, oder gehörten Sie zu denen, die anderen wehgetan haben?

Mein fußballerisches Talent war extrem überschaubar. In der Jugend war ich schmächtig und klein, aber die Natur hat das dadurch ausgeglichen, dass sie mich auch langsam gemacht hat. Ich habe dann meistens rechts hinten gespielt und in meinen besseren Spielen extrem viel gegrätscht. Meistens fair. So einer war ich. 

Haben Sie Fußballbildchen gesammelt? 

Aber klar! Bis heute! Ich habe allerdings bis heute nicht kapiert, wie man als Zwölfjähriger auf legale Weise ein Panini-Album vollkriegen konnte. Das war eigentlich komplett unmöglich, mit ein paar Kröten Taschengeld pro Woche. 

Wenn Sie Ihr Leben mit dem eines Fußballers tauschen könnten – welchen würden Sie wählen? Und welchen auf keinen Fall?

Ich habe immer Wynton Rufer extrem verehrt. War im Grunde ein Weltklassespieler, hat aber nie vergessen, dass es im Leben auch andere Dinge gibt als Fußball, und neben seiner Klasse und seinem Glauben hat er immer auch einen Blick für die schönen Dinge des Lebens gehabt. Menschlich top, toller Fußballer, toller Typ. So wäre jeder gern. Nicht tauschen möchte ich mit jedem, der so prominent ist, dass er kein normales Leben mehr führen kann. Ich würde nicht in einer Welt voller Bodyguards, Privatlehrer, Berater und Zäune leben wollen. 

Das Interview führte Michael Schön.

Zur Person

Arnd Zeigler

ist Redakteur und Rundfunk-Moderator von Bremen Vier. Er präsentiert in dem Format „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ (WDR) am späten Sonntagabend immer wieder Fundstücke aus dem Kuriositäten-Kabinett Fußball-Bundesliga, stets live gesendet aus seinem Wohnort Bremen. Inzwischen ist Arnd Zeigler, vom Magazin „Medium“ zum Sportjournalisten des Jahres gewählt, mitsamt seiner flotten Sprüche auch einem Millionenpublikum als Sidekick aus dem ARD-„Sportschau Club“ bekannt.

Zur Sache

„Dahin, wo es wehtut“

Aufgrund des großen Erfolgs und des zehnjährigen Bestehens seiner WDR-Sendung „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ bringt der Moderator Arnd Zeigler sein Schaffen nun auch live auf die Bühne. Kurz vor Weihnachten – am kommenden Mittwoch, 12. Dezember, ab 20 Uhr – ist er in der Stadthalle Osterholz-Scharmbeck mit seinem Programm „Dahin, wo es wehtut“ zu Gast. Tickets erhalten Sie unter anderem beim OSTERHOLZER KREISBLATT 0 47 91/ 30 34 35 sowie unter weser-kurier.de/ticket und unter Telefon 0421 / 36 36 36.


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Leserkommentare
peteris am 21.10.2019 12:30
Vielleicht wissen wir am 1.11. um 11:11h mehr.


Sie meinen sicher den 11.11. um 11:11h?
suziwolf am 21.10.2019 12:19
Und dann ... @kretschmar -
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