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Interview mit Youn Sun Nah
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Vom Motown bis Harrison

Michael Schön 22.05.2019 0 Kommentare

Die südkoreanische Jazzsängerin und Songschreiberin Youn Sun Nah  ist am 24. Mai in der Worpsweder Music Hall zu Gast. 
Die südkoreanische Jazzsängerin und Songschreiberin Youn Sun Nah  ist am 24. Mai in der Worpsweder Music Hall zu Gast.  (Jens Kalaene)

Frau Nah, Sie sind anfangs in die Fußstapfen Ihrer Mutter getreten, die in Musicals gesungen hat. 1995 verließen Sie Korea, um in Paris zu studieren. Was war der Grund für den Schwenk hin zum Jazz und zum französischen Chanson?

Youn Sun Nah: Ich hatte nicht das Gefühl, dass Musicals zu mir passten. Ich wollte etwas anderes versuchen. Einer meiner Freunde sagte mir, dass es mit 25 Jahren zu spät für den klassischen Gesang sei, aber ich könnte Jazz lernen. Ich wusste praktisch nichts über Jazz. Ich erkannte erst später die Verbindungen zwischen Jazz und Pop. Was den französischen Chanson angeht: Ein Freund, der Professor ist und ein großer Fan, hat mir ein paar Songs vorgespielt, und ich war berührt. 

Ihr Vater war während Ihrer Kindheit als Dirigent häufig auf Konzertreisen, die Mutter als Musicalsängerin ebenfalls auf Tourneen unterwegs. Hatten Sie trotzdem ein Familienleben und eine behütete Kindheit?

Sicher. Besonders meine Großmutter mütterlicherseits war immer da für mich und meinen Bruder. Sie ist leider inzwischen verstorben, aber ich fühle noch immer ihr Dasein. Die Verbindung ist nicht weg.

Sie hat Ihre Entwicklung wesentlich geprägt?

Ich habe wirklich viel von ihr gelernt.

Wann haben Sie begonnen, sich mit Musik zu beschäftigen? Haben Sie erst ein Instrument erlernt, bevor Sie mit dem Singen begonnen haben?

Ich habe mit fünf Jahren mit Klavierspielen begonnen. Das war in Korea aber praktisch eine Selbstverständlichkeit, ein Trend, dem praktisch jeder gefolgt ist. Jeder hat das getan. Es war ein fester Bestandteil der Erziehung.

Ihr neues Album „Immersion“ bietet ein weites Spektrum, das von der andalusischen Klassik über Leonard Cohen bis zum Motown reicht, und es enthält mit „Isn’t It A Pity“ auch einen für George Harrison komponierten Titel, den Sie im deutschen Fernsehen einer sehr großen Hörerschaft vorgestellt haben. Der Song ist in Ihrer Version aufs Wesentliche reduziert, mit Ihrer sehr ausdrucksstarken  Stimme so vorgetragen, dass er in der Intensität hinter Harrisons Orchesterklang nicht zurückbleibt. Wie ist die Geschichte hinter der Aufnahme dieses Stücks in Ihr Programm?

Ich habe den Song in der Version von Nina Simone für mich entdeckt, vor 15 Jahren auf einem Live-Album namens “Emergency Word!” Das hat mich umgehauen. Dass er von George Harrison geschrieben wurde, habe ich  erst viel später erfahren.

Sind Sie ein Fan von George Harrison?  

Seine Musik ist unglaublich.

Und „Isn’t It A Pity“ ist das von Ihnen favorisierte Stück auf „Immersion“? 

Da kann ich Ihnen wirklich keine Antwort drauf geben.

Ihre Heimat ist geteiltes Land. Haben Sie wie so viele Südkoreaner noch Verwandtschaft im Norden?

Ich weiß es nicht, aber es ist wahrscheinlich. Mein Vater ist im Norden geboren. Ich bin mir sicher, dass es dort noch Cousins oder Cousinen oder Kinder von Cousins und Cousinen gibt. Es besteht leider nach wie vor überhaupt kein Kontakt.   

In Deutschland hat sich gezeigt, dass eine friedliche Wiedervereinigung möglich ist. Bereitet Ihnen dieses gute Beispiel Hoffnung für die Zukunft Koreas?

Was passiert ist in Deutschland, ist ein Wunder. Natürlich hoffen wir, dass es auch in Korea möglich wird. Wir gehören ja zusammen.

Als die Berliner Mauer fiel, waren Sie 20 Jahre alt.  Wie haben Sie diesen historischen Moment erlebt?

1989 gewährte Korea seinen Bürgern volle Reisefreiheit  für Überseereisen. Auch vorher war es möglich zu reisen, aber es war komplizierter. Daher nahm ich die Gelegenheit wahr, nach Europa zu gehen. Ich war dort, als die Mauer fiel. Ich kann mich nicht genau erinnern, wo ich war, als ich die Nachricht hörte, aber ich habe mich sofort entschlossen, einen Zug nach Berlin zu nehmen. Ich rief meine Großmutter an. Sie konnte es nicht glauben, und mein Großvater dachte, dass es sich um Fake News handele. Ich wollte diesen Moment mit ihnen teilen. Es ist fast 30 Jahre her. Die Koreaner haben niemals aufgehört, sich eine offene Grenze zu wünschen.  


Das Interview führte Michael Schön.

Zur Person

Youn Sun Nah 

hat mit ihren mittlerweile neun Alben die Jazzwelt im Sturm erobert. Nach 20 Jahren in Paris lebt die südkoreanische Sängerin und Songschreiberin inzwischen wieder in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, und auch das neue Live-Programm stellt eine Rückkehr zu ihren Wurzeln dar.

Zur Sache

Am 24. Mai kommt eine der ausdrucksstärksten Stimmen des zeitgenössischen Jazz nach Worpswede. Nachdem Youn Sun Nah ihr neuestes Album mit jungen Protagonisten der New Yorker Jazzszene aufgenommen hat, setzt sie bei ihren kommenden Shows auf den intimen Rahmen einer Trio-Besetzung und akustischen Sound. Es heißt, dass sie mit ihrer sanften Stimme die Seelen ihrer Zuhörer streichelt. Am Freitag, 24. Mai, ab 20 Uhr in der Music Hall Worpswede kann man sich davon überzeugen.


Ein Artikel von
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Leserkommentare
suziwolf am 23.10.2019 12:39
@peteris:

„🦍-Theater“ - wäre das bessere Wort ?

„halloween and British Exit ...
there‘s not anymore a difference“ ...
Lemurer am 23.10.2019 12:38
Dazu fällt mir nur eins ein:

Ein Krankenhaus ist kein Profit-Center