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Pflegeausbildung neu geregelt
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Vorbereitung auf den Wandel

Bernhard Komesker 09.07.2019 0 Kommentare

In einem Jahr gibt es Änderungen bei er Pflegeausbildung. Das hat auch Folgen für den Landkreis Osterholz.
In einem Jahr gibt es Änderungen bei er Pflegeausbildung. Das hat auch Folgen für den Landkreis Osterholz. (Marijan Murat/dpa)

Landkreis Osterholz. Noch ein Jahr, dann wird in Deutschland die generalistische Pflegeausbildung eingeführt. Sie tritt an die Stelle der bisherigen Zweige Alten-, Kinder- und Krankenpflege. Für Ausbildungsbetriebe sowie die privaten und öffentlichen Pflegeschulen bedeutet das eine große Umstellung. Welche Folgen sich im Landkreis Osterholz abzeichnen, darüber informierte die Sozialdezernentin Heike Schumacher den Schulausschuss des Kreistags.

Demnach sind pro Ausbildungsjahr 18 Wochen Schulunterricht vorgesehen sowie 34 Wochen praktische Ausbildung (abzüglich Urlaub). Aber während der Theorieteil in der Krankenpflegeschule sowie in der privaten IBS-Berufsfachschule Altenpflege als Blockunterricht angeboten wird, haben angehende Altenpflegekräfte, die die BBS besuchen, allwöchentlich an bestimmten Werktagen Unterricht. „Die Berufsbildenden Schulen können nun auch nicht ihr gesamtes System umkrempeln“, erläuterte Schumacher. „Das bedarf intensiver Absprachen, aber es wird daran nicht scheitern.“

Fragen zur Ausbildungsvergütung

Erschwerend komme für viele Altenheime der Umstand hinzu, dass noch nicht ganz klar sei, wie sie die Ausbildungsvergütung stemmen sollen und vergütet bekommen, die künftig den Azubis gewährt wird. Zusammen mit der Wirtschaftsförderung und der ProArbeit haben der Landkreis, die Pflegedienstleister und Ausbildungsbetriebe inzwischen ein kreisweites Ausbildungsnetzwerk Pflege gegründet. Es geht darum, die bisherigen Lehrpfade zu harmonisieren. „Es muss uns gelingen, die Zahl der Ausbildungsplätze zu halten und möglichst noch zu steigern“, erklärte Schumacher. Der Landkreis sehe eine Mitverantwortung. Die Beteiligten bräuchten vor allem Planungssicherheit. Leider lasse noch manche Ausführungsbestimmung auf sich warten. Das Netzwerk werde weiter tagen und das Thema Ende August auch den Kreisausschuss beschäftigen.

Dabei könnte ausgerechnet das florierende Kreiskrankenhaus zu einem Flaschenhals werden, weil auch  Auszubildende mit einer Lehrstelle in einem Altenheim künftig in einem bestimmten Zeitfenster gehalten sind, den nicht unerheblichen praktischen Teil ihrer Ausbildung in einem Akutkrankenhaus abzuleisten. „Wir möchten auch Bremer Häuser und die Klinik Lilienthal in diese Überlegungen einbeziehen“, sagte Schumacher. „Es wird eine logistische Herausforderung, die jungen Leute während ihrer praktischen Zeit in einem Krankenhaus entsprechend anzuleiten.“

Es geht dabei um jeweils zehn Krankenhaus-Wochen, zehn Wochen ambulante Pflege und zehn Altenpflegeheim-Wochen in den ersten zwei Lehrjahre; hinzu kommen drei Wochen Pädiatrie, wo als Notbehelf auch praktische Einsätze bei Kinderärzten oder in Integrationskindergärten anerkannt werden sollen, sowie im dritten Lehrjahr drei Wochen psychiatrische Pflege. Elke Schnakenberg (SPD) kritisierte, sie halte eine Spezialisierung innerhalb von nur drei Ausbildungswochen für unzureichend. Sie hoffe aber, dass sich der Fachkräftemangel vor allem in der Altenpflege mit einer künftig besseren Ausbildungsvergütung ein wenig mindern lasse.

Wilfried Pallasch (Bürgerfraktion) lobte die Netzwerkgründung; er befürchte aber, dass sich die privaten Träger zumindest in der Anfangsphase aus der Ausbildung weiter zurückziehen. „Auch darum brauchen wir ein kreiseigenes Altenpflegeheim“, sagte er. Der Landkreis müsse ranklotzen: Er plädiere dafür, dass die Pflegeschule beim Kreiskrankenhaus übergangsweise noch mehr Schüler als heute aufnimmt. „Falls es genug Bewerber gibt, können wir auch die alte Berufsschule noch fünf Jahre länger stehen lassen“, sagte er.

Heike Schumacher schüttelte den Kopf: „Die Altenheime werden gefordert bleiben, denn die stationäre Langzeitpflege bleibt ein Schwerpunkt der Ausbildung.“ Erfahrungsgemäß orientiere sich die jeweilige Spezialisierung der Pflegeschüler  stark am eigenen Ausbildungsbetrieb. Die Frage der schulischen Kapazitäten sei lösbar, so die Dezernentin weiter. Aber zusätzliche Schulplätze seien ja nutzlos, wenn zugleich ausbildungswillige Betriebe fehlten. Da könne der Landkreis die Altenpflegeheime nicht unterstützen. Und das Kreiskrankenhaus bilde schon heute über Bedarf aus, setzte Schumacher hinzu.

Die Bürgerfraktion hatte die Kreisverwaltung Ende 2018 mit einer Umfrage zur Pflegeausbildung beauftragt. Im Ausschuss wurden nun die Ergebnisse vorgestellt. 22 der 27 Pflegeheime im Kreisgebiet bieten demnach Ausbildungen für insgesamt 71 angehende Pflegekräfte an, eine weitere Einrichtung will demnächst Ausbildungsplätze anbieten, eine andere erst nach einer Erweiterung. 14 Einrichtungen gaben an, bisher alle Azubi-Stellen besetzt zu bekommen, sechs Anbieter nicht. Teils fehlte es an Bewerbungen, teils an qualifizierten Kandidaten, teils sagten die Azubis kurzfristig ab.

16 Betriebe können sich auch eine Ausweitung ihrer Ausbildungsstellen vorstellen, sechs Heime sehen diese Möglichkeit nicht. Insgesamt sind laut Befragung bis zu 41 zusätzliche Ausbildungsstellen denkbar. Haupthindernisse für ein größeres Engagement seien das Fehlen von passenden Bewerbern oder von Fachkräften, die Anleiteraufgaben übernehmen. Unterdessen hat eine Einrichtung mit aktuell vier Azubis erklärt, sie unterstütze die generalistische Ausbildung nicht und werde künftig keine Ausbildung mehr anbieten.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...