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Wenn der Supermarkt-Parkplatz richtig teuer wird

Christian Valek 03.04.2018 7 Kommentare

Für die Verbraucherzentrale werden auf dem Gelände des Einkaufszentrums in Marßel unverhältnismäßig hohe Gebühren für das Parken ohne Parkscheibe erhoben.
Für die Verbraucherzentrale werden auf dem Gelände des Einkaufszentrums in Marßel unverhältnismäßig hohe Gebühren für das Parken ohne Parkscheibe erhoben. (Christian Valek)

Das Parken ohne Parkscheibe kann teuer werden. Das hat eine Ritterhuderin festgestellt. Sie hatte ihr Auto am Einkaufszentrum in Marßel stehen, um beim Discounter einen Umtausch zu machen. Jetzt erhielt sie Post von einer Stuttgarter Firma. Ihr wurden 36,50 Euro als "Vertragsstrafe" in Rechnung gestellt. Sie hatte die Parkscheibe nicht in die Windschutzscheibe gelegt.

Die Kundin hatte ihren Wagen nur für wenige Minuten auf dem Parkplatz abgestellt. Dafür sollte sie 30 Euro zahlen, wie ihr auf einem schmalen gelben Bon mit QR-Code, der am Scheibenwischer hing, mitgeteilt wurde. Details waren darauf nicht genannt. Sie hielt es für eine dreiste Betrugsmasche und zerknüllte den Zettel. Mit Folgen, wie sich Wochen später herausstellte.

Die Kundin erhielt eine Mahnung mit der Aufforderung, nun 36,50 Euro binnen einer Frist von zehn Tagen zu zahlen. Dass bei Erhalt des Mahnbriefes bereits mehr als eine Woche seit Erstellen des Schreibens vergangen war, ist ein Nebenaspekt. Bezahle man nicht innerhalb der Frist, werde ein Inkassounternehmen beauftragt. Dadurch würden weitere Forderungen fällig, heißt es im Schreiben der Firma "Park&Control", das von der Aufmachung an einen Kettenbrief erinnert. Um dem Ganzen Nachdruck zu verleihen, wird mitgeteilt, dass „ein fotografischer Nachweis“ über das Vergehen vorliege.

Für die Verwaltungsfirma des Einkaufszentrums in Marßel ein völlig normaler Vorgang, wie Center-Manager Frank Springer im Gespräch mit der Redaktion klarmacht. Man habe viele Probleme mit Nutzern des "Park & Ride"-Angebots, begründet er. Fremdnutzer hätten immer wieder ihre Fahrzeuge widerrechtlich auf dem Parkplatz abgestellt und damit Kunden die Stellplätze weggenommen.

Anfangs habe man die Fahrzeuge abschleppen lassen. Aber der Aufwand sei zu hoch gewesen, so Springer. Zudem liege die Abschleppgebühr bei rund 250 Euro. So gesehen, seien die eingeforderten 30 Euro ein eher geringer Betrag, steht für den Center-Manager in Marßel fest.

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Seit gut zweieinhalb Jahren kümmert sich die Firma "Park&Control" mit Sitz in Stuttgart darum, Parkvergehen auf dem Gelände des Einkaufsmarktes zu verfolgen. Das Unternehmen wirbt mit dem Slogan "Parkraumlösungen. Einfach und sicher." Wer ohne Parkscheibe oder mit Parkscheibe länger als zwei Stunden dort steht, wird zur Kasse gebeten. „Jeder Kunde hat es selbst in der Hand, die Parkscheibe ins Fenster zu legen“, gibt Springer zu bedenken. Kulanz ist ausgeschlossen: Die Ausrede, keine Parkscheibe im Wagen zu haben, lässt er nicht gelten. „Jedes Geschäft im Einkaufszentrum hat Parkscheiben vorrätig.“ Auch die Dauer des Parkens ist für ihn unerheblich. Die Strafe sei sofort fällig.

Auch die Höhe der „Vertragsstrafe“ sei angemessen, findet Springer. Aber müssen es gleich 30 Euro und mehr sein? „Glauben sie, dass die Strafverfolgung im öffentlichen Raum kostendeckend ist?“, verteidigt Frank Springer das Vorgehen der Stuttgarter Firma. „Warum muss ich für das Schwarzfahren 60 bis 80 Euro zahlen?“

Für den Leiter des Ordnungsamtes in Osterholz-Scharmbeck klingt die Sache „interessant“. Volker Pfeil verweist darauf, dass es für ähnliche Vergehen auf öffentlichen Flächen einen Kostenkatalog gibt. „Egal, wo sie in Deutschland gegen die Vorschrift ohne Parkscheibe parken. Sie zahlen in München und in Osterholz-Scharmbeck zehn Euro dafür“, so Pfeil. Auf Privatgrundstücken sei die Sachlage anders. Dort entscheide das Hausrecht.

Polizei nicht zuständig

Die Polizei ist in derartigen Fällen nicht zuständig, heißt es auf Nachfrage bei der Bremer Behörde. Eine Sprecherin der Polizei deutet an, dass das Vorgehen derartiger Firmen polizeilich bekannt sei. Es gebe in letzter Zeit öfters Beschwerden dazu. Man muss sich mit dem Parkunternehmen in Verbindung setzen, rät die Sprecherin.

Die Masche greift um sich. Viele Einkaufszentren sind mittlerweile dazu übergangen, die Überwachung privater Stellflächen an Fremdfirmen abzugeben, weiß Hartmut Schwarz von der Verbraucherzentrale in Bremen. Es hat sich eine eigene Branche gebildet, die offenbar gut daran verdient. Es herrscht Aufbruchsstimmung. Das lässt sich auf der Homepage der Stuttgarter Firma nachlesen. „Park & Control ist ein junges aufstrebendes Unternehmen mit großen Wachstumszielen“, heißt es auf der Internetseite des Unternehmens. „Der Führungsstil ist geprägt durch Offenheit und Kooperationsbereitschaft. Konstruktive Kritik und Verbesserungsvorschläge sind stets erwünscht und werden soweit möglich umgesetzt.“ Für Beschwerden von Kunden aber gibt es nur eine Hotline-Nummer. Oder man füllt einen Online-Vordruck aus. Und wer schreiben möchte, muss sich mit einer Postfach-Adresse begnügen.

Vorgehen ist bekannt

Hartmut Schwarz kennt das Vorgehen von „Park&Control“. Die Verbraucherzentrale verfolge die Lage. Viele verärgerte Bürger hätten sich in den vergangenen Monaten bereits gemeldet, betont er. Märkte und Einkaufszentren gehen vermehrt dazu über, Fremdparker über externe Firmen abzumahnen. Die Betroffenen halten die hohen „Vertragsstrafen“ für Abzocke.

Hartmut Schwarz rät, Widerspruch einzulegen und gegen den Kostenbescheid vorzugehen. Drei Punkte seien entscheidend. Zunächst müsse ein Foto zur Einsicht angefordert werden. Zweitens müssten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), also das „Kleingedruckte“,  schon an der Einfahrt zum Markt für jeden Kunden deutlich lesbar sein. „Jeder, der dort parkt, geht ja einen Vertrag ein“, erläutert er. Daher gehe es auch um eine Vertragsstrafe. „Die Vertragsbedingungen aber müssen vorab bekannt sein.“ Und drittens kann gegen die Höhe der Forderung vorgegangen werden. „Sie steht im konkreten Fall in einem exorbitanten Missverhältnis zu den sonst üblichen Gebühren“, sagt Schwarz.

Die Ritterhuder Kundin hat mittlerweile die geforderten 36,50 Euro bezahlt. Sie scheute eine Auseinandersetzung mit „Park&Control“. Trotzdem bekam sie Post von einem Inkassobüro.


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Leserkommentare
bremenkenner am 21.10.2019 18:08
Leider sehen das hier sehr viele genau anders herum und sind im festen Glauben dass Afrika zig mal in Europa reinpasst. Und viele Afrikaner glauben ...
peteris am 21.10.2019 17:36
Der Erdteil Afrika ist so groß, da passt Europa zig mal rein.

Es fallen dort nicht überall den Menschen Bomben auf den Kopf. ...