Wetter: Regenschauer, 9 bis 15 °C
Gartenweg-Anwohner sauer
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Zwischen Staub und Schlaglöchern

Lars Fischer 10.07.2019 0 Kommentare

Bürgermeister Stefan Schwenke (vorn links) hat sich mit Anwohnern des Gartenwegs getroffen, um nach Lösungen zu suchen.
Bürgermeister Stefan Schwenke (vorn links) hat sich mit Anwohnern des Gartenwegs getroffen, um nach Lösungen zu suchen. (Bernd Kramer)

Landkreis Osterholz. Die dörfliche Struktur bewahren, dem städtebaulichen Trend zur Vereinheitlichung entgegentreten – das sind nur zwei von vielen, häufig gehörten Argumenten, wenn es um Bauvorhaben in Worpswede geht. Da haben die Anwohner im Gartenweg ganz andere Sorgen. Sie leben mit einem Unikum, und das mehr schlecht als recht. Sie wohnen zwar mitten in Worpswede, aber an einem unbefestigten Weg, der – je nach Wetterlage – mal einer Staubwüste, mal einer Seenplatte gleicht. Seit vielen Jahren werden die 170 Meter zwischen Osterweder Straße und Auf der Dohnhorst immer mal wieder von der Gemeinde ausgebessert. Lange gehalten hat das bislang nie.

Die Anwohner sind sauer, und sie fühlen sich benachteiligt. Andere Wege, die früher ähnliche Probleme aufwiesen wie Auf der Dohnhorst oder der parallel verlaufende Im Schluh, haben längst dauerhaft haltbare Decken erhalten. Im Gartenweg staubt und schlaglöchert es weiter. Es gibt keine Straßenbeleuchtung und keinen Fuß- oder Radweg, sondern nur die bis zu sieben Meter breite Huckelpiste, die bis an die Vorgärten heranreicht.

Der Gartenweg ist mit einem Tempolimit von zehn Stundenkilometern belegt. Da fährt aber keiner außer ihnen, sagen die Anwohner. Die Gemeinde bestätigt das. Sie hat mit einem mobilen Gerät gemessen, das den Autofahrern ihre Geschwindigkeit anzeigt und insofern zumindest psychologisch die Durchschnittsgeschwindigkeit drücken dürfte. Nur rund ein Viertel fuhr tatsächlich unter zehn Kilometer in der Stunde, ein Drittel war mit mehr als 20 Sachen unterwegs. Angesichts des schlechten Zustands der Straße Grund für ein überraschendes Resümee einer Anwohnerin: „Die Leute lieben ihre Autos nicht!“

Und noch etwas Überraschendes kam bei der Messung heraus: Pro Woche passieren rund 1000 Fahrzeuge die kleine Straße. Bei gerade mal zwölf Anwohnern eine unerwartet hohe Zahl. Manche nutzen den Gartenweg offenbar als Abkürzung zur Dohnhorst, andere fahren dort entlang, um die Zahnarztpraxis an der Einmündung zu erreichen. Allerdings gilt der Weg als öffentliche Straße, eine Einschränkung nur für Anlieger oder eine ähnliche Regel gibt es nicht. Jeder darf sie grundsätzlich benutzen. Das kann schon mal dazu führen, dass sich die Nachbarn längere Zeit nicht sehen. Erst wenn sich die Staubwolke langsam gesetzt habe, tauche die gegenüberliegende Straßenseite wieder auf, berichten sie. Und der Staub setzt sich nicht nur dort ab, wo er entsteht, auch in Gärten und den Häusern selbst sei er kaum wegzubekommen.

Heinz-Georg Meyer kritisiert zudem das Material, das die Gemeinde vor seiner Haustür eingesetzt hat. Nicht nur, dass es staubt, sich immer wieder Löcher bilden und Pfützen entstehen, in denen eine Nachbarin schon regelmäßig eine Gummiente schwimmen lässt. Es setzen sich auch betonartige Placken ab. Mit einem großen Schraubenzieher stochert er in der grauen Masse herum. Bürgermeister Stefan Schwenke präsentiert ihm eine Rechnung, nach der „Natursteinbruch“ aufgebracht worden sei. Meyer glaubt, es sei wohl eher geschredderter Bauschutt gewesen. Dennoch läuft der Ortstermin konstruktiv, denn beiden Seiten ist klar, dass hier etwas passieren muss. Schwenke versteht den Unmut, gleichzeitig könne er nicht versprechen, was er gerne würde. Alle langfristigen Baumaßnahmen müssen durch die Gremien der Politik bestätigt werden. Ein Ausbau, wie er eigentlich Stand der Technik wäre, schlägt nach seinen Berechnungen mit Kosten von mehr als 200 000 Euro zu Buche, einen Großteil davon müssten die Anwohner über die gesetzlich vorgeschriebene Beteiligung tragen. Frühestens in zwei Jahren sei das zu machen, so der Verwaltungschef. „Die Lösung muss für die Anwohner verträglich sein“, sagt Schwenke. Und es müsse es ein Provisorium geben, denn der jetzige Zustand sei so nicht weiter zumutbar. Gleichzeitig hätten die bisherigen Versuche zwar viel Geld gekostet, aber wenig Nutzen gebracht.

Vor einem Ausbau warnen allerdings auch Anwohner: Die Straße sei schnurgerade, wenn sie gut ausgebaut wäre, würde dort möglicherweise zu schnell gefahren. Die jetzige „Verkehrsberuhigung“ sei aber nicht länger hinnehmbar. Sie fänden Kübel oder andere Schikanen sinnvoll. Ein Vorschlag, auf den sich beide Seiten verständigen können, ist eine Einbahnstraßenregelung mit Fahrtrichtung von der Dohnhorst zur Osterweder Straße. Das würde den Verkehr schätzungsweise halbieren und hätte nach  Ansicht von Fachbereichsleiter Michael Rath einen weiteren Vorteil: Man brauche nicht mehr sieben Meter Breite für den Fahrweg, sondern nur 3,50 bis vier Meter, sodass am Rand Platz bliebe für Mulden, in denen Regenwasser versickern könne. Der Weg selbst könnte dann mit einer sogenannten Tränkdecke versehen werden. Bislang war diese Möglichkeit nicht gegeben, denn eine deutlich besser haltbare Tränkdecke verhindert das Versickern von Regenwasser. Das würde ohne Mulden am Rand auf die Grundstücke der Anwohner laufen oder am Ende auf die Osterweder Straße, die eine Landesstraße ist. Im vergangenen Jahr hatte das Land Niedersachsen als Verantwortliche für diese Straße die Gemeinde Worpswede darauf hingewiesen, dass dies nicht rechtmäßig sei. Die Kanalisation unter der Landesstraße ist nicht dafür ausgelegt, dass sie weitere Flächen, insbesondere bei Starkregen, entwässert.

Das Problem der „verschobenen“ Oberflächenentwässerung, das es an vielen weiteren Stellen in Worpswede gibt, ist im Gartenweg nicht akut. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Grundstücke so angelegt, dass das, was dort an Regen fällt, auch dort versickern kann – so wie es gesetzlich vorgeschrieben ist. Gerne hätte Heinz-Georg Meyer seine Einfahrt gepflastert. Er hat es nicht getan, sondern geschottert. Mit einem Zehn-Liter-Eimer Wasser demonstriert er, warum: Er stülpt ihn um und der Inhalt versinkt an Ort und Stelle ohne groß die abschüssige Einfahrt hinabzulaufen. Er hofft nun, dass die Ergebnisse des Gesprächs mit der Verwaltung nicht ähnlich schnell „im Sande verlaufen“.


Mein Osterholz
Ihr Portal für Osterholz und umzu

Herzlich willkommen in Ihrem Portal für Osterholz-Scharmbeck und umzu. Hier informiert Sie die Redaktion des Osterholzer Kreisblatt über wichtige Nachrichten und Veranstaltungen aus Ihrer Umgebung - von Gnarrenburg über Beverstedt, Hagen, Hambergen und Ritterhude bis in die Kreisstadt. Und das tun wir gerne: Tag für Tag und Sonntag auch. Wir sind für Sie da.

Haben Sie Informationen, Kritik oder Anregungen. Schreiben Sie uns. Wir freuen uns darauf.

Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 15 °C / 9 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regenschauer.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regen.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 90 %
Die Sportmeldungen aus der Region
Veranstaltung für Ihre Region
Sonderthemen aus der Region
Sonderthemen aus der Region
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Traueranzeigen
WESER-KURIER Kundenservice
Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...