Stadtfest Osterholz-Scharmbeck Partygänger haben Kreisstadt fest im Griff

Osterholz-Scharmbeck. Nach der Hitze der vergangenen Tage bot das Wochenende erträglichere Temperaturen. Das Stadtfest Osterholz-Scharmbeck wurde dadurch in jeder Hinsicht ein voller Erfolg.
18.07.2010, 18:33
Lesedauer: 4 Min
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Partygänger haben Kreisstadt fest im Griff
Von Brigitte Lange

Osterholz-Scharmbeck. Sabine Kohnwald und ihre Freundin lassen die Beine von der Mauerkrone vor dem Schlauchturm in Osterholz-Scharmbeck baumeln. Von ihrem Platz aus haben die Frauen einen guten Blick über das Stadtfest. Auf ihrer rechten Seite wird die Stimmung mit gecoverten Party-Hits mächtig angeheizt. In der entgegengesetzten Richtung strömen die Fans von Soul, Funk und Jazz zusammen. Und wenn die Lautsprecher dieser Bühnen mal verstummen, driften Country- und Rock-Musik-Fetzen von der dritten Bühne neben dem Kirchenportal herüber.

'Wenn etwas in Osterholz-Scharmbeck los ist, dann sollte man das auch mitnehmen', findet Kohnwald. Und los - wie sie sagt - ist in der Kreisstadt an diesem Wochenende wirklich eine Menge. 14 Bands, dreimal Musik vom Plattenteller, der Shanty-Chor des Segel-Clubs Hamme und eine Volkstanzgruppe sorgen für mächtig Abwechslung auf dem sonst doch eher ruhigen Marktplatz. Nicht vergessen werden darf dabei der gestrige Freiluft-Gottesdienst vor der St. Willehadi-Kirche, das Rumpel-Frühstück auf dem Marktplatz, sowie all die Aktionen, die Kreisjugendpflegerin Hella Martin für die Kindermeile auf die Beine gestellt hat.

Seit 1991 durchläuft die Stadt regelmäßig diese Metamorphose. Fritz Stagge, damals Wirt der gleichnamigen Innenstadt-Kult-Kneipe, war der Initiator. Andere Gastronomen schlossen sich ihm an. 'Nur einmal in der ganzen Zeit fiel das Stadtfest aus', bemerkt Ulrike Büntemeyer, die zusammen mit Frank Wätjen und Wolfgang Teichmeier seit ein paar Jahren die mehrtägige Open-Air-Party, die Tausende von Besuchern anzieht, organisiert. Unterstützt wurden sie dabei diesmal von der Kreisjugendpflegerin Hella Martin, den Mitarbeitern des Stadtmarketings und Jürgen Rühl von city-map, der für die große Sause im Internet warb.

'Wir kommen jedes Jahr', sagen Irma Rürup und Johannes von der Heide. Die beiden leben in Ritterhude und nutzen die Gelegenheit, sich bei Wein und Gesang mit Freunden in der Kreisstadt zu treffen. Dazu - und das sei das Besondere - brauche man sich nicht mal zu verabreden: 'Beim Stadtfest trifft man immer jemanden.' Gegen 18 Uhr habe es allerdings nicht danach ausgesehen, schallt es vom Nachbartisch rüber. 'Da war es hier ziemlich leer', verrät Horst Melchert. Wahrscheinlich sei das ihr Glück gewesen. Schließlich hätten er und seine Begleiter dadurch den Tisch zwischen dem Weinstand und der VGH-Bühne mit der Country-Musik ergattern können. Von dort aus beobachteten sie, wie sich der Platz rund um die Kirche immer schneller füllte und sich ihr Tisch zu einer Insel im Strom der Menschen verwandelte.

Zeitweise ist es so voll auf dem Stadtfest, dass an ein Durchkommen kaum zu denken ist. Die Luft ist erfüllt von tausenden Stimmen. Die Musik aus den Lautsprecher-Boxen brummt im Bauch. Getränke- und Imbissbuden sind umlagert. Vor den Gastwirtschaften ist kein Stuhl mehr frei. Vor allem im Hör- und Sehbereich der Kreissparkassen-Bühne, auf der die Cover-Bands 'Recover', 'Lost Exit' und 'aLive' sowie die Sieger des Bandcontestes 'Local Hero' auftreten, schiebt sich das Publikum zu dichten Menschentrauben zusammen.

Mit dem Absinken der hochsommerlichen Temperaturen auf unter 30 Grad Celsius am Sonnabend, nimmt die Zahl der Tänzer kräftig zu. Vor der VGH-Bühne sind es die Line-Dancer, die die Blicke auf sich ziehen. Mit Cowboy-Hut und Jeans, die Daumen in die Gürtelschlaufen eingehakt, tanzen sie den ganzen Abend in Reih und Glied zu den Country-Klängen der 'Lenne Rockers'.

Vor der KSK-Bühne sind es vor allem die weiblichen Stadtfest-Gänger, die sich zu 'Summer of 69' oder 'I will survive' austoben. Als die Cover-Band Stücke von den 'Ärzten' anstimmen, machen die Männer ihnen den Platz auf der Tanzfläche streitig. Etwas ruhiger, aber kaum weniger eng, geht es vor der Marktkauf-Bühne zu, wo 'Soul and Pepper' oder auch 'Steff Heinken' das Publikum mit Soul, Funk, Jazz und Swing in ihren Bann ziehen. 'Die Musik ist genau unser Ding', verrät Wolfgang Graalheer. Mit zwei Motorrad-Freunden schaut er aus Findorf in der Kreisstadt vorbei. Das Fest haben sie dabei gar nicht nicht auf dem Plan gehabt: 'Wir wollten eigentlich nur ein Eis essen', gibt er unumwunden zu. Nun gibt's nicht nur was für den Gaumen, sondern auch etwas für Augen und Ohren: Mit der gefüllten Eiswaffel in der Hand genießen die Drei den Trubel um sie herum.

Tanja Busch hingegen hat den Gang übers Stadtfest im Voraus geplant. Die gebürtige Kreisstädterin lebt längst in einer anderen Stadt - aber zu dieser Party schaut sie gern vorbei. 'Da treff? ich immer alte Bekannte - auch solche, die wie ich weggezogen sind.' Schade findet sie nur, dass das Stadtfest nicht mehr die Plattform für Kreative sei, die es ganz am Anfang mal werden sollte. Bis auf die Bands unterscheide es sich kaum vom Mai- oder Herbstmarkt, bedauert sie. Und dabei habe es sich doch genau von denen abheben sollen.

Vielleicht versöhnt Tanja Busch der gestrige Sonntag - an dem sich die ersten Gästen um 10 Uhr unter blauem Himmel zum Gottesdienst vor der Kirche einfinden. Anderen knurrt zur selben Zeit der Magen. Sie bedienen sich beim reichhaltigen Rumpel-Frühstück auf dem angrenzenden Marktplatz. Wie an allen Fest-Tagen gibt es auch Sonntag ab 11 Uhr Live-Musik. Und endlich kommen auch die jüngsten Kreisstädter auf ihre Kosten. Organisiert von Kreisjugendpflegerin Hella Martin haben sich eine ganze Reihe von ehrenamtlichen Jugendleitern Spiele für die Kids überlegt. Darunter eine Olympiade, deren Teilnehmer eine Medaille winkt, wenn sie einen Feldstein aus Pappmaché möglichst weit sowie einen Ball zielgenau werfen und ohne Bruch den Eierlauf bestehen.

Als die Turmuhr der Willehadi-Kirche abends achtmal schlägt, ist der Zauber vorbei - und das Leben auf dem Marktplatz kehrt zu seiner üblichen Routine zurück.

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