DIE NORDDEUTSCHE vor 25 Jahren Pläne für das Ökodorf

Im Januar 1995 wurde über Gewerbe- und Siedlungsflächen diskutiert, im Werderland wurde das Ökodorf geplant, der Seenotkreuzer „Alfried Krupp“ machte in Vegesack fest und eine Polizeireform stand an.
04.01.2020, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Pläne für das Ökodorf
Von Julia Ladebeck

In Bremen-Nord sind die Entwicklungsmöglichkeiten bei den Gewerbeflächen annähernd erschöpft. Das berichtete DIE NORDDEUTSCHE in ihrer Ausgabe vom 4. Januar 1995. Der damalige Bauamtsleiter Christof Steuer sah Spielraum nur noch an wenigen Stellen: an der Straße Am Bodden, an der Claus-von-Lübken-Straße, beim Kraftwerk Farge und auf dem Klöckner-Gelände. Unter dem Titel „Siedlungsflächen werden knapper“ ging es auch um Flächen für Wohnraum. Damals lag der Bestand in Bremen-Nord bei 46 000 Wohnungen.

In dem Umstand, dass die Zahl der Einfamilienhäuser im Norden im bremischen Vergleich überdurchschnittlich hoch ist, sah Christof Steuer schon damals eine Chance für zusätzliche Bauvorhaben. „Durch die Gärten gibt es noch Verdichtungsmöglichkeiten“, sagte er. In einem Baulückenkataster, das im Internet unter www.bauluecken.bremen.de einzusehen ist, führt die Baubehörde mittlerweile Lückengrundstücke zwischen Mahndorf und Farge auf. Davon liegen aktuell 1138 im Bremer Norden: 608 in Blumenthal, 348 in Vegesack und 182 in Burglesum.

Ein ganz besonderes Wohnprojekt wurde vor 25 Jahren im Werderland geplant. Weil zwischen Hemmstraße und Bürgerpark der Bau von 1300 Wohnungen vorgesehen war, sollten die rund 50 Mitglieder des Weidedamm-Vereins von Findorff auf ein Friedhofgelände im Werderland umziehen. Sie sollten sich auf dem etwas mehr als 20 000 Quadratmeter großen Areal unweit des Dunger Sees niederlassen. Dagegen waren allerdings Mitglieder der Siedlungsgemeinschaft Dunge, wie DIE NORDDEUTSCHE am 5. Januar unter dem Titel „Anwohner gegen Weidedamm-Verein“ berichtete. Die Anwohner befürchteten, die Bebauung des Friedhofgeländes werde weitere Bauvorhaben nach sich ziehen und das Werderland als Naturfläche verloren gehen. Aus diesem Grund klagten die Anwohner gegen die Bebauung.

Neben Naturschäden befürchteten die Lesumbroker zudem, dass mit den Mitgliedern des Weidedamm-Vereins „rund 100 Angehörige der autonomen Szene und anderer Problemgruppen“ in ihrer Nachbarschaft Einzug halten würden. Der Vorsitzende des Weidedamm-Vereins, Klaus Möhle, betonte indes, dass sich der Verein ausdrücklich von den Aktivitäten der autonomen Szene distanziere. Der Vertrag mit der Stadt sah vor, dass der Verein das Grundstück an der Lesum für eine Dauer von fünf Jahren pachtet. Ziel war ein „sozial-ökologisches Projekt“.

Die Projektteilnehmer erhielten die Erlaubnis, Häuser zu bauen. Dabei strebten sie an, Baustoffe möglichst sparsam einzusetzen. Ihre Energie wollte sie unter anderem mithilfe von Solarzellen gewinnen, möglichst wenig Wasser verbrauchen und Baumaterial aus Abrisshäusern verwenden. Bekanntlich wurde das Projekt trotz der Einsprüche der Anwohner realisiert: Im Werderland entstand das Ökodorf für Menschen, die alternativ leben wollen, mit Platz für 36 Bewohner, die in Bauwagen, Holz- oder Lehmhäusern wohnen.

„Traurige Rückkehr zur Lürssen-Werft nach Vegesack“: Nach einem Unglück auf See, bei dem Vormann (Kapitän) Bernhard Guben und Maschinist Theo Fischer gestorben waren, kehrte der Seenotkreuzer „Alfried Krupp“ der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) schwer beschädigt nach Bremen-Nord zurück, wie DIE NORDDEUTSCHE am 6. Januar 1995 berichtete. 1988 war der Kreuzer der sogenannten Berlin-Klasse auf der Lürssen-Werft gebaut worden. In der von einem Orkan aufgewühlten Nordsee war die „Alfried Krupp“ in der Nacht zum 2. Januar 1995 von einer 13 Meter hohen Grundsee erfasst worden und durchgekentert. In der Lesummündung wurde der Seenotkreuzer wenige Tage später an der Ausrüstungspier der Lürssen-Werft festgemacht. Er sollte repariert werden.

Nach 31 Jahren im Einsatz wird die „Alfried Krupp“ auf der Station Borkum demnächst durch die „Hamburg“ ersetzt. Das Schiff wird aktuell auf der Fassmer-Werft in Berne gebaut. Kürzlich wurden dem 28 Meter langen Kreuzer in Millimeterarbeit seine Hauptmaschinen eingesetzt.

Im März 2017 ist die „Polizeireform 2600“ auf den Weg gebracht worden. Aktuell wird sie Zug um Zug umgesetzt. Ziel ist die Aufstockung des Personals und mehr Polizisten auf der Straße. Die Reform enthält unter anderem ein Liegenschafts- und Standortkonzept. Dessen Herzstück sind sechs regionale Polizeikommissariate, von denen bekanntlich eins am Hafen in Vegesack neu entstehen soll. Die Kommissariate sollen als zentrale, 24 Stunden geöffnete Standorte unter anderem für die Anzeigenaufnahme sowie die Bündelung der 110-Einsatz- und Schwerpunktkräfte ausgebaut werden. Dies geht zu Lasten der bisherigen elf Polizeireviere, für die künftig eine einheitliche Öffnungszeit von 8 bis 16 Uhr angestrebt wird.

Vor 25 Jahren stand in Bremen ebenfalls eine Polizeireform an, die für Bremen-Nord große Veränderungen bedeuten sollte. DIE NORDDEUTSCHE berichtete unter der Überschrift „,Kripo Nord‘ Opfer der Polizeireform?“, dass die Kriminalpolizei Bremen-Nord aufgelöst werden sollte. In dem Artikel vom 7. Januar 1995 heißt es: „Falls die Polizeireform wie geplant zum Tragen kommt, werden allerdings nicht nur Rauschgiftfahnder, sondern auch Brand- und Raubexperten der Kripo von Bremen-Stadt aus Bremen-Nord bearbeiten müssen.“

In Burglesum und Blumenthal stand die Herabstufung der Schutzpolizeireviere zu nachts geschlossenen Polizeikommissariaten an. In Vegesack sollte das Revier zum sogenannten Inspektionsrevier aufgewertet werden, gleichzeitig, so berichtete der Autor, stand die Auflösung der Kripo Bremen-Nord an. Von 22 Beamten der „KK Bremen-Nord“ sollten nur acht Beamte zur gemeinsamen Arbeit mit der Schutzpolizei in Bremen-Nord bleiben. Die anderen – Brand- und Raubexperten – sollten auf die stadtbremischen Fachkommissariate verteilt werden. „Einsatzdienst“, „Ermittlungsdienst“ und „Prävention“ sollten nach der Umorganisation die drei Säulen der Polizeiarbeit in Bremen-Nord sein. Zunächst sollte in einem Stadtteil, quasi als „Modellversuch“, begonnen werden. Ob der Bremer Norden tatsächlich dafür ausgewählt werden sollte, war laut dem Artikel von Januar 1995 allerdings noch unklar.

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