Galerie Cohrs-Zirus zeigt 48 Aquarelle und Collagen von Sarah Kirsch

Poesie aus Farbe und Wasser

Worpswede. "48 abenteuerliche Expeditionen in das Reich von Farben und Formen" nennt Moritz Kirsch die kleinformatigen Aquarelle und Collagen seiner Mutter. "Hommage à Sarah Kirsch" titelt die soeben eröffnete Ausstellung der Galerie Cohrs-Zirus. Diese gleicht einer Verbeugung vor der Dichterin, die mit Farben nicht minder eindrücklich umzugehen vermag wie mit Worten. 75 Jahre alt ist Sarah Kirsch in diesem Jahr geworden - Anlass, bis zum 23. Januar 2011 zum dritten Mal ihre Arbeiten in Worpswede zu zeigen..
04.12.2010, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Poesie aus Farbe und Wasser
Von Undine Zeidler

Worpswede. "48 abenteuerliche Expeditionen in das Reich von Farben und Formen" nennt Moritz Kirsch die kleinformatigen Aquarelle und Collagen seiner Mutter. "Hommage à Sarah Kirsch" titelt die soeben eröffnete Ausstellung der Galerie Cohrs-Zirus. Diese gleicht einer Verbeugung vor der Dichterin, die mit Farben nicht minder eindrücklich umzugehen vermag wie mit Worten. 75 Jahre alt ist Sarah Kirsch in diesem Jahr geworden - Anlass, bis zum 23. Januar 2011 zum dritten Mal ihre Arbeiten in Worpswede zu zeigen..

Die Dichterin Sarah Kirsch - die der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki als "die jüngere Schwester der Droste" bezeichnet hatte - hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, meidet Talkshows und Interviews. Auch Lesungen hält sie nicht mehr, so ihr Sohn Moritz Kirsch. Er bot zur Ausstellungseröffnung keine wissenschaftliche Werkeinführung, "weil mir als Sohn meiner Mutter die Distanz fehlt". Vielmehr ließ er seine Zuhörer an persönlichen Eindrücken über die Mutter teilhaben und lieh ihren Worten seine Stimme. Drei Gedichtbände hatte er dafür mitgebracht. Moritz Kirsch schilderte den kräftezehrenden "Vorgang des Einkochens", in dem die Mutter ihre Gedichte auf ein Konzentrat aus Wort und Inhalt reduziert. Mehrere Wochen brauche Kirsch für ein Gedicht. Die Aquarelle hingegen entstehen in einem spielerischen Prozess, der mit dem Farbenauswählen im großen Klassenraum des alten Schulhauses hinter dem Eiderdeich begann. Noch heute erinnern Farbspritzer auf den Dielen

daran.

Kleine Von-Zeit-zu-Zeit-Erlösung

In den ersten Jahren seien die "in ihrer Art ausschließlich heiteren" Bilder "Privatsache" der Dichterin gewesen, so Moritz Kirsch. Galerist Wilfried Cohrs nannte es: "Das Malen als kleine Von-Zeit-zu-Zeit-Erlösung von allem, das den Kopf der Dichterin zu sprengen droht". Die Vorlagen für ihre Farbexplosionen finde Sarah Kirsch in der Eiderniederung um Thielenhemme in Schleswig-Holstein, in einer Landschaft, die zu 80 Prozent vom aquarellfarbenen Himmel bestimmt sei. Am Ende eines Bildes kehre Sarah Kirsch zurück zu ihrer aus der Dichtung bekannten Arbeitsweise. Moritz Kirsch erzählte vom "bewussten Komponieren", vom partiellen Überkleben oder Stempeln mit japanischen Stempeln, vom Zurechtschneiden der Bilder, "um ihre Intensität zu steigern".

Wie geschwisterliche Gestirne stehen Gedichte und Aquarelle aus Sicht des Galeristen Cohrs einander gegenüber. So zeigt er dann ebenso dichte Bilder, wie es auch die Gedichte waren, die Moritz Kirsch las. In beiden Genres vereint Sarah Kirsch, dass es weder mit einmal Hören noch mit einmal Betrachten getan ist. Beim längeren Schauen erwachen Kirschs Bilder zum Leben. Von Hand mit Bleistift unter den Bildern geschriebene poetische Titel wie "Knallgefleckter Kater" oder "Das Leben ist a Vogerl" verweisen auf die Dichterin Kirsch.

Die Galerie Cohrs-Zirus in der Bergstraße 33 ist sonnabends und sonntags von 11 bis 13 Uhr und von 14 bis 18 Uhr geöffnet sowie nach Terminvereinbarung unter 04792/1748.

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