Klagen über Internet-Anbieter EWE-Tel beschäftigen Rat / Ja zu Partnerschaft mit polnischer Künstlerkolonie Politiker kritisieren unhaltbare Zustände

In den Ortschaften häufen sich Beschwerden über den Telefon- und Internet-Dienstleister EWE-Tel. Die Klagen der Bürger stehen im krassen Gegensatz zur Werbung des Unternehmens für das "Highspeed-Internet". Die Misere beschäftigte am Donnerstag auch den Worpsweder Rat. Einige Politiker sprachen von unhaltbaren Zuständen. Bürgermeister Stefan Schwenke will die EWE und den zuständigen Dezernenten im Kreishaus darauf ansprechen.
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Von Michael Wilke

In den Ortschaften häufen sich Beschwerden über den Telefon- und Internet-Dienstleister EWE-Tel. Die Klagen der Bürger stehen im krassen Gegensatz zur Werbung des Unternehmens für das "Highspeed-Internet". Die Misere beschäftigte am Donnerstag auch den Worpsweder Rat. Einige Politiker sprachen von unhaltbaren Zuständen. Bürgermeister Stefan Schwenke will die EWE und den zuständigen Dezernenten im Kreishaus darauf ansprechen.

Worpswede. In der Einwohnerfragestunde des Rates platzte Hüttenbuschs Ortsvorsteher Waldemar Hartstock der Kragen. "Eine Unverschämtheit ist das!", polterte der sonst so besonnene Christdemokrat. "Ich bin seit Anfang Dezember mehr oder weniger ohne Telefon und habe kein Internet." Wie viele andere Hüttenbuscher hatte Hartstock den Oldenburger Versorger mit dem Anschluss seines Hauses ans schnelle Internet per VDSL-Leitung beauftragt.

Bisher gehörte Hüttenbusch zu den weißen Flecken im Kreis. Ohne DSL oder VDSL kann es im Dorf 15 bis 20 Minuten dauern, bis sich das E-Mail-Fach öffnet, Zeit zum Duschen und Kaffeetrinken zwischen zwei Maus-Klicks. Umso dringlicher sucht das Gros der Bürger den Anschluss an die Datenautobahn im Computernetz. Wie berichtet, hat der Landkreis das Unternehmen EWE mit dem flächendeckenden Ausbau des Breitbandnetzes im Kreisgebiet beauftragt, der mit öffentlichen Mitteln gefördert wird.

Als Ortsvorsteher ist Hartstock aufs Internet angewiesen. Im Vertrauen auf die Zusage von EWE kündigte er seinen Vertrag mit der Telekom. Doch der neue Anbieter hat es bisher nicht geschafft, den versprochenen Telefon- und Internetanschluss herzustellen. Ehrenamtliche Computerexperten vom Verein Dorfplatz versuchten, in Hartstocks Büro eine provisorische Internetverbindung ohne DSL herzustellen. "Das haute und haute nicht hin", schimpfte Hartstock. "Also haben wir die 0800er-Nummer in Oldenburg angerufen." Elf Minuten hingen Hartstock und die Helfer in der Warteschleife. Dann sagten ihnen die EWE-Mitarbeiter, Hartstock brauche eine Zugangsnummer und ein Passwort. "Denn hab' ich gesagt, sie sollen mir das mündlich geben, aber die haben gesagt, das geht nur schriftlich." Und das dauert Wochen.

Ewig in der Warteschleife

"Ewig hängt man in der Warteschleife", klagte die Hüttenbuscherin Ilse-Marie Seijger in der Fragestunde. "Man wird verrückt dabei. Man bekommt keine vernünftige Antwort." Sie hat das gleiche Problem wie der Ortsvorsteher. Ob sich nicht jemand von der Gemeinde einschalten könnte, fragte die Hüttenbuscherin. Er werde die EWE darauf ansprechen, kündigte Bürgermeister Stefan Schwenke an: "Um deutlich zu machen, wie schwierig das für die Kunden ist. Das sind zum Teil untragbare Zustände. Da muss die EWE ran, mit welchen Mitteln auch immer."

Der Fraktionsvorsitzende der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) im Rat, Jochen Semken, sprach ebenfalls von unhaltbaren Zuständen, zumal die Gemeinde Worpswede den Bürgern zugesagt habe, dass sie den Anschluss ans schnelle Internet bekämen. Statt dessen würden zugesagte Übertragungsgeschwindigkeiten nicht eingehalten, bei der Umstellung gebe es große Schwierigkeiten, kritisierte Semken. "Ich kenne Hüttenbuscher, die mussten zwei Monate auf dem Handy telefonieren. So was geht nicht." Die EWE erhalte viel Geld für den Ausbau der Breitband-Versorgung - öffentliche Mittel. Da könne es kein Jahr dauern, bis eine schnelle Internetverbindung hergestellt sei. Auch der CDU-Ratsherr Werner Grobbau weiß, dass sich "gehäuft und massiv Beschwerden aufbauen. Da liegt sehr viel im Argen, auch in anderen Gemeinden."

Erfreulicher war ein anders Thema, das auf der Tagesordnung stand: eine Kulturpartnerschaft mit der polnischen Künstlerkolonie Kazimierz Dolny. Einstimmig beauftragte der Gemeinderat den Bürgermeister Stefan Schwenke, den bereits formulierten Partnerschaftvertrag zu unterzeichnen. Kazimierz Dolny ist wie die Gemeinde Worpswede Mitglied im Netzwerk der europäischen Künstlerkolonien, EuroArt. Der Ort hat knapp 7000 Einwohner und liegt südöstlich von Warschau. Es sei "ein lebendiger Künstlerort", sagte Schwenke. Dort herrsche "großer Enthusiasmus". Welch hohe Bedeutung der Partnerschaft in Polen beigemessen werden, habe der Worpswede-Besuch des polnischen Botschafters Marek Prawda gezeigt. Willi Seidel (CDU) und Hans Ganten (UWG) unterstrichen die hohe Bedeutung von Kulturpartnerschaften für Europa und die Völkerverständigung. Susanne Weichberger (UWG) findet die Partnerschaft "richtig und wichtig, zumal wir viele polnische Künstler haben, die in der Gemeinde leben und arbeiten."

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