Drogen

Polizei: Stark alkoholisierte Jugendliche an Himmelfahrt

Syke. Weniger Radler, dennoch alkoholisierte Jugendliche - das ist das Resümee der Syker Polizei. Zur Mittagszeit ist rund um das Musikfest Wachendorf noch verhältnismäßig wenig los, doch im Laufe des Tages häufen sich die Fälle auch übermäßig stark alkohlisierter Erwachsener.
14.05.2010, 10:30
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Polizei: Stark alkoholisierte Jugendliche an Himmelfahrt
Von Malte Bürger

Syke. Irgendwo landet klirrend eine Flasche auf dem Boden, für Carsten Hoffmeyer, Leiter des Syker Polizeikommissariats, und seine Kollegen aber noch lange kein Grund, um in Hektik zu verfallen. Ruhigen Schrittes schreiten sie durch die feiernden und alkoholisierten Menschenmassen am Rande des Internationales Musikfestes in Wachendorf. Obwohl das Wort Massen eigentlich das falsche ist. 'Es ist doch deutlich ruhiger dieses Mal', wagt Hoffmeyer ein erstes Fazit.

Auf den Straßen ist zur Mittagszeit verhältnismäßig wenig los. 'Es geht sehr schleppend los. Aufgrund des schlechteren Wetters sind wir etwa zwei Stunden im Rückstand gegenüber dem Normalzustand', erläutert Hoffmeyer. Die einzige Ausnahme wurde auf der Dienststelle wenige Minuten zuvor registriert. Ein 20-jähriger Radfahrer sei bereits gegen 12 Uhr mit einem Wert von 1,9 Promille aus dem Verkehr gezogen worden. Für einen längeren Zeitraum soll der junge Mann jedoch eine Ausnahme bleiben. Auch bei den Mitarbeitern des Deutschen Roten Kreuzes ist es anfangs ruhig. Auf dem Festgelände und den angrenzenden Wegen schwillt derweil der Lautstärkepegel immer weiter an - wenngleich der ganz große Besucherzulauf ausbleibt. Alkoholische Getränke in sämtlichen Farben wandern durch die Hände der Jugendlichen. Wobei sich in diesem Zusammenhang die Frage stellt, wo eigentlich die feiernden Väter sind, denen dieser Tag doch gewidmet ist. In Wachendorf zumindest nicht.

Und überall dort, wo der Nachwuchs mit alkoholischer Unterstützung für Stimmung sorgt, ist auch die zehnköpfige Jugendkontrollgruppe der Polizei nicht weit. 'Das sind Kollegen, die aus verschiedenen Dienstzweigen stammen, aber allesamt speziell in der Thematik Jugendschutz geschult wurden', erzählt Carsten Hoffmeyer. Beim Musikfest sind die Beamten in ihren neongelben Warnwesten schon von Weitem zu erkennen - ein Signal, dass im Laufe der Jahre Wirkung gezeigt hat. So auch an diesem Tag. 'Mittlerweile zücken die Jugendlichen schon freiwillig den Ausweis und zeigen, dass sie schon 16 sind', erzählt Jürgen Hage, der die Gruppe leitet. 'Und wenn sie hochprozentigen Alkohol dabei haben, schütten sie den mittlerweile auch sofort und ohne Aufforderung weg.'

Dementsprechend wenig haben die Ordnungshüter in den ersten drei Stunden zu tun. '2009 hatten wir zu dieser Zeit schon den ersten Betrunkenen mit 2,3 Promille', erinnert sich Hage. 'Heute hatte der Spitzenreiter 0,99 Promille.'

Nur Sekunden später ändert sich das aber bereits. Ein 16-jähriges Mädchen wurde von Hages Kollegen in den Einsatzwagen beordert, der alarmierte Vater ist ebenfalls angerückt. 1,24 Promille hat seine Tochter im Blut, hält sich dafür aber erstaunlich gut auf den Beinen - und beginnt nach dem Ende der polizeilichen Arbeit eine längere Diskussion mit ihrem Vater über einen noch längeren Aufenthalt auf dem Fest. 'Es ist aber auch gut, wenn der Erziehungsberechtigte sich Zeit für sein Kind nimmt, um darüber zu sprechen', schildert Ingo Müller vom Kontroll-Team. 'Im Vorjahr hatten wir einen Fall, wo der Vater kam, seinen Sohn in Empfang nahm, ihm einen freundschaftlichen Klaps auf den Rücken gab und ihn wieder zum Feiern aufs Gelände schickte.'

Dennoch ist die Begegnung mit den Eltern im Prinzip die größte Strafe, die an solch einem Tag kommen kann. Die Standpauke der Beamten wäre für viele noch irgendwie zu verkraften, der Anruf bei Mama und Papa aber ist die pure Folter. So wie bei einem 16-jährigen Mädchen, das weinend und mit einem Promillewert von 1,8 an der Motorhaube lehnt und dem Polizisten flehend entgegenschnieft: 'Na gut, meine Mutter können sie anrufen, aber sagen sie nichts meinem Vater'. Die Beamten kennen in solchen Fällen kein Pardon, zurück bleibt allerdings das Erschrecken über den Zustand der Heranwachsenden. 'Die haben teilweise 1,8 Promille oder mehr, ansehen tut man ihnen das allerdings nicht. Das ist durchaus beängstigend', meint Carsten Hoffmeyer.

Im Laufe der Zeit häufen sich schließlich allmählich die Fälle mit übermäßig stark alkoholisierten Personen - auch Erwachsenen. Sechs Radlern wurde die Weiterfahrt wegen eines Wertes von über 1,6 Promille untersagt - wodurch nun sogar der Entzug des Führerscheins droht. Einer 22-jährigen Frau dürfte es sogar noch schlechter ergehen. Sie wurde nicht nur alkoholisiert auf die Wache gebracht, sondern widersetzte sich dort auch noch gegen die Ordnungshüter. Ein junger Mann kauert bereits gegen 16.30 Uhr auf einer Bank und spürt die Auswirkungen des ausschweifenden Alkoholgenusses. Die Begründung für seinen Zustand kommt dann aber doch überraschend: 'Ich habe Magen-Darm.'

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