Mutmaßlicher Mafiaboss behandelt

Polizeieinsatz an Hannoveraner Klinik kostet mindestens 900.000 Euro

Die Bewachung eines mutmaßlichen Mafiabosses an der MHH in Hannover hat mindestens 900.000 Euro gekostet. Wer die Kosten trägt, ist weiterhin ein Streitpunkt. Der Vizepräsident der Klinik wurde entlassen.
24.02.2020, 13:09
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Polizeieinsatz an Hannoveraner Klinik kostet mindestens 900.000 Euro

Am Freitag wurde der mutmaßliche Mafiaboss in einem Privatflugzeug in die Türkei ausgeflogen.

Amadeus Sartorius/Hannoverreporter/dpa

D ie Bewachung eines mutmaßlichen Clanmitglieds an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat fast 900.000 Euro gekostet. Das sagte der hannoversche Polizeipräsident Volker Kluwe am Montag in einer Ausschuss-Sondersitzung im Landtag in Hannover. Die Einsatzlage sei „sehr außergewöhnlich“ gewesen. Insgesamt seien bei dem Einsatz 16.058 Personalstunden angefallen, die Polizisten hätten fast 2500 Schichten geleistet, erläuterte Kluwe.

Der 35-jährige Montenegriner Igor K. war in der Klinik wegen Schussverletzungen behandelt worden, er war rund zwei Wochen lang aufwendig von der Polizei bewacht worden. Am Freitag verließ er das Land in Richtung Istanbul, nachdem die Stadt Hannover in Abstimmung mit dem Innenministerium beschlossen hatte, den Mann auszuweisen. An dem Polizeieinsatz und den daraus entstandenen Kosten hatte sich ein heftiger politischer Streit entzündet.

Nach der Behandlung des Mannes entließ das Land Niedersachsen inzwischen den Vizepräsidenten der Klinik. Der Vorstand für die Krankenversorgung, Andreas Tecklenburg, sei mit sofortiger Wirkung freigestellt worden, sagte Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) in der Sondersitzung. Thümler bemängelte die Kommunikation der MHH in dem lange rätselhaften Fall. Sowohl intern als auch in der Meldekette von der Klinik zu den Sicherheitsbehörden und der Landesregierung habe es Defizite gegeben.

Die CDU-Fraktion kommentierte, die Entlassung Tecklenburgs biete der MHH die Möglichkeit, ihre bisherige Praxis im Umgang mit zahlungskräftigen ausländischen Privatpatienten zu überdenken und sich mit Blick auf medizinethische Prinzipien neu aufzustellen. (dpa)

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