Drei Ansichten in der VHS und im Café Alte Posthalterei Polnische Künstler geben Blick auf Deutschland wieder

Syke. Künstlerisch und geschichtlich ging es am vergangenen Wochenende in den Räumen der Volkshochschule (VHS) in Syke und im benachbarten Café Alte Posthalterei zu. Die Werke dreier polnischer Künstler - Beata Ewa Bialicka, Zbigniew Smolinski und Pawel Wlodarski - standen zur Schau. "Intensive Begegnungen sind wichtige Bausteine für das Europa, auf das wir heute stolz sein können", erklärte Gerd Harthus, Vorsitzender der Kulturinitiative Jazz Folk und Klassik, der später durch die Präsentationen führte. Suse Laue, die Allgemeine Vertreterin von Sykes Bürgermeister Harald Behrens, wies in ihrer Begrüßung darauf hin, dass alle Künstler aus der Gegend Wabrzezno kämen - Sykes polnische Partnerstadt.
31.01.2012, 05:00
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Von Sascha Rühl

Syke. Künstlerisch und geschichtlich ging es am vergangenen Wochenende in den Räumen der Volkshochschule (VHS) in Syke und im benachbarten Café Alte Posthalterei zu. Die Werke dreier polnischer Künstler - Beata Ewa Bialicka, Zbigniew Smolinski und Pawel Wlodarski - standen zur Schau. "Intensive Begegnungen sind wichtige Bausteine für das Europa, auf das wir heute stolz sein können", erklärte Gerd Harthus, Vorsitzender der Kulturinitiative Jazz Folk und Klassik, der später durch die Präsentationen führte. Suse Laue, die Allgemeine Vertreterin von Sykes Bürgermeister Harald Behrens, wies in ihrer Begrüßung darauf hin, dass alle Künstler aus der Gegend Wabrzezno kämen - Sykes polnische Partnerstadt.

Als erstes wurde das Triptychon des Künstlers Zbigniew Smolinski in den Blick genommen. Das dreiteilige Gemälde beschreibt drei Phasen der für Polen so verhängnisvollen Geschichte. Das erste Bild "Vorspiel", wird von einer Raubkatze dominiert. Sie stelle den Aggressor dar, beschrieb Harthus. Außerdem sind Deutsche mit Pickelhauben abgebildet. "Die nach dem ersten Weltkrieg auferstandene polnische Nation hatte alle Hände voll zu tun, den eigenen Staat aufzubauen. Sie hatten berechtigte Vorbehalte gegenüber den Deutschen", erläuterte Gerd Harthus.

Das zweite Werk "Die Okkupation" beschreibe laut Harthus minimalistisch die Atmosphäre der dunklen Epoche während des Krieges. Es zeigt Soldaten, die scheinbar alle Hoffnung verloren haben, Blutspritzer sind zu sehen und der Reichsadler mit Hakenkreuz. Der dritte Teil des Triptychon - "Die Aussiedlung" - behandele die erste Phase der Nachkriegszeit, erläuterte Gerd Harthus. "In dieser Phase der Geschichte hat Smolinski gezeigt, dass für ihn das Leid der polnischen Menschenmassen, die an die Oder-Neiße Linie umgesiedelt wurden, im Vordergrund stand", bemerkte kulturelle Leiter. Die Werke Zbignew Smolinskis gehören der Stadt Syke. Es kostete Überredungskunst, den Künstler Zbignew Smolinski davon zu überzeugen, seine Kunst in deutsche Hände zu geben, er wolle nicht die Deutschen anklagen, sagte er damals. Doch dem entgegen, setzten die Syker den Kauf des Triptychons und damit die Anerkennung des Leides, das den Polen durch die Deutschen zugefügt wurde.

Die Kunstwerke der 1966 geborenen Ewa Bialekca stellen sich als weniger politisch dar. Norddeutsche Landschaften mit unendlichen Horizonten sind zu sehen, Spiele zwischen Wolken und Licht über weite Ebenen. Oft gingen den Ergebnissen Bleistiftskizzen voraus, beschrieb Harthus den Entstehungsprozess.

Im benachbarten Café Alte Posthalterei wurden die abstrakten Kunstwerke des jungen Künstlers Pawl Wlodarski präsentiert. Seine Botschaften sind nicht so schnell zu verstehen. Ein Werk zeigt in kräftigen Farben einen einäugigen Elch, auf zwei Beinen stehend. An einer Leine führt er einen Mann Gassi. "Mit dem dritten Künstler ist der Besucher in Europa angekommen. Für ihn stellt sich nicht mehr die Frage, wo er studieren kann sondern wo er studieren will", erklärte Suse Laue. Für den Künstler sei Europa eine Selbstverständlichkeit, die es für die anderen zwei nie gegeben hätte.

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