Projekt „Spenden statt entsorgen“ in Brinkum

Zweite Chance für bereits rund 100 Elektrogeräte

Pro Tag ein gespendetes Elektrogerät: Das entspricht ungefähr der bisherigen Beteiligung am Projekt von AWG und MGH Brinkum. Dankbare Abnehmer finden die aufbereiteten Geräte über das Flüchtlingsnetz Stuhr.
04.05.2021, 15:33
Lesedauer: 3 Min
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Zweite Chance für bereits rund 100 Elektrogeräte
Von Alexandra Penth
Zweite Chance für bereits rund 100 Elektrogeräte

Bernd Wolff (links, vorne) vom Reparatur-Team überreicht Malihe Rahimi eine Küchenmaschine aus dem Projekt "Spenden statt entsorgen". Mit dem bisherigen Verlauf sind auch Dominik Albrecht, Daniela Gräf und Andre Becker (v. l.) zufrieden.

Alexandra Penth

Stuhr-Brinkum. 100 Teile in 100 Tagen - so sieht die bisherige Bilanz des Projektes „Spenden statt entsorgen“ ungefähr aus. Nach etwas mehr als einem Vierteljahr ist die hohe Beteiligung an der Kooperation zwischen Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) Bassum und Mehr-Generationen-Haus (MGH) Brinkum nicht abgerissen. Ein Entsafter, DVD-Player, ein Dampfreiniger und eine Küchenmaschine sind nur einige der Geräte, die im Treffpunkt des Flüchtlingsnetzes Stuhr in Brinkum zur Mitnahme bereit liegen. Und das sind nur die jüngsten Spenden.

Einmal pro Woche fährt jemand vom ehrenamtlichen Reparatur-Team des MGH zum Wertstoffhof Stuhr/Weyhe in Melchiorshausen, um die gespendeten Elektro-Kleingeräte abzuholen. Wie berichtet, können leicht defekte oder intakte Geräte in die mit einem Hinweisschild versehene grüne Tonne auf dem Wertstoffhof gelegt werden.

„Wir sind vier Kollegen, die sich je zu zweit abwechseln bei der Abholung“, berichtet Bernd Wolff vom Reparatur-Café-Team des MGH an der Bremer Straße 9. Zunächst überprüfen sie die abgegebenen Geräte auf ihre Tauglichkeit, bevor sie zur Reparatur ansetzen. Wobei die Ehrenamtlichen in den meisten Fällen gar nicht erst tätig werden müssen. „Etwa 70 Prozent der Geräte sind noch funktionsfähig“, schätzt Wolff. Ein kleiner Teil sei sogar noch unbenutzt.

Oft seien es nur „Pfennigbeträge“, um zum Beispiel eine Kaffeemaschine, bei der die Temperaturregelung ausgefallen ist, wieder zum Laufen zu bringen. Ältere Geräte, sagt Wolff, lassen sich in der Regel besser reparieren als neuere. Letztere seien oft so konzipiert, dass die Tüftler schlecht an die entscheidenden Stellen herankommen. Nicht selten scheitere herkömmliches Werkzeug dort. „Mittlerweile haben sich einige von uns spezielle Schraubendreher-Sätze gekauft“, sagt Wolff. Die Reparateure kommen entweder beruflich aus dem Elektronik-Bereich oder sind versierte Hobby-Tüftler. Bernd Wolff selbst ist Diplomingenieur im Maschinenbau. Wird ein Elektrogerät bearbeitet, muss das unter Aufsicht einer Fachkraft geschehen, betont er.

Andre Becker und seine Mitstreiter drapieren die Geräte nach der Aufbereitung im Schaufenster des nahe dem MGH gelegenen Flüchtlingstreffs. „Wir haben Glück, dass das hier mal ein Geschäft war und große Fenster hat. Der Ort wird gerade durch den ZOB stark frequentiert“, weiß Becker, Koordinator des Flüchtlingsnetzes. Wer sich für etwas im Schaufenster interessiert, ruft ihn einfach unter der an der Scheibe angegebenen Nummer an, um einen Termin zur Ausgabe zu vereinbaren. Die Geräte können Bedürftige ohne Nachweis kostenlos mitnehmen. Bisher hat Becker alle Abnehmer auch persönlich durch sein Engagement gekannt. So auch Malihe Rahimi, die eine Küchenmaschine ins Auge gefasst hat. „Ich habe bereits Raclette-Grills für mich und eine Freundin mitgenommen“, sagt sie.

Für Bernd Wolff als Reparateur ist es eine Bestätigung seiner ehrenamtlichen Arbeit, Geräten noch eine zweite Chance zu geben. „Ich bin überrascht, wie vielfältig die Spenden sind. Wir verhindern gemeinsam so ein kleines Stück Müll. Kaufen, wegwerfen - einfach fürchterlich“, sagt er. Und solange das MGH aufgrund der Pandemie geschlossen ist und auch das Reparatur-Café nicht stattfinden kann, haben die Tüftler immer etwas zu tun.

MGH-Leiterin Daniela Gräf hatte seinerzeit vom Pilotprojekt von „Spenden statt entsorgen“ mit den Reparatur-Cafés Syke und Bassum gelesen und daraufhin an ihr eigenes Team gedacht. „Ich dachte ursprünglich, das Projekt braucht nach einer Weile neuen Schwung, aber dem ist nicht so“, freut sie sich. 2019 waren an allen Annahmestellen der AWG allein 876 Tonnen Elektroschrott abgegeben worden. Dass vieles noch zu retten gewesen wäre, zeigt das Projekt bereits jetzt, sagt AWG-Sprecher Dominik Albrecht, der betont: „Gerade der Elektrobereich ist wahnsinnig schnelllebig“.

Viele Kaffeemaschinen, Bohrmaschinen, Toaster, Schwingschleifer und sogar eine Mikrowelle haben durch das Projekt bereits neue Besitzer gefunden. Einen echten Ladenhüter kann Andre Becker aus dem Stegreif aber auch nennen: einen Tier-Langhaarschneider. Mehrfach war bei Abnehmern festgestellt worden, dass sich dieser nicht wirklich für den menschlichen Schopf eignet. „Drei Mal ist er schon wieder zurückgekommen“, sagt Becker.

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