Beim Training der SG Achim/Baden nur unregelmäßiger Gast, soll der Oldie die wichtigen Spiele entscheiden Prehn der Primus inter Pares

Achim. Wenn Irek Faciejew auf seinen Torwart Ole Prehn angesprochen wird, dann preist er dessen Qualitäten wie ein mit der Zunge schnalzender Connaisseur an, der gerade einen guten Tropfen aus dem Weinregal geholt hat oder auf den Reifegrad einer besonders hochwertigen Käsespezialität verweist. 'Ole hat die Erfahrung, die ein Schlussmann einfach braucht, um richtig gut zu werden. Er hat ein perfektes Stellungsspiel, ist technisch gut ausgebildet und bringt prima Pässe nach vorne!'
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Von Michael Schön

Achim. Wenn Irek Faciejew auf seinen Torwart Ole Prehn angesprochen wird, dann preist er dessen Qualitäten wie ein mit der Zunge schnalzender Connaisseur an, der gerade einen guten Tropfen aus dem Weinregal geholt hat oder auf den Reifegrad einer besonders hochwertigen Käsespezialität verweist. 'Ole hat die Erfahrung, die ein Schlussmann einfach braucht, um richtig gut zu werden. Er hat ein perfektes Stellungsspiel, ist technisch gut ausgebildet und bringt prima Pässe nach vorne!'

Wenn der Trainer der SG Achim/Baden dann im gleichen Atemzug noch die Ansicht vertritt, dass ein guter Torwart im Kampf um die Meisterschaft 'mindestens die halbe Miete' ist, dann muss man sich um den Handball-Oberligisten keine Sorgen machen. Tatsächlich ist Faciejews Team nach vier Spielen das einzige, das noch ohne Punktverlust ist. Es steht an der Tabellenspitze.

Wenn man dazu in Betracht zieht, dass sich neben Prehn mit Bastian Bormann und Arne von Seelen zwei weitere gute Torleute im Aufgebot der SG Achim/Baden befinden, dann verspricht die Besetzung des nach Meinung des Trainers wichtigsten Postens im Team allenfalls Luxusprobleme aufzuwerfen. Doch eine ganz problemfreie Zone ist der Platz zwischen den Pfosten bei der SG Achim/Baden nun auch wieder nicht. Prehn,von Beruf Lehrer, inzwischen 33 Jahre alt und Familienvater, stand nach seinem Wechsel vom ATSV Habenhausen auf die nördliche Weserseite, nur ein Jahr lang als Fulltime-Torwart zur Verfügung. Im vergangenen Jahr assistierte er Tomasz Malmon als Torwarttrainer und sprang sporadisch als Schlussmann ein, wenn Not am Mann war und es seine Zeit erlaubte.

Jetzt lässt er nicht mehr trainieren und ist selbst nur noch unregelmäßiger Teilnehmer des Mannschaftstrainings. Trotzdem soll der auch schon in der Regionalliga bei mehreren Vereinen (ATSV Habenhausen, TSV Bremervörde) bewährte Routinier, so das vor Saisonbeginn getroffene Agreement mit Faciejew, in den 'besonders wichtigen Spielen' das Achimer Tor hüten. 'Jetzt war er in zwei von vier Spielen dabei, doch ich denke, dass wir zwei Drittel der Saison ohne ihn bestreiten müssen', verrät der polnische Trainer der SG Achim/Baden, dem die Konstellation mit Prehn als Primus inter Pares auch nicht so ganz geheuer ist. Denn normalerweise ist die kontinuierliche Teilnahme am Training die Voraussetzung für die Teilnahme am Spiel. Doch Faciejews siedelt die Vorteile der von ihm ersonnenen pragmatischen Lösung als so hoch an, dass er hier keinen Nährboden für Konflikte sieht. Das Leistungsprinzip sei nicht außer Kraft gesetzt, Bormann und von Seelen könnten den Seniorpartner überholen, 'wenn sie

genauso gut geworden sind'.

Doch den Vorsprung an Jahren, über den Prehn verfügt und dem Faciejew eine so große Bedeutung zumisst, können die beiden nicht aufholen. Bormann ist 26, von Seelen sogar erst 20. 'Das ist Basti und Arne gegenüber sicherlich nicht ganz gerecht und eine komische Situation, und mir wären drei gleichstarke Torleute auch lieber gewesen. Doch den Beteiligten wurden vor Saisonbeginn die Regeln erklärt, und sie haben es akzeptiert.' Seine Schützlinge würden auf jeden Fall so viele Spielanteile erhalten, dass 'sie von dieser Saison profitieren werden'.

Veto des Managements

Faciejew wollte eigentlich einen fertigen Fulltime-Torwart wie den Habenhausener Olaf Kümmel verpflichtet sehen, doch das Management den Etat nicht vergrößern, und so kamen sich der sehr erfolgsorientiert arbeitende und denkende Faciejew und der zwar am Leistungssport, nicht aber an einem hohen Zeitaufwand für den Handball interessierte Ole Prehn auf halbem Wege entgegen. Faciejew schätzt an dem 1,91 Meter großen Ex-Habenhausener vor allem, dass er keine Videoanalyse braucht. Die Wurfbilder der Neerstedter Protagonisten beim deutlichen Achimer Erfolg zum Saisonauftakt beispielsweise kannte Olde Prehn in- und auswendig. 'Von jedem dieser Spieler hat er über hundert Würfe bekommen. Das hat er alles abgespeichert.'

Über einen solchen Erfahrungsschatz verfügen Bormann und von Seelen sicher (noch) nicht. Doch zumindest der ältere der beiden Juniorpartner Prehns ist längst mehr als ein Talent. 'Basti ist im oberen Bereich sehr stark. Er spielt unorthodox, macht untypische Bewegungen, mit denen der Schütze nicht rechnet und durch die er ein Problem bekommt. Er kann noch besser werden, wenn er an sich arbeitet, doch er muss aufgrund seiner Verletzungsanfälligkeit dosiert trainieren.'

Arne von Seelen hat neben den 13 Jahren, die ihm gegenüber Prehn fehlen, noch ein weiteres Defizit: Er ist etwa zehn Zentimeter kleiner als die Kollegen. 'Ansonsten spielt er aber starke Pässe und ist sehr reaktionsschnell. Mit der Zeit wird er lernen, noch mehr zu analysieren, und dann wird er es sein, der mit dem Gegner Katz und Maus spielt.'

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