Energiesparen in denkmalgeschützten Häusern Preise für vier Vorzeige-Projekte

Verden. Energetische Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden in der Verdener Altstadt hieß ein Wettbewerb, bei dem Fördersummen im Gesamtwert von 85.000 Euro vergeben wurden. Das Haus mit dem Großen Stierkopf in der Fischerstraße erhiielt den Höchstpreis von 35.000 Euro.
01.03.2010, 17:32
Lesedauer: 3 Min
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Von Johannes Heeg

Verden. Das Haus mit dem Stierkopf in der Großen Fischerstraße ist, wie so viele andere denkmalgeschützte Gebäude in der Verdener Altstadt, eine einzige energetische Katastrophe. Was das 1816 errichtete Haus aber von vielen anderen Denkmälern unterscheidet: Es wird bald grundlegend saniert. Außerdem haben seine Eigentümer einen Preis gewonnen, der ihnen 35000 Euro einbringt.

Das Geld verdanken die Eigentümer dem von der Stadt Verden ausgelobten Wettbewerb 'Energetische Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden in der Verdener Altstadt'. Das Ziel umriss Bürgermeister Lutz Brockmann gestern bei der Bekanntgabe der Jury-Entscheidung so: 'Wir kommen beim Klimaschutz nur entscheidend voran, wenn wir den Energieverbrauch unserer Gebäude wesentlich senken. Da die denkmalverträgliche energetische Sanierung teurer ist als bei anderen Häusern, wollten wir mit dem Wettbewerb Eigentümer ermutigen, ihre wertvolle Bausubstanz auf einen zeitgemäßen Stand zu bringen.' Die Stadt hoffe, dass die mit insgesamt 85.000 Euro geförderten vier Objekte viele Nachahmer finden.

Die 35.000 Euro, die die Jury unter dem Vorsitz von Prof. Heinrich Wigger (FH Oldenburg) für die Maßnahme Große Fischerstraße 27 als ersten Preis zuerkannt hat, stehen Gesamtinvestitionen von 390.000 Euro gegenüber. Allein für die Energieeinsparung müssen 206000 Euro aufgewendet werden, wovon wiederum 94000 Euro dem Denkmalschutz geschuldet sind. Durch Dachdämmung, Innendämmung der Fassade, neue Fenster, neue Heizung und Solaranlage soll der Energieverbrauch der drei Wohnungen auf nahezu ein Drittel sinken. Die Planer rechnen mit einer Energieeinsparung von 56000 Kilowattstunden im Jahr. Die Kosten sollen sich um 3400 Euro verringern, der CO2-Ausstoß um 18,7 Tonnen im Jahr.

Wie Jurymitglied Thomas Isselhard erläuterte, sei das Projekt auch wegen seiner großen Außenwirkung zum Sieger erklärt worden. Das Haus stehe mitten in einem wichtigen Wohnquartier und weise einen 'riesigen Sanierungsrückstand' auf. Die Jury hoffe, dass 'mit der Sanierung ein wichtiger Impuls gesetzt wird'.

Stadt hofft auf Nachahmer

Den mit 30.000 Euro dotierten zweiten Preis vergab die Jury an das Objekt Anita-Augspurg-Platz 13. 'Der Abstand zum ersten Preis war ganz eng', so Isselhard. Überzeugt habe die Jury die Hanf-Innendämmung, die aus ökologischer Sicht vorbildlich sei, und die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung im Obergeschoss. 100.000 Euro sollen investiert werden, dafür soll der Energieverbrauch um 75.000 Kilowattstunden im Jahr auf ein Drittel reduziert werden. Die Energiekosten sollen um 4500 Euro zurückgehen, der CO2-Ausstoß um 20 Tonnen.

Der dritte Preis, verbunden mit 15.000 Euro Förderung, geht ans Café Erasmie (Große Straße 102). Die zur Fußgängerzone geplanten neuen Fenster sollen dank anderer Sprosseneinteilung besser zu dem um 1900 errichteten Gebäude passen. Insgesamt sollen in den nächsten zwei bis vier Jahren rund 100.000 Euro investiert werden, wobei rund 11000 Euro als zusätzliche Kosten für den Denkmalschutz entfallen. Die errechnete Energieeinsparung beträgt 59000 Kilowattstunden im Jahr, was die Kosten um 3600 Euro und den CO2-Ausstoß um 19 Tonnen verringern soll.

Den vierten Preis und 5000 Euro sprach die Jury schließlich dem Haus Stienchenstraße 10 zu, dem 1820 errichteten einstigen Hirtenhaus der Norderstadt. Für 65.000 Euro wird das Häuschen rundherum zeitgemäß gedämmt, wodurch der Energieverbrauch um zwei Drittel reduziert wird. Dadurch werden 12.500 kwh Energie gespart, was 828 Euro an Kosten und 3,6 Tonnen CO2 entspricht.

Da die Preisgelder aus dem Konjunkturprogramm stammen, müssen sämtliche Baumaßnahmen in diesem Jahr abgeschlossen werden, betonte Bürgermeister Brockmann. Fachbereichsleiterin Ulrike Zeidler betonte, dass allein durch diesen Wettbewerb der Stadt Investitionen von insgesamt 660.000 Euro angeschoben werden. 'Das ist genau im Sinne des Gesetzgebers. Wir stoßen Baumaßmaßnahmen an, sichern Arbeitsplätze und tun etwas für den Klimaschutz.' Jeder Euro aus dem Preisgeld löse sieben Euro Investitionen aus. 'Das wird eine tolle Wirkung auf das Stadtbild haben', meinte sie.

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