Umfrage zur 26. Auflage des Duden mit Neuzugängen wie „Shitstorm“ und „Vollpfosten“ Rechtschreibregeln lieber aus dem Internet

Er ist soeben in der 26. Auflage erschienen: der Duden. Unter den rund 140000 Einträgen sind auch Neuzugänge wie "Vollpfosten" und "Shitstorm". Die Sprache wandelt sich – die Einstellung der Deutschen zur Institution "Duden" auch?
11.07.2013, 05:00
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Rechtschreibregeln lieber aus dem Internet
Von Undine Zeidler

Er ist soeben in der 26. Auflage erschienen: der Duden. Unter den rund 140000 Einträgen sind auch Neuzugänge wie "Vollpfosten" und "Shitstorm". Die Sprache wandelt sich – die Einstellung der Deutschen zur Institution "Duden" auch?

Lilienthal. Zwischen zwei gelben Pappdeckeln steckt unsere Sprache. Zumindest war das bisher so. Wer nicht weiter wusste und Fragen zur deutschen Rechtschreibung hatte, blätterte im Duden. Was aber macht das Internetzeitalter mit dem Gralshüter aller Wörter? Blättern Sie noch in jenem von Konrad Duden im Jahr 1880 erstmals herausgebrachten Wörterbuch, fragten wir Passanten.

Damit er mit seinen 42 Jahren der Teenager-Unterhaltung am Frühstückstisch besser folgen kann, hat sich der Lilienthaler Stefan Preuß gerade ein gesondertes Buch angeschafft. Aus einem anderen Verlag. Da stehe "so richtig Jugendsprache" drin, sagt Preuß. Einen Duden habe er auch noch zu Hause, aber den nutze er eher unregelmäßig. Sucht Stefan Preuß ein Wort, schaut er lieber ins Internet. "Da geht es am fixesten." Trotzdem hat für ihn der Duden nicht ausgedient. Denn egal, ob Jugendsprache oder Rechtschreibung: "Was zum Nachschlagen macht Sinn."

"Einfach schneller"

Lukas Holst hält vom Nachschlagen eher wenig. "Wir haben einen Duden zu Hause, aber ich guck da nicht rein", bekennt der 14-jährige Schüler freimütig. Und: Deutsch sei nicht sein Lieblingsfach. Wenn er dann wissen will, wie ein Wort richtig geschrieben wird, sucht er es im Internet. Den Duden brauche er da nicht mehr, ist Holst sicher.

Der 49-jährige Thomas Bartsch aus Hildesheim sieht es anders. "Der Duden hat ganz bestimmt eine Bedeutung", sagt er. Wörter, die neu in eine Sprache kommen, müssten schließlich irgendwo niedergeschrieben sein. Zur eigenen Schulzeit habe er einen Duden gehabt, und neulich habe er sogar darüber nachgedacht, sich ein neues Exemplar zu kaufen. Obwohl auch er lieber im Internet nachschaut, wenn es um die Rechtschreibung geht. "Das geht viel schneller." Da brauche es das gedruckte Buch eigentlich gar nicht mehr, sinniert Bartsch weiter und meint dann lächelnd: "Aber ich habe lieber Papier in der Hand."

"Wir mussten den damals für die Grundschule für unsere Kinder kaufen", erinnert Martina Klinckradt-Gerth aus Lilienthal. Damals, vor zehn Jahren, arbeiteten sie viel damit. Heute steht das Buch noch im Bücherregal. Aber wer in der Familie nach einem Wort suche, schaue ins Internet, da stehe ja alles. Und dafür braucht Martina Klinckradt-Gerth nicht einmal den Computer. Sie nutzt das Smartphone der Tochter. Und im Zweifel frage sie halt ihre Kinder nach der richtigen Schreibweise eines Wortes.

Die Lilienthalerin Petra Luck erzählt: "Wir haben noch eine ältere Auflage." Genutzt werde diese in der Familie allerdings nicht mehr, erst recht nicht vom 18-jährigen Sohn. "Der guckt immer im Internet", sagt sie und meint, das sei schließlich heutzutage ein bisschen einfacher. Dass der Duden damit endgültig ausgedient hat, glaubt Petra Luck trotzdem nicht. Nicht jeder habe einen Internetzugang, besonders nicht die Älteren. Sie betont darum: "Der Duden muss erhalten bleiben."

Kathrin Baranns Duden ist ebenfalls "schon älter" und bleibt eher unberührt. "Wenn ich was wissen will, finde ich das im Netz auf duden.de oder so", ist die Lilienthalerin sicher. "Weil es einfach schneller geht." Dass die Duden-Sprachhüter gerade Umgangssprachliches wie den "Vollpfosten" aufgenommen haben, findet Barann nicht so gut. "Das hat da nichts zu suchen." Überhaupt hält die 28-Jährige wenig von "verbogenen" Wörtern und zitiert einen Werbespruch vom Bus, auf dem es heiße: "Bitte nach 20 Ühr zur Fahrertür." Sie schüttelt den Kopf: "Das finde ich ganz schrecklich." Es gebe so viele Wörter, die die Kinder nicht schlauer machten.

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