Niedersachsen Rechtsextreme nutzen ländliche Gebiete als Rückzugsort

Das Leben auf dem Land ist für viele reizvoll. Darunter ist auch eine Minderheit, die völkische und rassistische Ideologien ausleben und weitergeben möchte. Beobachter der rechtsextremen Szene sehen in ihnen eine Gefahr.
18.05.2020, 08:51
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Menschen mit rechtsextremen Einstellungen nutzen ländliche Regionen in Niedersachsen nach Einschätzung von Beobachtern der Szene zunehmend als Rückzugsort. Nach Angaben des Projektleiters der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus für Demokratie, Ruben Obenhaus, spielen die Höfe von völkischen Siedlern im Nordosten des Bundeslandes dabei eine große Rolle. „Sie vernetzen sich dort, laden Rechtsextreme ein und Kinder aus rechtsextremen Familien“, sagte Obenhaus. Ihm zufolge werden dort etwa Camps für Jugendliche organisiert. Völkische Siedlungen gibt es demnach in den Landkreisen Lüchow-Dannenberg, Uelzen, Lüneburg und Heidekreis. Seit dem Start des Projekts vor drei Jahren sei eine Entwicklung zu beobachten.

Bis zu 80 rechtsextreme Familien

Demnach nutzen rechtsextreme Familien aus dem gesamten Bundesgebiet die völkischen Siedlungen zum Netzwerken. „Das ist eine explosive Mischung“, sagte der Politikwissenschaftler. In den Familien wachse eine neue Generation an Rechtsextremen heran. „Das Problem hat sich verschärft.“ Bereits 2017 schrieb die Amadeu Antonio Stiftung in einer Broschüre, der Nordosten Niedersachsens sei ein Sammelbecken der rechten Szene. „Die völkische Szene in Niedersachsen ist die größte im westdeutschen Bundesgebiet.“

Nach Einschätzung der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus für Demokratie sind unter den völkischen Siedlern Menschen mit hohen Bildungsabschlüssen, die strategisch vorgehen und Kontakte etwa zu Mitgliedern der rechtsextremistischen NPD pflegen. Schätzungen zufolge gebe es in Niedersachsen zwischen 60 und 80 rechtsextreme Familien auf dem Land. „Es ist natürlich eine Minderheit“, so Obenhaus. Die Gefahr dürfe aber nicht unterschätzt werden.

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„Rechtsextreme haben sich in den vergangenen Jahren in Niedersachsen zunehmend besser vernetzt“, sagte Obenhaus. Während diese auf dem Land meist nicht öffentlich auftreten, gebe es etwa in Braunschweig eine Szene, die sich in der Stadt sicher fühle. „Wir sehen, dass wir eine höchst aktive rechtsextreme Szene haben, die sich immer wieder ein neues Gewand gibt.“ Die Gruppe sei sehr heterogen. Darauf hat Ende März auch der Präsident des niedersächsischen Verfassungsschutzes, Bernhard Witthaut, hingewiesen. „Der Rechtsextremismus ist heterogener und damit unberechenbarer geworden“, sagte er und warnte vor der Gewaltbereitschaft von Rechtsextremen.

Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus soll das demokratische Zusammenleben fördern. Das Team aus insgesamt sechs Beraterinnen und Beratern unterstützt kostenlos unter anderem Vereine und Verbände, pädagogische Einrichtungen oder auch Einzelpersonen und Verwaltungen. Sie beraten bei Fragen und Problemen und versuchen im gemeinsamen Austausch Konzepte zu entwickeln. „Wir waren in den vergangenen Jahren in sämtlichen Landkreisen in ganz Niedersachsen aktiv“, sagte Projektleiter Obenhaus. Als Erfolg sieht er etwa, dass mehr Schulen einen aktiven Umgang mit rechtsextremen Äußerungen und Taten gefunden hätten.

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Die Beraterinnen und Berater, die sich etwa drei volle Stellen teilen, sind auf drei Regionalbüros in Oldenburg, Verden und Hildesheim verteilt. Von dort fahren sie zu ihren Arbeitseinsätzen. Unterstützt werden sie von Honorarkräften. Finanziert wird das Projekt über das Bundesprogramm „Demokratie leben!“. Die Bundesmittel fließen zum Landes-Demokratiezentrum Niedersachsen, das die Beratung als einen Schwerpunkt hat. Trägerverein des mobilen Beratungsangebots ist WABE - ein Förderverein zur Stärkung demokratischer Netzwerke gegen Rechtsextremismus. (dpa)

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