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Die Bassumerin Kerstin Kruse bietet mit ihren Mustangs ein Coaching der besonderen Art an
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Pferde als Lehrer

Ina Friebel 12.12.2016 0 Kommentare

Horsecoaching , Kerstin Kruse
Macht sich die Feinfühligkeit ihrer Mustangs zunutze: Kerstin Kruse. (UDO MEISSNER)

„Sie sollen den Platz der grauen Stute einnehmen“, ruft Kerstin Kruse von der anderen Seite des Zauns. Sie ist pferdegestützter Coach und arbeitet mit Menschen, die ihr Berufsumfeld – etwa Führungsebene, Teamzusammenhalt oder Arbeitsweise – verändern möchten. Der Teilnehmer auf der Koppel möchte sich mehr Gehör verschaffen. Deswegen hat sich Kruse die Aufgabe für ihn ausgedacht. Ruckzuck ist die Stute vertrieben. Ein wenig zu schnell, wenn es nach Kerstin Kruse geht. „Sie haben keine klaren Anweisungen gegeben“, resümiert sie. Anschließend wird gemeinsam das Verhalten reflektiert, wie man es verändern und es auf den Berufsalltag übertragen könnte.

Kerstin Kruse setzt für ihre Arbeit ihre drei Kiger-Mustangstuten Chicki, Bella und Tempest ein, die sie eigens im Jahr 2010 aus den Vereinigten Staaten hat einfliegen lassen. „Diese Tiere sind sehr feinfühlig“, sagt die 50-Jährige. „Man hat sie erst in den 1970er-Jahren in Oregon auf dem Kiger-Plateau entdeckt.“ Das Besondere: Die Mustangs haben rein spanische Gene, sind also mit den spanischen Einwanderern ins Land gekommen und haben sich dort wieder ausgewildert.

Was die Rasse noch auszeichnet: „Sie sind super ausdauernd, sie wollen arbeiten, sind kooperativ, intelligent, robust, willig, alles richtig zu machen und kommunizieren sehr feinsinnig“, zählt Kruse auf, die ihre Pferde nur mit Körpersprache lenken kann. „Sie bieten uns die Chance, wieder mehr wahrzunehmen“, sagt sie. Außerdem seien die Mustangs trotz ihrer Herkunft sehr menschenbezogen. Allerdings beschränke sich dies auf „ihren“ Menschen, so Kruse. „Das ist nicht übertragbar.“

Kerstin Kruse reitet seit ihrer Kindheit. „Vor etwa 16 Jahren bin ich schwer gestürzt“ erzählt sie. Danach habe sie aufgehört – auch ihren beiden Kindern zuliebe. Mit denen war sie einige Jahre nach dem Unfall im Zirkus und entdeckte dort ihre Leidenschaft für Pferde wieder. „Also habe ich mit Westernreiten und natural Horsemanship angefangen“, sagt Kruse. „Das läuft viel über Beziehung und Körpersprache.“ 

Auf die Idee, sich mit dem Wesen der Pferde auseinanderzusetzen kam sie durch ihr eigenes Pferd. „Ich war vorher in der Pressearbeit tätig“, erzählt Kruse. „Wenn ich abends gestresst in den Stall kam, hat mir mein Pferd die Zusammenarbeit verweigert.“ Also habe sie recherchiert und überlegt, wie diese Tiere ticken. „Wie habe ich mich verhalten? Was löse ich damit aus?“, fasst Kerstin Kruse zusammen. „Das Tier spiegelt mich.“ Also habe sie überlegt, was sie verändern könnte. „Was ich dabei gelernt habe, fand ich so spannend“, sagt sie. „Es geht um Kommunikation, Respekt, Hinhören, Wahrnehmen und Achtsamkeit.“ Also habe sie sich überlegt, aus diesem Ansatz ein Coaching zu entwickeln. Das war im Jahr 2004. Gemeinsam mit ihrer Mitstreiterin Anabel Schröder setzte sie diese Idee zunächst in Schleswig-Holstein um. Auch ein Buch haben die beiden Frauen bereits geschrieben. „Wir übertragen das Pferdeleben auf menschliche Systeme“, erläutert Kruse, die mit ihren Pferden seit einem halben Jahr in Bassum lebt.

„Nehmen wir das Beispiel Herde“, so die 50-Jährige weiter. „Es gibt die Leitstute, die voranläuft, die Herde folgt. Hinten läuft der Leithengst, der die Herde antreibt.“ So könne man die Leitstute oder den Leithengst mit dem Chef gleichsetzen, die Herde ist das Team. „Manche Führungskräfte agieren aus der Position der Herde heraus“, erklärt Kruse. „Aber dazu gehören sie nicht“, betont sie. Die Position „neben dem Pferd“ sei die schwächste. „Die Führung braucht Wissen über die Mitarbeiter – wie wollen sie geführt werden?“, so Kruse. Während die Leitstute führe und vorgebe, verständige man sich in der Position des Leithengstes über die Ziele, die die Mitarbeiter selbstständig erreichen sollen. 

„Bei der entsprechenden Arbeit mit den Pferden, sage ich den Leuten, sie sollen das Tier von A nach B führen“, erläutert der Coach. „Viele locken, einige bauen erst eine Bindung auf, andere scheuchen.“ Dabei gehe es nicht um richtig oder falsch, sondern um individuelle Denkmuster. Ziel sei es zu merken, wie man agiere. „Das neue Verhalten muss geübt werden, bis es Routine ist“, so Kruse. „Vorher kommt jedoch die Erkenntnis, was man verändern will oder muss.“ 

Bei der Arbeit im Team könnte eine Aufgabe sein, dass alle Beteiligten an einem Seil festhalten und gleichzeitig einen Parcours für die Pferde aufbauen. „Das trägt zur Teambildung bei“, sagt Kruse. „Keiner kann Alleingänge machen.“ Dabei schaue sie, welche Materialien verwendet werden, wie die Kommunikation stattfindet und ob es einen Plan gibt. Auch die Teamprozesse oder inoffizielle Machtstrukturen lassen sich dabei beobachten. Kerstin Kruse begleitet solche Prozesse mit der Kamera, sodass das Verhalten der Teilnehmer im Nachhinein analysiert und reflektiert werden kann. Danach wird gemeinsam ein Plan für das weitere Vorgehen entwickelt.

„Diese Art von Lernen hat mit Bauchgefühl und Emotionen zu tun“, erklärt Kruse. „Und das ist nachhaltig.“ Auch nach einem Coaching halte sie Kontakt zu den Teilnehmern. „So kann man die Veränderung beobachten.“ Kerstin Kruse arbeitet nicht nur in Bassum, sondern reist durch ganz Deutschland, nach Österreich und in die Schweiz. „Dort verwende ich dann Pferde vor Ort“, sagt sie. Denn gleichzeitig bilde sie auch neue Coaches aus und baue sich ein Trainernetzwerk auf, um überall tätig sein zu können. Dabei hält sie sich stets an ihr Motto „,Horsesense‘, denn das bedeutet ,gesunder Menschenverstand‘.“ 

Weitere Infos zum pferdegestützten Coaching gibt es im Internet unter www.horsesense-training.de oder per E-Mail an info@horsesense-training.de.

„Sie bieten uns die Chance, wieder mehr wahrzunehmen.“ Kerstin Kruse

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