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Weyher Bürgermeister räumt Schreibtisch
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Bovenschulte: „Zwölf richtig gute Jahre“

Alexandra Penth 21.06.2019 3 Kommentare

Andreas Bovenschulte hatte am Freitag seinen letzten Arbeitstag im Weyher Rathaus. Nach zwölf Jahren Tätigkeit in der Verwaltung geht er zurück nach Bremen.
Andreas Bovenschulte hatte am Freitag seinen letzten Arbeitstag im Weyher Rathaus. Nach zwölf Jahren Tätigkeit in der Verwaltung geht er zurück nach Bremen. (Janina Rahn)

Dass ihm die Wesergemeinde einmal so ans Herz wachsen, er sich ihr die bislang längste Zeit seines Berufslebens widmen würde, hätte Andreas Bovenschulte wohl nicht für möglich gehalten. Jedenfalls nicht vor zwölf Jahren, als er sich im Weyher Rathaus bewarb. Sicher, die Ortsteile waren dem Bremer nicht fremd. „Sie waren mir eher ein Begriff als Weyhe als Gemeinde“, gibt Bovenschulte zu. Heute muss er darüber den Kopf schütteln, zu gut hat er Weyhe in der Zeit kennengelernt. Und dennoch hieß es für den 53-Jährigen nun Abschied nehmen. Am Freitag räumte Bovenschulte seinen Schreibtisch im Rathaus. Er nimmt sein Bürgerschaftsmandat in Bremen an, damit ist er auch von seinem Posten als Weyher Bürgermeister beurlaubt. Sein Fazit: „Für mich waren es zwölf richtig gute Jahre.“

Gelassen wirkt der scheidende Rathauschef in seiner letzten Woche. Die Ärmel des weißen Hemdes sind ein gutes Stück hochgekrempelt. Das Jackett ruht über der Stuhllehne, der Stift auf dem Papier. Nicht gerade, wie man Bovenschulte sonst erlebt. Sein Weg nach Weyhe war einem Zufall geschuldet. Seine Ehefrau legte ihm eine Stellenanzeige vor, Weyhe suchte einen Ersten Gemeinderat. Bovenschulte war zu dem Zeitpunkt beim Bremer Justizsenator beschäftigt und prüfte Gesetze auf ihre Verfassungsmäßigkeit. Eigentlich hat er das gern gemacht, doch vermisste er den Bezug zu Menschen. Weyhe in seiner Größe biete da viel Gestaltungsspielraum, dachte sich der in der Stadt Elze im Landkreis Hildesheim aufgewachsene Jurist damals.

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Zunächst war er der zweite Mann hinter Frank Lemmermann, eine Zusammenarbeit „auf Augenhöhe“, wie Bovenschulte betont. 2014 übernahm er dann selbst den Chefposten. Der promovierte Jurist ist auf viele Projekte seiner Weyher Zeit stolz. Etwa die Fertigstellung der Südumgehung in Dreye, noch unter Lemmermann. In Bremen um Unterstützung zur Begradigung des Dreyer Knies zu werben, sei „ein richtiger Kraftakt“ gewesen. Auch auf die Sanierung des Kirchweyher Bahnhofs blickt Bovenschulte, damals ebenfalls noch Erster Gemeinderat, zufrieden zurück. Für seine Amtszeit als Rathauschef nennt er allem voran die Weiterführung der Leester Ortskernentwicklung, den geplanten Bau des Kultur- und Bildungszentrums mit mehreren Millionen Euro Fördergeldern, die Sanierung der KGS Leeste und die generelle Aufwertung des Marktplatzes. Immer wieder betont Bovenschulte eines: „Das sind Erfolge von Verwaltung und Politik.“

Aber da sind auch weniger gute Erinnerungen, die der scheidende Bürgermeister mit Weyhe verbindet. Der Tod von Daniel S. ist die schlimmste. „Dass es so ein Verbrechen gab, hat mich wütend und traurig gemacht", sagt er. Der Fall war vom rechten Spektrum für eigene Zwecke instrumentalisiert worden, Hetzbriefe- und -mails waren im Rathaus eingegangen. Bovenschulte erklärt dazu: „Wir zeigten Trauer, ließen aber eine Spaltung der Gemeinde nicht zu, und verfolgten erfolgreich ein Dutzend strafbare Äußerungen.“ Wer mit Bovenschulte zu tun hatte, der merkte, dass er mit den Projekten Weyhes bis auf Detailebene vertraut war. Er ließ sich auf den meisten Veranstaltungen sehen, pflegte im Rathaus einen klaren Führungsstil. Die Weyher durften auf Festen und Feiern in der Gemeinde eine ganz andere Seite ihres Bürgermeisters erleben, wenn dieser zur Gitarre griff. Musik ist ohnehin eine große Leidenschaft Bovenschultes, der als Jugendlicher davon träumte, Rockstar zu werden. "Es hat für mich nicht mal ansatzweise gereicht für Musik", sagt er trocken und lacht. Als Jugendlicher verdiente er sich in Hildesheim mit Tanzmusik Geld dazu, das Repertoire reichte von "Dans op de Deel" bis "Skandal im Sperrbezirk", wie er sich erinnert. Musikalisch lebte sich Bovenschulte einst in Punk- und Ska-Combos aus. Die Gitarre war auch sein Medium, um als Jura-Student an der Universität Bremen "durch die Hörsäle zu ziehen" und mit umgedichteten Hits für politische Aktionen zu werben. Er war damals als AStA-Vorsitzender und im Sozialistischen Hochschulbund (SHB) engagiert.

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Bovenschulte, seit 1984 Mitglied in der SPD, nimmt viel Erfahrung aus Weyhe mit nach Bremen. „Ich habe gelernt, wie es ist, wenn man letztendlich die Verantwortung trägt“, beschreibt er. Von der Gemeinde könnte sich die Großstadtpolitik noch etwas abgucken, findet der Vater zweier Töchter. „Manchmal ist es besser, die Chance zur Profilierung nicht zu nutzen, sondern im Interesse des Gemeinwohls zu handeln.“ So werde der Name der Gemeinde sicher hin und wieder auch in Reden in der Bremischen Bürgerschaft fallen. Vermissen wird der Sozialdemokrat auch die Herzlichkeit der Weyher. Die hatten auf den Bremer zu Anfang teils skeptisch reagiert, doch das hat sich nach Bovenschultes Eindruck nach den Ortsgesprächen gewandelt. Am Mittwoch, 3. Juli, lädt Bovenschulte im Anschluss an die letzte Ratssitzung vor den Ferien zu einer „kleinen Feierstunde“ ein. In der Sitzung entscheidet der Rat auch über die Abwahl des Bürgermeisters, um den Weg für Neuwahlen freizumachen.

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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...