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Haus am Horst
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Der Zaubertisch

Eike Wienbarg 20.02.2018 0 Kommentare

Das Haus am Horst stellt ihren neu erworbenen Zaubertisch vor
Sind begeistert vom Zaubertisch: Doris Tochenhagen-Leue (stehend von links), Leiterin Haus am Horst, Annette Angrabeit, Firma Nodits, Renate Gärtner (sitzend von links) und Waltraut Volkmann. (Sebi Berens)

Stuhr-Fahrenhorst. Mariechen Klöker, Hannelore Peper, Waltraut Volkmann und Renate Gärtner sitzen gemeinsam um einen Tisch im Demenz-Pflegeheim „Haus am Horst“ in Fahrenhorst. Vor ihnen auf dem Tisch erscheinen wie durch Zauberhand Blumen. Die Seniorinnen wischen darüber und die Blumen werden immer größer und größer. Hören die Frauen auf zu wischen, ziehen sich die Blumen wieder zusammen. Das Gerät, das diese Spielerei möglich macht, nennt sich Tovertafel – niederländisch für Zaubertisch – und es soll den Demenzkranken den Alltag ein wenig versüßen und ihre Aktivität fördern.

Erfunden wurde die Tovertafel laut Annette Angrabeit, Geschäftsführerin der Firma Nodits, von der Diplom-Ingenieurin Hester La Riche von der Technischen Universität Delft und der Freien Universität Amsterdam in den Niederlanden. Dort seien bereits 1300 Einrichtungen und damit rund die Hälfte der infrage kommenden Institutionen mit einem solchen Gerät ausgestattet. Angrabeit und ihr Geschäftspartner Ferry Heitkönig wollen den Zaubertisch nun vermehrt nach Deutschland bringen. Zurzeit gebe es drei Einrichtungen in Norddeutschland und rund 20 Einrichtungen für Demenzkranke in Nordrhein-Westfalen, die auf die Tovertafel setzen, berichtet Heitkönig. Das Fahrenhorster Haus am Horst ist eine davon.

Dabei ist die Idee hinter dem Gerät ziemlich einfach. Ein Beamer wird unter der Decke aufgehangen, auf die Größe des sich darunter befindenden Tisches kalibriert und es kann losgehen. „Es funktioniert auf allen Tischen außer ganz weißen“, erklärt IT-Experte Heitkönig das System. Das Gerät erkennt die Bewegungen, die unten auf dem Tisch vorgenommen werden und lässt den normalen Tisch wie ein Touchscreen wirken. Durch einfaches Umhängen des Beamers kann die Spielfläche auf jeden beliebigen Tisch transportiert werden, sagt Heitkönig weiter. 

Standardmäßig sind auf dem Gerät acht Spiele programmiert, sechs weitere können dazu gekauft werden. Außerdem werden immer neue Spiele entwickelt, berichtet Annette Angrabeit. Sie alle seien für Menschen in der mittleren und späten Phase der Demenz geeignet. Dabei sollen die verbliebenen sogenannten Spielerfahrungen der Erkrankten trainiert werden. „Demenzpatienten haben noch drei Spielerfahrungen: Rückerinnerung, Entspannung und Empfinden“, sagt Angrabeit. Zum Vergleich: Gesunde Menschen verfügen ihren Angaben nach über insgesamt 22 Spielerfahrungen.

Die kleinen Spiele sollen die Betroffenen aber vor allem auch aus ihrer Apathie holen. So trainieren sie körperliche und geistige Funktionen zugleich. „Damit die Muskeln nicht steif und die Menschen nicht depressiv werden“, erklärt Annette Angrabeit. Über die Kommunikation am Tisch und die Bewegungen kommen die Mitspieler in Schwung. Einige Spiele sind genau so konzipiert, dass sie auf die Erfahrungen der Spieler zurückgreifen. So werden bei einem Spiel alte Sprichwörter wie „Den Nagel auf den Kopf treffen“ durch das Zerstechen von Luftblasen zusammengesetzt. Vieles laufe über die Biografie-Arbeit, erklärt Angrabeit. Und: Die Spiele sind nicht auf Wettbewerb ausgerichtet, keiner müsse Panik haben, betont sie.

Hinzu komme, dass der Tisch auch die Kommunikation zwischen den Bewohnern und ihren Enkeln erleichtern könne, berichtet Ferry Heitkönig. Oft könnten Kinder die Situation ihrer Großeltern nicht verstehen. Der Zaubertisch könne dann das Eis zwischen den Betroffenen brechen.

„Es ist für die Bewohner ganz toll“, berichtet Doris Tochenhagen-Leue, die mit ihren beiden Töchtern das Haus am Horst betreibt. Am Testtag, den die 18 Bewohner mit dem Zaubertisch absolvierten, beschäftigten sie sich rund eine Dreiviertelstunde mit dem Gerät. „Das habe ich noch nie erlebt“, erzählt Tochenhagen-Leue begeistert. 8000 Euro hat sich die Einrichtung den Zaubertisch kosten lassen.

Und den Bewohnen gefällt es offensichtlich: Die vier Damen sind gerade dabei, einen Ball, der auf dem Tisch zu laufen scheint, hin und herzurollen. Immer mit vollem Eifer und einem Lächeln auf den Lippen.


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Leserkommentare
suziwolf am 23.10.2019 17:47
Diese
,langsame und (auch) demonstrierende‘ Dame
war sich sicherlich darüber im Klaren,
dass 15km/h für einen 🚴🏿‍♀️ ganz schön ...
FloM am 23.10.2019 17:45
"Da sind wir wir letztlich recht nah beieinander"
Häufig ist das so, wenn man erst mal mehr als 140 Zeichen miteinander ausgetauscht hat ...