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„Die Schüler bekommen mehr hin als wir“

Gerald Weßel und Sebastian Kelm 20.09.2019 1 Kommentar

Rund 600 Menschen zählte die Polizei. Damit waren die Proteste in Weyhe die größten im Landkreis.
Rund 600 Menschen zählte die Polizei. Damit waren die Proteste in Weyhe die größten im Landkreis. (Fotos: Michael Braunschädel)

Landkreis Diepholz. Wenn Naturkatastrophen keine mehr sind, sondern nur als schlechtes Wetter gelten, wird es zu spät sein. Die Prognosen des Intergovernmental Panel On Climate Change (IPCC) lassen wenig Gutes erahnen. Und die Trägheit von Wirtschaft und Politik hilft auch nicht dabei, die düsteren Vorahnungen zu zerstreuen. Deshalb gehen seit Monaten weltweit Schüler freitags auf die Straße, um für eine Klimapolitik zu demonstrieren, die den Namen auch verdient.

Während in Berlin die Spitzen von Union und SPD noch stritten, brachen diesen Freitag am Weltklimatag von der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Kirchweyhe aus mehrere Hundert Schüler und auch viele Erwachsene auf. Die Route: einmal die Bahnhofstraße entlang, durch den Fußgängertunnel hindurch und zum Abschluss zur Kundgebung auf den Marktplatz.

Demonstrieren ohne Sanktionen

Zwischen all den Schülern, Senioren und Eltern stand Martin Asendorf. Er ist Lehrer an der KGS Kirchweyhe und begleitete eine Gruppe Fünftklässler auf der Demonstration und meinte: „Auch wenn sie die vollen Ausmaße noch nicht verstehen, sie müssen wissen, dass hier etwas Lebenswichtiges passiert.“ Die Kinder hielten Schilder hoch, lachten viel und genossen es sichtlich, ein Teil der großen Gruppe zu sein. Nebenbei berichtete Asendorf auch von der Haltung der Schulleitung. Diese stehe den Klimaprotesten wohlwollend gegenüber, habe aber nicht offiziell frei gegeben. Jeder Schüler müsse für die Fehlzeit eine Entschuldigung vorlegen. Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hatte zuletzt erklärt, die Schulen dürften die Klimaproblematik thematisieren, hierbei sei die Teilnahme an den Demonstrationen eine Möglichkeit.

Begleitet von Trommeln zog der Demonstrationszug friedlich durch Weyhe. Hin und wieder feuerten Siard Schulz und Sarah Weyd, zwei der Organisatoren, die inzwischen auf rund 600 Personen angewachsene Gruppe mit Sprechgesängen an, die wiederholt begeistert aufgenommen wurden. Mitten drin dabei auch Carsten Heilenkötter aus Weyhe, der seine Arbeitstermine so gelegt hatte, dass er teilnehmen konnte. „Die Schüler bekommen weit mehr hin als wir“, sagte er und verwies auf die enorme Wichtigkeit des Themas. „Es geht hier um Existenzielles, ich bin in 50 Jahren wohl tot, aber die hier nicht“, fuhr er fort und deutete um sich.

Doch obschon das Thema wichtig sei, wirklich viele Unternehmen hätten seiner Meinung nach wohl wenig Verständnis für streikende Mitarbeiter. Diese Einschätzung teilten alle gefragten Erwachsenen. Die allermeisten Älteren im Demonstrationszug waren Pensionäre und Rentner, nur wenige Erwachsene im mittleren Alter waren auf der Demo zu sehen.  

Kundgebung auf dem Marktplatz

Als die Gruppe am Marktplatz in Weyhe ankam, ergriff Siard Schulz das Wort: „Mit einem Wort: Krass. Einfach nur krass“, rief er begeistert ins Mikrofon. „Klimaschutz geht nur zusammen, jung und alt, das ist keine Gegnerschaft“, verwies er auf die Gruppe gemischten Alters vor sich. „Unsere Rolle ist nicht die der Weltretter, wir sind auch keine Gärtner und pflanzen tagein, tagaus Bäume“, reagierte Schulz auf Kritiker der Bewegung „Fridays For Future“. Das Engagement der Menschen in Weyhe und das aller Aktivisten sei ein Lichtblick in düsteren Zeiten, mit denen man ein staatliches Handeln für mehr Klimaschutz erzwingen wolle. „Guter Wille alleine reicht nicht“, so Siard Schulz.

Dies galt auch für das angedachte Luftbild, als krönenden Abschluss der Kundgebung. Die Ortsfeuerwehr Leeste war extra mit einem Kranwagen angerückt, um die luftige Perspektive zu ermöglichen. Doch bis alle Demonstranten richtig standen, vergingen fast 20 Minuten.

Am Rande der darauf folgenden Abbauarbeiten fanden auch Sarah Weyd, wohnhaft in Bremen, die aber früher in Brinkum zur Schule gegangen ist, und der Weyher SPD-Nachwuchspolitiker Siard Schulz Gelegenheit für ein Resümee. „Super gelaufen, klasse Zusammenarbeit mit der Polizei, allen Beteiligten, super Unterstützung von der Gemeinde“, zählte Weyd auf, ehe Schulz stolz hinzufügte: „Wir sind Teil einer globalen Bewegung, 525 Städte in Deutschland, 4600 weltweit.“ Sie hätten das erste Mal eine solche Demonstration in Weyhe organisiert und auch er sei sehr glücklich damit, wie es gelaufen ist. Auch Thomas Gissing, Pressesprecher der Polizei im Landkreis Diepholz, zeigte sich sehr zufrieden: „Alles gut gelaufen, keine Probleme.“ Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf etwa 600 Personen.

Die Welt als Spielball

Deutlich weniger los war beim Umwelttag an der KGS Brinkum. An dieser hatten die Kinder und Jugendlichen die sechste Stunde frei bekommen – und nutzten dieses Angebot gern. Wohl auch, um sich noch der Demonstration in Weyhe anzuschließen. Vorher aber sollten sie mit 30 aufgeblasenen, den Schülern in die Hand gegebenen Globen, die die Erde als sprichwörtlichen Spielball symbolisierten, zum Nachdenken vor dem Wochenende angeregt werden.

Vor dem Schulgebäude präsentierte die neu gegründete Umwelt-AG den Interessierten, die tatsächlich geblieben waren und sich an den Ständen und Tafeln informierten, was sie in den ersten zwei Wochen ihres Bestehens alles erarbeitet hat. „Wir wollten hier zumindest eine kleine Aktion machen“, sagte Lehrerin und AG-Leiterin Kathi Kowalzik. Und sie hatte die Hoffnung, Ideen für die weitere Arbeit sammeln zu können.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...