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Landratswahl 2019
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Drei Parteien stehen hinter Bockhop

Niklas Golitschek, Stephen Kraut und Claudia Ihmels 23.07.2018 0 Kommentare

Seit November 2011 ist Cord Bockhop Diepholzer Landrat. Einer seiner Arbeitsplätze ist seitdem das Syker Kreishaus.
Seit November 2011 ist Cord Bockhop Diepholzer Landrat. Einer seiner Arbeitsplätze ist seitdem das Syker Kreishaus. (Udo Meissner)

Landkreis Diepholz. Cord Bockhop will es ein zweites Mal wissen. 2019 kandidiert der Landrat für eine weitere Amtszeit. Und seine Chancen auf eine Wiederwahl stehen gut: Denn die SPD und die CDU haben ihm ihre Unterstützung bereits zugesagt, auch für die Freien Wähler ist der Landrat der ideale Kandidat. Konkurrenz dürfte es für den Christdemokraten Bockhop dennoch geben, denn die AfD kündigt auf Nachfrage des WESER-KURIER an, einen eigenen Kandidaten aufstellen zu wollen. Bei den anderen Parteien läuft hingegen noch die Entscheidungsfindung.

Voraussichtlich im Mai 2019 stehen die Landratswahlen an. Wie schon bei der Wahl 2011 preschte die SPD vor und sicherte Bockhop ihre Unterstützung für eine Wiederwahl zu. Ingo Estermann, Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Diepholz, sieht darin eine logische Konsequenz. Für den Posten des Landrats "braucht es Führungsverantwortung und Erfahrung. In der Verwaltung arbeiten mehr als 1000 Mitarbeiter", sagt er. Auf kommunaler Ebene sehe die Bevölkerung die parteiliche Trennung auch nicht so strikt wie auf Landes- oder Bundesebene. Im Kreistag sei eine gute Verwaltung wichtiger, die klare Vorstellungen habe und ihre Ziele umsetze. So stelle auch die SPD in mehreren Gemeinden mit Unterstützung anderer Parteien den Bürgermeister. "Die SPD ist da immer pragmatisch. Je nach persönlicher Konstellation ist es mal so, mal so", sagt Estermann. Wer Ambitionen habe, würde angesichts der "konstruktiven Zusammenarbeit" und der schlechteren Chancen auf den Posten wohl eher andere Wege einschlagen. Von der Kandidatur von Nordine Harimech-Babic auf dem Unterbezirksparteitag hätte er deswegen auch gerne früher erfahren. So habe er jedoch "klar gestellt, dass die vorherige Unterstützung für mich Priorität hatte". Dass die SPD wegen der Unterstützung für Bockhop an Profil verliere, glaubt Estermann derweil nicht: "Es ist unsere Aufgabe, uns zu positionieren und darüber zu informieren." Die Rekommunalisierung oder das Programm für bezahlbaren Wohnraum seien im Grunde auch SPD-Politik. Und beim Inklusionsantrag im Juni habe sich Bockhop sogar mit den Sozialdemokraten gegen seine eigene Partei gestellt.

Auch seine eigene Partei sicherte Bockhop Mitte Juni auf ihrem Kreisparteitag Unterstützung zu – mit 98,9 Prozent der Stimmen. Dazu bekundete Bockhop selbst, dass er als Landrat weitermachen möchte. 

Bei der FDP fühlt man sich angesichts des Schritts der SPD überrumpelt. "Wir haben zwar auch angefangen, uns Gedanken zu machen, aber waren überrascht, dass sich die SPD so schnell entschieden hat", sagt Vorsitzender Marco Genthe. Und fügt hinzu: "Es ist bedauerlich, denn das macht es uns sehr schwer, einen geeigneten Kandidaten zu finden." Sein Anspruch sei es, einen professionellen Kandidaten aufzustellen, "aber die Leute überlegen sich jetzt natürlich auch, wo sie die nötige Unterstützung finden", erklärt er. Dann wird er deutlich: "Ich bin verärgert." Er betont zwar, dass Bockhop "sicherlich geeignet" ist, aber aus seiner Sicht werde so die Wahl "zur Farce". "Diskussionen gehören dazu, das wäre auch für Herrn Bockhop wichtig, um sich positionieren zu können", glaubt Genthe. Diese Entwicklung sei mit Blick auf undemokratische Strömungen in der Gesellschaft "Wasser auf die Mühlen von Menschen, die ich nicht unterstützen möchte", ergänzt er.

Bockhops Abstimmungsverhalten beim Inklusionsantrag ist unterdessen der Alternative für Deutschland (AfD) sauer aufgestoßen. Als "Ränkespielchen" bezeichnete der Kreisvorsitzende Andreas Iloff dieses Vorgehen. "So ein Fall lässt tief in die Programmatik blicken", findet er. Der Landrat hatte sich wegen der Aussagen des stellvertretenden AfD-Fraktionsvorsitzenden Gerd Breternitz gegen den Antrag seiner eigenen Partei gestellt, die Förderschule Lernen im Zuge der Inklusion abzuschaffen. Auch wenn Iloff Bockhop als "sehr kompetent und sympathisch" beschreibt und dieser Vorfall nicht der Hauptgrund sei, habe sich die AfD dazu entschlossen, einen eigenen Kandidaten zu bestimmen. Dafür soll zu einem außergewöhnlichen Parteitag eingeladen werden. "Wir sind eine eigenständige Partei und wollen eine alternative Politik", stellt Iloff klar. Eine interne Diskussion zu einem möglichen Kandidaten für die Landratswahl habe es noch nicht gegeben, ergänzt der Fraktionsvorsitzende Harald Wiese: "Aber wir wollen die bürgerlich-liberal-konservativen Wähler mit einem eigenen Kandidaten ansprechen, der sich nicht so der SPD zuwendet und unabhängig von ihr ist."

Ganz entspannt gibt sich derweil Annika Bruck aus dem Kreisvorstand von Bündnis 90/Die Grünen. "Wir haben uns noch nicht wirklich damit beschäftigt", sagt sie. Nach den Ferien werde eine Kreismitgliederversammlung einberufen, um eine mehrheitliche Linie zu finden. Dazu gebe es jedoch keine Eile. Sie persönlich habe ein gutes Verhältnis zu Cord Bockhop und auch der Kreisvorstand habe sich bislang nicht aktiv um einen eigenen Kandidaten bemüht. Es könne aber noch passieren, dass einzelne Ortsverbände einen vorschlagen.

Auch Martin Stricker, Sprecher des Kreisverbandes von Die Linke, lobt die Arbeit von Landrat Bockhop. Die Entfristung eines Großteils der Arbeitsverträge der Kreisverwaltung und die Rekommunalisierung der Kliniken im Landkreis müsse positiv anerkannt werden. Stricker ist aber nach eigenen Angaben auch verwundert, dass die SPD ihren eigenen Kandidaten nicht unterstützt hat. Ob Die Linke einen eigenen Bewerber ins Rennen schickt, steht noch nicht fest. "Nach der Neukonstituierung des Vorstandes im Landkreis Diepholz müssen wird zunächst über eine Positionierung beraten und eigene, personelle Kapazitäten ausloten", so Stricker.

Bei der Freien Wählergemeinschaft ist die Entscheidung indes schon gefallen. "Wir werden keinen eigenen Kandidaten aufstellen, wir sind von der Leistung von Cord Bockhop überzeugt", sagt Hermann Schröder, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Kreistag. Man glaube, dass es keinen besseren Kandidaten für das Amt gibt, ergänzt er. 


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...