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Einmal geklickt und von Werbung verfolgt?

Dennis-Kenji Kipker und Sven Venzke-Caprarese 04.06.2019 0 Kommentare

Google legt nach Suchen Cookies ab, die personalisierte Werbung möglich machen.
Google legt nach Suchen Cookies ab, die personalisierte Werbung möglich machen. (Martin Gerten/DPA)

Kennen Sie das? Sie interessieren sich für ein bestimmtes Produkt oder wollen den nächsten Sommerurlaub buchen und informieren sich im Internet. Etwas später werden Sie auf völlig anderen Internetseiten von Werbung für genau dieses Produkt oder genau diese Reise verfolgt. Und das nicht nur auf dem Endgerät, das Sie für Ihre ursprüngliche Recherche verwendet haben.

Personalisierte Werbung verfolgt Sie plötzlich auch beim Besuch von Internetseiten auf Ihrem Tablet, Ihrem Smartphone und vielleicht sogar auf Ihrem Arbeitsrechner. Die Werbung hat also Gerätegrenzen übersprungen. Falls Sie dies kennen, möchten wir Ihnen in dieser Ausgabe der Datenkolumne näherbringen, wie so etwas zustande kommt, ob das überhaupt zulässig ist – und was man vielleicht dagegen tun kann.

Wie funktioniert das Ganze?

Beginnen wir mit der ersten Frage: Wie funktioniert das Ganze eigentlich? Damit überhaupt personalisierte Werbung auf verschiedenen Internetseiten ausgespielt werden kann, müssen deren Betreiber mit einem Werbenetzwerk zusammenarbeiten. Eines der größten Werbenetzwerke betreibt derzeit Google. Nehmen wir einmal an, Sie besuchen die Internetseite eines Reiseveranstalters, der das Google Werbenetzwerk nutzt und interessieren sich dort für eine Kreuzfahrt. Beim Besuch der Reiseveranstalterseite wird der Programmcode von Google geladen, den der Reiseveranstalter vorher in seine Seite eingebaut hat. Hierdurch wird ein Google-Cookie auf Ihrem Rechner abgelegt. Das Cookie enthält eine eindeutige Zeichenfolge. Google kann die Zeichenfolge künftig auf allen Internetseiten auslesen, die am Werbenetzwerk von Google teilnehmen.

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Durch das Auslesen der Zeichenfolge weiß Google, welche Seiten im Werbenetzwerk von dem entsprechenden Rechner besucht wurden. Google bekommt also die Information, dass sich ein Nutzer auf der Seite des Reiseveranstalters eine Seite angesehen hat, auf der Kreuzfahrten angeboten werden. Der Reiseveranstalter kann nun wiederum Google damit beauftragen, allen Besuchern, die sich für Kreuzfahrten interessiert haben, entsprechende Werbung auf anderen Seiten im Werbenetzwerk anzuzeigen. Besucht ein Nutzer mit einer bekannten Zeichenfolge auf dem Rechner eine Nachrichtenseite, die am Werbenetzwerk teilnimmt, kann nun die Werbung des Reiseveranstalters angezeigt werden. Im Fachjargon nennt man das „Retargeting“.

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Aber das war noch nicht alles, denn die Frage war ja, wie die Werbung auf einmal auch auf allen möglichen anderen Geräten angezeigt werden kann. Mit der bisher beschriebenen Methode ist es tatsächlich nur möglich, ein Gerät im Werbenetzwerk wiederzuerkennen, denn die Zeichenfolge liegt nur auf einem Gerät – man spricht insofern auch von der Geräte-ID. Wenn der Nutzer nun aber ein anderes Gerät für seine Internetbesuche nutzt, erhält dieses zwar ebenfalls eine Geräte-ID, sofern eine Seite des Werbenetzwerks besucht wurde. Die Geräte-ID ist aber nicht mit den anderen Geräten desselben Nutzers verknüpft.

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Wie kann es also sein, dass sich die personalisierte Werbung im Internet dennoch über mehrere Geräte erstreckt? Ganz einfach: Viele Menschen nutzen die Dienste von Google und melden sich hierfür teilweise auch mit einem individuellen Account an. Das eingängigste Beispiel ist die Nutzung von Googlemail. Aber auch die personalisierte Nutzung von Google Maps, YouTube und Co., erfordert die Anmeldung mit einem personalisierten Account. Immer dann, wenn sich ein Nutzer mit einem bestimmten Gerät bei Google anmeldet, kann Google die zuvor per Cookie vergebene Geräte-ID nun einer internen User-ID zuordnen. Mit je mehr unterschiedlichen Geräten sich ein Nutzer bei Google anmeldet, desto mehr Geräte-IDs können einem Nutzer beziehungsweise seiner User-ID zugeordnet werden. Und wenn man allein schon daran denkt, dass man für den Download von Apps oder für Softwareupdates zwingend eine Anmeldung benötigt, dann kann man sich gut vorstellen, wie schnell sich individuelle Verknüpfungen über einzelne Geräte hinweg herstellen lassen. Auf diese Weise ist Google dann auch in der Lage, Werbung geräteübergreifend auszuspielen. Dies bezeichnet man als „Cross-Device-Retargeting“.

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Neben der Wiedererkennung per Cookie haben Werbenetzwerke noch weitere Möglichkeiten in petto, zum Beispiel Trackingpixel (kleine unsichtbare Grafiken, die in Webseiten eingebunden werden und Infos an den Werbenetzwerkbetreiber weitergeben) oder Browser-Fingerprints. Letztere sind besonders trickreich. Denn Browser Fingerprints nutzen den Umstand aus, dass jedes Gerät so individuell ist, dass man es anhand seiner Betriebssystemversion, des Browsers und der Einstellungen sogar ganz ohne Cookies erkennt.

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Insgesamt kann und sollte natürlich die Frage gestellt werden, ob das Ganze rechtlich überhaupt zulässig ist. Die Antwort lautet: Nicht ohne Einwilligung des Nutzers. Aber an welcher Stelle geben Nutzer ihre Einwilligung ab? Meistens versuchen Websitebetreiber, an die Einwilligung über ein so genanntes „Cookie-Banner“ zu kommen. Das Problem an dieser Stelle ist aber, dass Nutzer oftmals gar nicht die Wahl haben, „Nein“ zu sagen und das mit Weiternutzung der Seite einfach davon ausgegangen wird, dass hierin eine Einwilligung zu sehen sei – einen Klick auf „OK“ oder „Einverstanden“ braucht es meistens nicht. Aber mal ehrlich: Wie ausdrücklich ist so eine Einwilligung eigentlich, und wie transparent wurde der User über das Tracking aufgeklärt? Möglicherweise gibt hier bald das EU-Recht mit der so genannten „ePrivacy-Verordnung“ Lösungen an die Hand. Bis es soweit ist, können Nutzer versuchen, sich mit Hilfe von Werbe- und Skriptblockern zumindest ein wenig zu schützen.

Zur Person: 

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Vor dem Hintergrund von Datenklau und Datenschutz beleuchten sie im WESER-KURIER Themen der digitalen Welt. Der Weyher Dennis-Kenji Kipker (32) ist unter anderem als Vorstandsmitglied bei der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz tätig, der Stuhrer Volljurist Sven Venzke-Caprarese (40) arbeitet als Prokurist und Justiziar bei dem Bremer Unternehmen Datenschutz Nord.


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Vor dem Hintergrund von Datenklau und Datenschutz beleuchten der Weyher Dennis-Kenji Kipker und der Stuhrer Volljurist Sven Venzke-Caprarese im WESER-KURIER nun alle zwei Wochen Themen der digitalen Welt.
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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?