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Aufmucken gegen Rechts
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Feiern für die Vielfalt

Niklas Golitschek 16.06.2019 0 Kommentare

Beste Festival-Stimmung herrschte beim Aufmucken auf dem Leester Mühlenkampgelände.
Beste Festival-Stimmung herrschte beim Aufmucken auf dem Leester Mühlenkampgelände. (Vasil Dinev)

Weyhe-Leeste. Der zwischenzeitliche Regenschauer trübte die Stimmung nur kurz. „Ich habe mir gedacht: Oh nein, bitte nicht“, sagte Festivalorganisatorin Tina Fischer. Doch als sich die Sonne hinter der Wolkendecke wieder blicken ließ, füllte sich auch das Mühlenkamp-Gelände in Leeste allmählich. Mehr als 1500 Menschen setzten beim „Aufmucken gegen Rechts“ ein Zeichen für Toleranz und Vielfalt.

Dem Festivalnamen machten die Veranstalter auch in diesem Jahr wieder alle Ehre. „Kein Platz für Homophobie, Faschismus, Sexismus, Rassismus“, stand auf den Jerseys des Wachpersonals. Aktive der Seebrücke luden zum Dosenwerfen ein – wobei auf den Dosen die Gesichter von rechten Politikern wie Jörg Meuthen, Matteo Salvini oder Marine Le Pen abgedruckt waren. Mit Infotafeln wurde über den Harpstedter Freundeskreis Deutschland sowie das Twistringer Gemeinschaftswerk Auehof mitsamt Zitaten aus alten Verfassungsschutz-Berichten und den Verstrickungen der lokalen AfD-Politiker Andreas Iloff und Harald Wiese aufgeklärt. Neben Frauen- und Herrentoiletten wurden dieses Mal auch geschlechtsneutrale angeboten. Hier waren alle toleranten Menschen willkommen.

Das Festival eröffneten die Bremer Fragmentshader. Das Folk-Trio hatte den Band-Contest gewonnen und sich den Slot beim Aufmucken gesichert. „Das ist eine coole Location, die Organisation ist gut – das hat Spaß gemacht“, sagte Joschua Wollersheim. Band-Kollege Jeffrey Gerszewski meinte ebenfalls: „Wir haben 25 Minuten runtergerockt.“ Nur sei der Auftritt etwas zu früh gewesen, so hätten die Fragmentshader vor allem vor eigenem Anhang gespielt.

Der Qualität brach das gewiss nichts ab, auch Harm Becker von der Musikschule Rothaus zeigte sich zufrieden; dort hatten die Bremer Musiker vorab ein Coaching erhalten. „Das hätte auch um 17 Uhr mit mehr Publikum Laune gemacht“, sagte er. Dennoch hätten sie gute Stimmung gemacht: „Alle hatten ein Grinsen im Gesicht.“

Beste Laune herrschte auch, als die Ska-Band The Busters aus Wiesloch in Baden-Württemberg auf die Bühne traten. Für Organisatorin Tina Fischer war deren Zusage auch die Überraschung des Jahres. „Das hätte ich nicht gedacht. Warum soll jemand von Wiesloch nach Weyhe kommen? Sie stehen auch hinter der Sache, das hat uns sehr gefreut“, sagte sie über die „alten Hasen“, die sich auch mit am deutlichsten positionierten.

Sänger Richard Alexander Jung forderte das Publikum auf, sich für die „gute Sache“ einzusetzen. Wenn sich der Rechtspopulismus in der Mitte der Gesellschaft festsetze, müsse auch der Widerstand dagegen aus der Mitte kommen – wie eben beim Aufmucken. „Setzt Zeichen gegen die falschen Leute, die sich gegen die Menschlichkeit groß machen wollen“, rief er dem Publikum zu, denn „wir“ seien mehr, die Besseren, hätten mehr Spaß und die bessere Musik, bevor er „gegen rechte Scheiße in den Köpfen“ zum Lied „Chase Them“ überleitete.

Auch für Weyhes scheidenden Bürgermeister Andreas Bovenschulte, der unerwartet erneut beim Aufmucken zu Gast war, waren The Busters einer der Höhepunkte des diesjährigen Festivals. „Sie sind legendär“, sagte der bekennende Ska-Liebhaber. Trotz des Stresses mit dem anstehenden Wechsel in die Bremische Bürgerschaft sei der Besuch der Veranstaltung für ihn Ehrensache. „Die Musik gefällt mir, ich stehe hinter dem Konzept und den Aussagen“, sagte Bovenschulte. Ob es vorerst sein letztes Aufmucken sein wird? „Ich werde öfter in Weyhe sein, natürlich auch zum Aufmucken. Man kann auch nächstes Jahr mit mir rechnen“, versprach er.

Eine Premiere erlebten die Festival-Besucher mit Liedfett, die Hamburger Akustik-Pop-Formation präsentierte erstmals ihr neues Lied „Geil, geil, geil“. Ein „Trennungslied von sich selber“, wie Sänger Daniel Michel erklärte. Punkrock gab es schließlich mit Turbostaat auf die Ohren, eine Prise Electropunk brachte Headliner Egotronic aufs Aufmucken. Zuvor waren noch Waving the Guns, Paloma And The Matches sowie Rausz aufgetreten. „Das war ein heftiger Stil-Mix“, freute sich Organisatorin Tina Fischer über das Programm.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...