Wetter: Regen, 11 bis 14 °C
Interview zum Aufmucken-Festival
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

„Haben uns einen Namen gemacht“

Alexandra Penth 05.06.2019 1 Kommentar

The Busters sind diesmal eine der Bands, die sicher viele sehen wollen auf dem Leester Mühlenkamp-Gelände.
The Busters sind diesmal eine der Bands, die sicher viele sehen wollen auf dem Leester Mühlenkamp-Gelände. (Lars Fischer)

Im vergangenen Jahr wurde das „Aufmucken gegen Rechts“ auf ein ganz neues Level katapultiert. Wie kam es dazu, dass das Festival plötzlich mit diesem Line-up aufwarten konnte?

Robert Steinbicker: Ehrlich gesagt stand das Aufmucken 2018 zunächst auf der Kippe. Wir haben uns intensiv Gedanken darüber gemacht, ob und wie wir das Aufmucken nochmal richtig aufleben lassen können. 

Tina Fischer: Das war für uns auch eine Überraschung. Die Antilopen Gang hat spontan zugesagt, da hatten wir gar nicht mit gerechnet. Als bekannt wurde, dass die Antilopen Gang kommt, hat sich der Rest quasi von alleine ergeben.

Die Antilopen Gang und jetzt Turbostaat – wie stolz sind Sie, diese Namen nach Weyhe zu holen?

Fischer: Super stolz und gleichzeitig zu Tränen gerührt.

Steinbicker: Stolz ja, und auch glücklich darüber, dass es noch Bands in dieser Größenordnung gibt, die zu unserem vergleichsweise kleineren Festival kommen und uns unterstützen. 

Wie läuft der Vorverkauf bislang? Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie diesmal?

Fischer: Der Vorverkauf läuft sehr gut. Wir rechnen mit 2000 Besuchern.

Steinbicker: Wir sind sehr zufrieden.

Welche Musiker sind geradezu prädestiniert für das Aufmucken? Muss es immer explizit politisch sein?

Fischer: Musiker, die authentisch sind und mit ihrer Musik eine Aussage machen wollen. Na ja, es müssen nicht immer krasse politische Texte sein. Aber die Bands sollten sich schon politisch positionieren und eine Botschaft vermitteln. Was den Musikstil angeht, sind wir flexibel. 

Steinbicker: Prädestiniert sind Bands, die Bock auf ihre Musik haben und den engen Kontakt zum Publikum mögen.

Was überzeugt die Musiker an dem Festival – ist es einzig die Botschaft oder steckt dahinter noch mehr?

Steinbicker: Das politische Zeichen, das wir gemeinsam setzen, ist ausschlaggebend. Die familiäre Atmosphäre beim Aufmucken und die Gastfreundschaft sind weitere Charaktereigenschaften, die das Aufmucken als attraktiven Spielort für Musiker kennzeichnen.  

Fischer: Die Botschaft steht auf jeden Fall im Vordergrund. Seit Juni 2018 häufen sich die Auftrittsanfragen, ich denke, wir haben uns einen Namen gemacht und die Musiker wissen, dass das Aufmucken ein gutes Festival mit wachsendem Zulauf ist. 

Apropos Botschaft: Welche Rolle spielt Musik für den politischen Diskurs?

Fischer: Das ist eine meiner Lieblingsfragen. Musik ist eine Sprache, die jeder versteht. Sie gehört zu den Lebenswelten von vielen Jugendlichen und spielt darin eine wichtige Rolle. Was die Musiker, Bands und Künstler für Botschaften in ihrer Musik transportieren, erreicht die Jugendlichen mehr als jeder Text oder Ratschlag, der von den Eltern, Lehrern oder sonstigen Erwachsenen kommt, die von nix Ahnung haben, es aber einfach nur gut meinen. Und andersrum genauso: Musik kann ein Einstieg in die rechte Szene sein. 

Steinbicker: Musik kann man auch als „Einstiegsdroge Nr. 1“ bezeichnen. Ich kann mich noch erinnern, damals vor langer Zeit, als ich noch in Weyhe zur Schule ging, hat die rechtsextreme JN auf dem Schulhof CDs verteilt. Als Köder.

Fischer: Musik hat die Menschen schon immer fasziniert und in ihren Bann gezogen. Anhand des Musikstils, den eine Person favorisiert, lassen sich Rückschlüsse auf ihren Charakter oder ihre politische beziehungsweise nicht politische Lebenseinstellung schließen. Ich weiß, dass ist jetzt etwas klischeehaft formuliert, denn auch der eigene Musikgeschmack kann sich verändern.

Wo soll es mit dem „Aufmucken“ noch hingehen? 

Fischer: Auf Augenhöhe mit dem Deichbrand (lacht). Das kann ich gar nicht so richtig sagen. Das hängt von unserem Team ab, welches hauptsächlich aus Ehrenamtlichen besteht und dem Zuspruch von Seiten der Gemeinde Weyhe.

Steinbicker: Das Aufmucken in dieser aktuellen Größenordnung sollte sich etablieren und regelmäßig stattfinden.

Ist eine Steigerung überhaupt noch möglich? Immerhin richtet sich die Veranstaltung insbesondere an Jugendliche, die sich die Tickets erst einmal leisten können müssen.

Fischer: Wenn wir einen großen Sponsor bekommen, der viel Geld loswerden möchte, ist vieles möglich. Und ja, wir wollen nicht, dass die Tickets zu teuer werden.  

Steinbicker: Kleine Steigerungen sind sicherlich noch möglich.

Eine hypothetische Frage: Wenn Sie sich einen Künstler für das Aufmucken aussuchen könnten, wer wäre das?

Fischer: Green Day (lacht). Aber die Band wird natürlich nicht kommen.

Steinbicker: Die Donots – mein Traum seit zehn Jahren!

Zweitere wären dann aber realistischer...

Steinbicker: Realistischer vielleicht. Aber mit der Antilopen Gang hat am Anfang auch keiner gerechet (lacht).

 

Die Fragen stellte Alexandra Penth.

Zur Person

Robert Steinbicker, 39,

lebt schon immer in Weyhe und ist Gründungsmitglied des Aktionsbündnisses gegen Rechts Weyhe. Er ist Feuerwehrmann bei der Berufsfeuerwehr Bremen. 

Zur Sache

Aufmucken gegen Rechts am 15. Juni

Seit 2001 organisiert das Weyher Aktionsbündnis gegen Rechts nahezu jedes Jahr das Aufmucken-Festival. Bis zum vergangenen Jahr eher im kleinen Rahmen. Auf dem Leester Mühlenkamp-Gelände setzten 2018 die Antilopen Gang, Sookee, Montreal und mehr ein musikalisches Zeichen gegen Fremdenhass. Am Sonnabend, 15. Juni, geben sich Turbostaat, Liedfett und The Busters die Ehre. Hinzu kommen Waving The Guns, Egotronic, Rausz, Paloma & The Matches und Fragmentshader. Einlass ist ab 14 Uhr, Tickets sind für 19 Euro, ermäßigt 17 Euro, zu haben. Sie sind erhältlich im Kulturbüro der Gemeinde Weyhe, Rathausplatz 1, bei Go Bäng, Knochenhauerstraße 20-25 in Bremen, sowie in den WESER-KURIER-Geschäftsstellen, unter anderem an der Bassumer Straße 6a in Brinkum sowie direkt über Nordwestticket und Eventim. An der Tageskasse sollen sie 25, ermäßigt 23 Euro kosten.


Ein Artikel von
Mein Stuhr & Weyhe
Ihr Portal für Stuhr & Weyhe

Herzlich willkommen in Ihrem Portal für die Gemeinden Stuhr und Weyhe. Hier informieren wir Sie über wichtige Nachrichten und Veranstaltungen aus dem Diepholzer Nordkreis.

Vor dem Hintergrund von Datenklau und Datenschutz beleuchten der Weyher Dennis-Kenji Kipker und der Stuhrer Volljurist Sven Venzke-Caprarese im WESER-KURIER nun alle zwei Wochen Themen der digitalen Welt.
Aktueller Mittagstisch in Ihrer Region
Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 14 °C / 11 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regen.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regenschauer.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 90 %
Die Sportmeldungen aus der Region
Veranstaltung für Ihre Region
Sonderthemen aus der Region
Sonderthemen aus der Region
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Traueranzeigen
Leserkommentare
Opferanode am 20.10.2019 15:14
@ Bunker
Bei Ihnen weiß ich nicht immer, ob Sie das ernst meinen, was Sie schreiben. Kann ja auch ironisch gemeint sein?
Wenn Sie von ...
alterwaller am 20.10.2019 15:01
INITIATIVEN !!!

Zu hoch, zu flach, zu breit, zu lang. Die Fenster passen nicht zum Umfeld und was ist mit begrünten Dächern ? Da wird ...