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Verkehrsstatistik 2018
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Mehr Schwerverletzte, weniger Tote

Sebastian Kelm 29.03.2019 0 Kommentare

Leiteten weitere Schritte aus der jetzt vorgestellten Statistik ab (von links): Wolfgang Rehling (Polizei), Landrat Cord Bockhop, Wolfgang Nogga (Landkreis), Polizeichef Thomas Kues, Fritz Wetje (Landesverkehrsbehörde), Udo Petersohn (Gemeinde
Leiteten weitere Schritte aus der jetzt vorgestellten Statistik ab (von links): Wolfgang Rehling (Polizei), Landrat Cord Bockhop, Wolfgang Nogga (Landkreis), Polizeichef Thomas Kues, Fritz Wetje (Landesverkehrsbehörde), Udo Petersohn (Gemeinde Weyhe), Hartmut Martens (Gemeinde Stuhr) und Stefan Sommer (Gemeinde Weyhe). (Sebastian Kelm)

Kaum hatte Wolfgang Rehling, Sachbearbeiter Verkehr der Polizeiinspektion Diepholz, seinen Bericht zur „Verkehrsunfalllage 2018“ vorgestellt, musste er sein Fazit auch schon wieder revidieren. Zwar sind auf den Straßen des Landkreises – ohne die A 1 – im vergangenen Jahr „nur“ 13 Menschen ums Leben gekommen und damit immerhin vier weniger als im Jahr zuvor. Aber: Im Januar und Februar sind jetzt schon fünf Verkehrstote gezählt worden, eine statistische Steigerung von 400 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum im Frühjahr 2017. 744 Unfälle gab es in diesen beiden Monaten bereits – mit 35 Schwerverletzten. „Vielleicht hat uns einfach das Glatteis gefehlt“, nannte Rehling eine Theorie, warum die Verkehrsteilnehmer im vergleichsweise milden Winter 2019 offenbar nicht sonderlich vorsichtig gefahren sind.

Bleiben wir aber bei der abgeschlossenen Statistik für 2018: 4721 Unfälle ereigneten sich insgesamt, 59 mehr als im Vorjahr. Die meisten wurden mit 471 im Mai verzeichnet. Die Zahl der Leichtverletzten wiederum ist von 952 auf 941 gesunken. Der anhaltende Trend liegt laut Rehling auch mit am Anzeigeverhalten – seit es nicht mehr pauschal Schmerzensgeld bei Verletzungen der Halswirbelsäule gebe. Die Zahl der Schwerverletzten, bei Krankenhausaufenthalten von mindestens 24 Stunden also, ist hingegen von 181 auf 209 gestiegen, ein Plus von 15,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 192 Unfälle mit schwerem Personenschaden wurden verzeichnet, eine Steigerung um 9,2 Prozent und auch anteilig an den Unfällen gesamt mehr.

In den Ballungsgebieten des Nordkreises krachte es besonders oft beim Abbiegen, erklärte Rehling, im ländlicheren Süden war eher Verlust der Kontrolle über das Fahrzeug, etwa durch nicht angepasste Fahrweise, die Ursache für Unfälle. Bei 71 war laut der Polizei Alkohol im Spiel, ein rückläufiger Wert. 800 Fahrverbote wurden ausgesprochen, konnte Wolfgang Nogga, Fachdienstleiter Straßenverkehrswesen beim Landkreis, berichten. Der hat zudem bemerkt: „Die Unfallhäufigkeit ist bei Alkohol hoch, bei Drogeneinfluss geringer.“ Rehling ergänzte, das Problem sei mitunter gar nicht so sehr der Konsum von Substanzen, vielmehr Medikamente, die eben nicht eingenommen worden sind – was die Fahrtauglichkeit beeinträchtigt.

Steigend sind die Schulwegunfälle, 67 an der Zahl. Vorher waren es 56. Der Fall, an den die meisten denken werden, bei dem ein Kind beim Überqueren der Straße von einem Auto erfasst wird, trug sich indes nur zweimal in Stuhr zu, sonst gar nicht. Meist sind es laut Rehling Radfahrer, die sich beim Weg zum Unterricht in die Quere kommen. Er kommt daher zu dem Schluss: „Die Schulwege im Landkreis Diepholz sind nach wie vor sicher.“ Aber er wisse von einem ersten Antrag auf Schülerberförderung per Taxi mit der Begründung „Wolf“. Zum umstrittenen Thema „Elterntaxis“ wiederum wurden schon in Stuhr und demnächst auch in Weyhe Info-Veranstaltungen angeboten, so Nogga.

Stets im Fokus: Fahranfänger. In 866 Unfälle waren junge Menschen verwickelt, Tendenz sinkend. Drei Todesopfer waren dabei zu beklagen. Bei 509 davon waren die Fahranfänger auch die Verursacher, 14 von ihnen alkoholisiert. Sie waren damit für 10,8 Prozent aller Unfälle verantwortlich. 15,1 Prozent der Verursacher sind derweil Senioren über 65, insgesamt sind 711 Unfälle auf sie zurückzuführen. Annähernd jeder zehnte Unfall wird von einem Verkehrsteilnehmer jenseits der 75 gebaut. „Es nehmen aber auch immer mehr ältere Menschen am Straßenverkehr teil“, gab Rehling zu bedenken. Gegengesteuert wird mit elf Fahrtrainings speziell für Senioren pro Jahr im Kreis, wie Nogga hinzufügte.

Deutlich mehr Verletzte gab es 2018 bei den 294 gemeldeten Zwischenfällen mit Radfahrern. Vor allem die vielen Kopfverletzungen lassen Rehling auf eine baldige Helmpflicht hoffen. Verdreifacht hat sich übrigens die Zahl der Unfälle mit E-Bikes oder Pedelecs, häufig Stürze beim Anfahren oder Anhalten. Wieder steigend auch die Zahl der verunfallten Motorradfahrer. Bei 149 Unfällen wurden 47 schwer und 92 leicht verletzt. Letztere Kategorie weist dabei eine deutliche Zunahme auf. Und der Anteil der größeren Maschinen an den Unfällen ist mit 116 enorm hoch. Rehling kündigt vor diesem Hintergrund für dieses Jahr zwei spezielle Kontrollwochenenden statt einer Kontrollwoche an.

Stichwort Unfallschwerpunkte: Mit 66 Vorkommnissen bleiben die B 6 in Brinkum-Nord und mit 16 die nahe Henleinstraße samt Ikea-Parkplatz zwei der größten Sorgenkinder. „Wir brauchen die B6neu. Ohne Baumaßnahmen wird das nicht zu lösen sein“, meint Hartmut Martens, im Stuhrer Rathaus für den Verkehr zuständig. Die Lage an der Obernheider Straße zum Beispiel habe sich durch die neue Ampel (wir berichteten) enorm verbessert. Landrat Cord Bockhop hadert in Sachen Bau der B6neu mit dem Zögern in der Hansestadt: „Die Arroganz in Bremen, wenn es um Verkehr geht, ist beachtlich.“ Es gehe schließlich auch um Bremer, die dort in gefährliche Situationen geraten.

Unfallhäufungen gibt es zudem auf der B 51 zwischen Bassum und Fahrenhorst. „Da, wo Zwei-plus-eins geplant ist“, so Wolfgang Rehling. Eine Fahrbahnerweiterung sei aber leider politisch nicht durchsetzbar derzeit. Das bedauert auch Wolfgang Nogga im Sinne der Sicherheit: „Das muss kommen.“


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...