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Bundesverdienstkreuz für Ingrid Söfty
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Mit Willenskraft und Tatendrang

Alexandra Penth 22.05.2019 0 Kommentare

Landrat Cord Bockhop (l.) heftete Ingrid Söfty das Bundesverdienstkreuz im Weyher Ratssaal an, Ehemann Fritz Söfty (rechts) und Enkel Maximilian freuten sich mit ihr.
Landrat Cord Bockhop (l.) heftete Ingrid Söfty das Bundesverdienstkreuz im Weyher Ratssaal an, Ehemann Fritz Söfty (rechts) und Enkel Maximilian freuten sich mit ihr. (Braunschädel)

Weyhe. Eine Hinterbänklerin war sie nie. Immer schon wollte Ingrid Söfty in erster Reihe mitgestalten, etwas bewirken, sich für andere stark machen. Die Friseurmeisterin kennt es nicht anders: Dinge anpacken, statt darauf zu warten, dass andere die Arbeit erledigen. „Was treibt mich an?“, überlegt Söfty einen Moment. „Irgendwas zu bewegen, mitzumachen, für andere etwas umzusetzen“, sagt sie dann.

Die Liste der Ämter der 68-Jährigen ist lang. Ob im Bau- und Planungsausschuss oder als stellvertretende Bürgermeisterin ihrer Heimatgemeinde Weyhe, als Vorsitzende des Ausschusses für Feuerschutz, Verkehr und Sicherheit auf Kreisebene oder DRK-Chefin in Kirchweyhe – Ingrid Söfty bestimmt überall mit, seit mehr als 25 Jahren. Für ihren unermüdlichen Einsatz für die Allgemeinheit hat sie am Mittwoch im Weyher Rathaus das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhalten. Landrat Cord Bockhop heftete ihr die hohe Auszeichnung an, wie es Vorschrift ist. Ingrid Söfty musste sich vor Rührung ein paar Mal die Tränen aus den Augenwinkeln wischen.

Ihr Beruf hat die Christdemokratin tief geprägt. Wenn die Kunden auf dem Frisierstuhl im eigenen Salon Platz nahmen und ins Plaudern kamen, wusste Ingrid Söfty immer genau, wo der Schuh drückt. 1984 fing sie als Schriftführerin des Weyher Gewerberings an, 1991 war sie Schöffin. Da begann sie, sich auch politisch zu engagieren. Schon in der Schule vertrat sie ihre Mitschüler als Klassensprecherin. Nach ihrem Abschluss machte Söfty eine Lehre zur Bürokauffrau, ihrem Traumberuf. „Ich wollte das unbedingt, habe vorzeitig meine Prüfung gemacht“, erzählt sie. Dann lernte sie ihren Mann Fritz kennen, der sich als Friseurmeister selbstständig machen wollte. Ingrid Söfty ging diesen Schritt mit, machte eine Ausbildung zur Friseurin, legte sogar die Meisterprüfung ab. 39 Jahre stand sie im Salon am Heidfeldweg. Sie vermisste immer ein wenig das Büro, brachte aber genauso viel Herzblut für das Friseurhandwerk auf. Was sie sich in den Kopf gesetzt hatte, setzte sie meistens auch durch. In der Politik lernte Ingrid Söfty jedoch, Kompromisse einzugehen. „Es war ein Lernprozess“, sagt sie, „ich war manches Mal die zweite Siegerin.“

Den Vorsitz des DRK-Ortsvereins übernahm Söfty 2005, als dieser kurz vor der Auflösung stand. Der Kirchweyher Ableger entwickelte sich zu einem der größten Ortsvereine im Landkreis Diepholz. Die Mitglieder rufen viermal im Jahr zur Blutspendeaktion auf, die die höchsten Spenderzahlen im Landkreis erreichen. Söfty war es auch, die 2010 den „Weihnachtswunschbaum“ einführte, der Kindern aus sozial schwachen Familien Weihnachtswünsche erfüllt. „Wo wären wir, wenn Sie sich nicht eingebracht hätten?“, fragte Landrat Cord Bockhop bei der Preisverleihung im Ratssaal. Die anwesenden Wegbegleiter Söftys wollten diesen Gedanken wohl besser nicht weiterspinnen.

Dass der CDU-Fraktionsvorsitzende Dietrich Struthoff sie vor längerer Zeit für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen hatte, wusste Ingrid Söfty. Beinahe hätte sie das schon vergessen, als ein Brief der niedersächsischen Staatskanzlei in der Post lag. Söfty öffnete den Umschlag im Flur. „Ich habe den Brief gelesen, es war eine kurze Mitteilung, dann bin ich ins Wohnzimmer gegangen und habe vor Freude gehüpft“, schildert sie. 

„Im Rahmen ihrer kommunalpolitischen Tätigkeit hat sich Frau Söfty für die Entwicklung der Gemeinde Weyhe und des Landkreises Diepholz engagiert, wobei sie sich insbesondere mit klaren Vorstellungen bezogen auf das Ortsbild vor allem in baulicher Hinsicht eingesetzt hat“, heißt es in dem offiziellen Schreiben zur Vergabe der Auszeichnung. Und weiter: „Sie ist tief verwurzelt in Weyhe, ihr gelingt der Ausgleich zwischen überzeugter Christdemokratin und zugleich überparteilich denkender Kämpferin für das Allgemeinwohl und ist eine der stärksten Interessenvertreterinnen aus Weyhe.“ Persönliche Worte fand Weyhes Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD), der die Fähigkeit der CDU-Frau schätze, bei guten Argumenten der Gegenseite auch mal vom Standpunkt abrücken zu können. Söfty zeichne ihr „scharfer Verstand“, aber auch ihre „scharfe Zunge“ aus. Dietrich Struthoff sprach auch als langer Wegbegleiter Söftys, deren Einsatz manchmal auch „bis zur Selbstaufgabe“ gereicht habe.

Von ihrer persönlichen Seite zeigt Ingrid Söfty eigentlich wenig in der Öffentlichkeit, die ist ihrer Familie vorbehalten, der sie ausdrücklich für die Unterstützung dankte. Ehemann Fritz sei über die Jahrzehnte hinweg stets ihr Ruhepol gewesen. Voller Stolz sagte Ingrid Söfty mit der Urkunde in der Hand: „Das alles zu lesen und zu verinnerlichen, ist ein irres Glücksgefühl.“


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...