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Das Porträt: Justin Rickmann
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Rauf aufs Dach und auf zum Meistertitel

Gerald Weßel 08.10.2019 0 Kommentare

Der Zimmerergeselle Justin Rickmann von Tamsen Bau aus Groß Mackenstedt trägt die klassische Kluft der Zimmerleute.
Der Zimmerergeselle Justin Rickmann von Tamsen Bau aus Groß Mackenstedt trägt die klassische Kluft der Zimmerleute. (Vasil Dinev)

Stuhr-Groß Mackenstedt. Er möchte hoch hinaus – gleich im doppelten Sinne: Der Blick hinab von Dächern ist dem 21-jährigen Stuhrer Justin Rickmann wohlvertraut, denn diese baut er meist bei Tamsen Bau in Groß Mackenstedt. Vor Kurzem schloss er seine Ausbildung zum Zimmerer ab – und zwar mit Auszeichnung: Er ist bester Zimmerergeselle der Handwerkskammer Hannover. Der in Fahrenhorst lebende und in Brinkum zur Schule gegangene junge Mann gehört damit zu den sechs besten Jungzimmerergesellen Niedersachsens.

Als er das Briefkuvert öffnete, war er auch eher wenig erstaunt, zu lesen, die Prüfung sehr gut bestanden zu haben. „Eine Eins war schon mein Ziel“, sagt er. Bester der Innung zu sein, sei dann aber durchaus eine Überraschung für ihn gewesen. Noch weniger habe er damit gerechnet, auch noch Kammerbester zu sein. Damit zählt Justin Rickmann zu der kleinen Gruppe, die Ende Oktober den Besten ihres Fachs in Niedersachsen unter sich ausmachen wird.

„Mein Vater war Tischler“, erzählt er. Er probierte auch während des Berufsvorbereitungsjahres den Beruf seines Vaters aus, aber letztendlich entschied er sich dagegen: „Zu genau“, lacht er und führt aus: „Wenn man sich da vertut, hat das größere Folgen.“ Wenn er als Zimmerer einmal einen falschen Schnitt setzt, seien aufgrund der weit größeren Werkstücke, zumeist Teile eines Daches, halt kreative Ideen gefragt. Aber das Problem sei gut lösbar. „Es war eine ziemlich gute Entscheidung, Zimmerer zu werden“, blickt er auf die Zeit zurück, in der er nach der Schulzeit ein Praktikum bei Tamsen absolviert hatte und dort als Lehrling anfing.

Der typische Arbeitstag eines jungen Zimmerers fange mit einer Besprechung in der Firma an. Hier wird beredet, was anliegt, und danach packt jeder seine Sachen. „Hier muss man morgens schon mal nachdenken“, sagt er. „Das ist gut“, und lobt, dass man so in den Tag starte. Als Nächstes geht es auf die Baustelle und „dann wird auch schon los gelegt“. An diesem Alltag habe sich wenig geändert seit er die Prüfung bestanden hat und Geselle geworden ist, aber dafür trage er nun mehr Verantwortung.

Er schätze an seinem Beruf vor allem die Abwechslung und diese ist dann noch mit reichlich Zeit draußen verbunden. „Frische Luft ist wichtig“, sagt er und fügt hinzu, für ihn sei auch der regelmäßige Umgang mit Menschen unverzichtbar. „Wir haben jeden Tag Kundenkontakt“, unterstreicht er. Es selbst fühlt sich von der Gesellschaft geschätzt, aber vor allem die ältere Generation behandele Handwerker wie ihn sehr respektvoll. „Die jüngere Generation etwas weniger“, hat er mit Bedauern festgestellt.

Am liebsten wollte er direkt im Anschluss an seine Lehrlingszeit als frisch gezimmerter Geselle gleich mit der Weiterbildung zum Meister anfangen, aber die Tamsens haben ihn letztlich noch überreden können, für sie ein weiteres Jahr zu arbeiten. „Die Auftragsbücher sind voll“, berichtet Justin Rickmann und zeigt volles Verständnis für den Wunsch der Firmenleitung. So ist aus dem eigentlich bereits feststehenden Wechsel zum Förderungs- und Bildungszentrum Garbsen noch nichts geworden. „Alle Dokumente waren abgeschickt“, erzählt Rickmann, der nun eben erst Ende 2020 die Meisterschule in Vollzeit beginnen wird.

Das heißt dann: ein Jahr lang unter der Woche von morgens bis abends Schule – eigentlich so gar nicht sein Ding. „Ich mochte Schule nie“, gesteht er und erinnert sich noch gut an seine Entscheidung, nach der Mittleren Reife nicht weiterzumachen. Rickmann: „Aber das jetzt ist ja fachspezifisch, und ich kann das alles gebrauchen.“ Letzteres könne er auch im Rückblick über seine im Pflichtschulsystem verbrachte Zeit nicht sagen.

Alternativ hätte er den Weg zu seinem Meisterbrief allerdings auch an der Abendschule beginnen können, erzählt er. Das würde jedoch bedeuten, jeden zweiten Abend nach der Arbeit noch die Schulbank zu drücken. Zu viel für ihn: „Das würde ich nicht packen“, weiß er und ist daher zufrieden mit seiner Entscheidung, erst einmal noch als Geselle zu arbeiten und dann in Vollzeit den nächsten Schritt zu gehen.

Aber auch danach wird Justin Rickmann für Tamsen Bau in Groß Mackenstedt tätig sein – dann aber als Meister seines Fachs. „Die Zusage habe ich bereits“, freut er sich sehr über Vertrauen in ihn. Aber auch unabhängig von dieser Perspektive mache er sich keine Sorgen über seine berufliche Zukunft, denn er kann behaupten: „Einen arbeitslosen Zimmerer gibt es nicht.“ Und wenn doch, verstehe der sicher nicht sehr viel von seinem Job. So ist der junge Geselle davon überzeugt, dass er bereits morgen einen neuen Arbeitgeber haben könnte, wenn er das denn wollen würde. Und an dem Bedarf an Fachpersonal wird sich in seiner Branche wohl auch in den nächsten Jahren wenig ändern, davon ist er jedenfalls überzeugt.

Der einzige Teil seines Berufes, den er bisher am wenigstens mochte, liegt derweil hinter ihm: Dämmwolle stopfen, das sei unangenehm und niemand möge das. „Aber das machen in der Regel die Auszubildenden“, weiß er aus eigener Erfahrung.


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Leserkommentare
cklammer am 23.10.2019 09:05
Na, wir wissen ja, wie das geht: etwas gleichartiges wird ja am Weserstadion schon beim jedem Heimspiel von Werder umgesetzt.

Da wird ...
oharena am 23.10.2019 09:04
wen soll man jetzt mehr "lieben" - die Polizei, de Anschläge verhindert hat - oder die "lieben" Terroristen, die keine Anschläge verübt haben?