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Sprachassistenzsysteme – Wer hört mit?

Dennis-Kenji Kipker und Sven Venzke-Caprarese 09.04.2019 0 Kommentare

Wie weit der Nutzer sein
Wie weit der Nutzer sein "smartes" Gerät an sich heran lassen will, muss er selbst entscheiden. (Franziska Gabbert/DPA)

Viele „smarte“ Geräte verfügen heutzutage über digitale Sprachassistenten. Besitzer von iPhones oder iPads können schon länger die Hilfe von „Siri“ in Anspruch nehmen. „Cortana“ steht auf aktuellen Windows-Geräten bereit, „Alexa“ spitzt auf Amazon-Hardware die Ohren und auch Google bietet ein Sprachassistenzsystem an. Daneben verfügen viele Autos und Fernseher mittlerweile im Standardpaket über eigene kleine Sprachassistenten, die zum Beispiel per Sprachbefehl Anrufe tätigen, das Autoradio bedienen oder den Fernsehsender wechseln. Die Meinungen zur Nutzung solcher Systeme gehen weit auseinander. Ein Teil der Nutzer sieht die Vorzüge der Assistenzsysteme und genießt „Musik auf Zuruf“. Ein anderer Teil steht der neuen Technologie skeptisch gegenüber, verzichtet im Sinne der eigenen Privatsphäre auf deren Einsatz. Tatsächlich unterscheiden sich die einzelnen Dienste in der Praxis sehr voneinander. 

Viele Sprachassistenzsysteme setzen auf die Übertragung der Sprachdaten an Rechenzentren des Anbieters. Hierfür ist eine Internetverbindung erforderlich. Die Sprachdaten werden an ein Rechenzentrum oder mehrere (Cloud-)Rechenzentren übermittelt und dort ausgewertet. Hiermit verlassen die Sprachdaten die geschützte lokale Umgebung und können theoretisch missbraucht werden. Obwohl eine lokale Spracherkennung heutzutage durchaus möglich ist, verfolgen die meisten Sprachassistenzsysteme diesen Ansatz nicht. Nur vereinzelt geschieht die Spracherkennung tatsächlich ohne Übertragung der Sprachdaten an ein externes Rechenzentrum – etwa bei der Sprachsteuerung einzelner Infotainment-Systeme in Autos ohne Internetverbindung.

Viele Sprachassistenzsysteme aktivieren sich erst nach einer ausdrücklichen Handlung des Nutzers. Erforderlich ist das Drücken eines Knopfes am Smartphone, am Lenkrad oder an der Fernbedienung. Immer häufiger gibt es allerdings Geräte, die auf bestimmte Aktivierungswörter reagieren. An dieser Stelle basieren die Lösungen fast einheitlich auf dem Prinzip, dass das Aktivierungswort ohne Hilfe externer Rechenzentren und entsprechender Datenübermittlungen erkannt wird. Das „smarte“ Gerät hört also ständig mit und „durchsucht“ die eingehenden Sprachdaten lokal nach dem vereinbarten Aktivierungswort. Erst wenn dieses erkannt wird, erfolgt die weitere Spracherkennung durch Übermittlung der Daten an externe Rechenzentren. An dieser Stelle besteht jedoch die Gefahr der ungewollten Aktivierung, zum Beispiel durch fehlerhafte lokale Erkennung des Aktivierungswortes. Außerdem kann durchaus kritisch hinterfragt werden, ob die eingesetzten Geräte sich tatsächlich an die Regel halten, nur dann Daten zu übermitteln, wenn das Aktivierungswort genannt wurde oder ob sich der Diensteanbieter nicht doch auch mal so „einklinkt“. In der Praxis besteht für ein heimliches „Mithören“ allerdings kein Anhaltspunkt. Im Hinblick auf Amazon wurden schon mehrfach Analysen des Netzwerkverkehrs einzelner Geräte vorgenommen, die keine Hinweise lieferten. Zudem wäre ein bewusstes Mithören durch den Dienstanbieter auch ein Straftatbestand nach Paragraf 201 Strafgesetzbuch. Und trotzdem: Je nach Sensibilität des einzelnen Nutzers bleibt vielleicht ein unbehagliches Gefühl.

Besonders unheimlich wird es, wenn man daran denkt, was Anbieter mit den an externe Rechenzentren übertragenen Sprachdaten machen können. Denn normalerweise würde man erwarten, dass die Sprachdaten zwar übertragen und erkannt werden. Eine weitere Speicherung der Daten wäre dann aber nicht mehr erforderlich und sie könnten gelöscht werden. In der Praxis geschieht jedoch häufig mehr. Sowohl Googles Sprachassistenzsystem als auch Amazons „Alexa“ speichern empfangene Sprachdaten im Originalton in ihren Rechenzentren. Damit gehen beide Anbieter sogar sehr transparent um und erlauben es den Nutzern, sich die in der Vergangenheit erteilten Sprachbefehle anzuhören.

Nutzer von „Alexa“ müssen sich hierfür beispielsweise nur mit ihrem Konto bei amazon.de anmelden. Hinter den Menüpunkten „Mein Konto“, „Meine Inhalte und Geräte“, „Alexa-Datenschutz“, „Sprachaufnahmen-Verlauf überprüfen“ versteckt sich der Gesamtverlauf der gegebenen Sprachbefehle. Neben dem Text, der erkannt wurde, steht hier auch die Möglichkeit zur Verfügung, sich durch einen Klick aufgezeichnete Sprache anzuhören – inklusive aller Fehlerfassungen. Selbst im Hinblick auf Audiodateien, die laut Auflistung im Amazon-Konto „nicht für Alexa bestimmt“ waren, wird ein Abspielen der Aufzeichnung angeboten. Es kommt noch schlimmer: Auch die Möglichkeit, die künftige Speicherung zu beenden, ist nur sehr eingeschränkt möglich. Zwar können Nutzer die Audiodateien löschen. Es fehlt allerdings die Möglichkeit, die Aufzeichnung für die Zukunft zu deaktivieren.  

Sind Sprachassistenzsysteme wegen dieses umfassenden Einflusses auf unser Privatleben deshalb schlecht? Nicht unbedingt. Denn jeder Nutzer hat das Recht und die Handlungsfreiheit, für sich zu entscheiden, wie sehr man diese Geräte an sich heranlassen und von der Nutzung im Alltag profitieren möchte. Die Entscheidung muss allerdings informiert getroffen werden. Zudem sind Anbieter solcher Lösungen aufgefordert, sich insbesondere im Hinblick auf die Speicherung und Nutzung der Daten an gesetzliche Vorgaben zu halten.

Zur Person

Die Experten

Vor dem Hintergrund von Datenklau und Datenschutz beleuchten sie im WESER-KURIER nun alle zwei Wochen Themen der digitalen Welt. Der Weyher Dennis-Kenji Kipker (32) ist unter anderem als Vorstandsmitglied bei der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz tätig, der Stuhrer Volljurist Sven Venzke-Caprarese (40) arbeitet als Prokurist und Justiziar bei dem Bremer Unternehmen Datenschutz Nord.


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Vor dem Hintergrund von Datenklau und Datenschutz beleuchten der Weyher Dennis-Kenji Kipker und der Stuhrer Volljurist Sven Venzke-Caprarese im WESER-KURIER nun alle zwei Wochen Themen der digitalen Welt.
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Leserkommentare
suziwolf am 23.10.2019 17:47
Diese
,langsame und (auch) demonstrierende‘ Dame
war sich sicherlich darüber im Klaren,
dass 15km/h für einen 🚴🏿‍♀️ ganz schön ...
FloM am 23.10.2019 17:45
"Da sind wir wir letztlich recht nah beieinander"
Häufig ist das so, wenn man erst mal mehr als 140 Zeichen miteinander ausgetauscht hat ...