Wetter: wolkig, 7 bis 14 °C
Ausstellung in der Heiligenroder Kirche
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Über das Kreuz in der Kunst

Maike Plaggenborg 10.07.2019 0 Kommentare

Neben dem Symbol des christlichen Kreuzes spielt auch der Fisch eine wichtige Rolle bei den eisernen Werken der Kunstschmiedin Brigitte Schilling.
Neben dem Symbol des christlichen Kreuzes spielt auch der Fisch eine wichtige Rolle bei den eisernen Werken der Kunstschmiedin Brigitte Schilling. (Vasil Dinev)

Stuhr-Heiligenrode. Die schmiedeeiserne Kunst von Brigitte Schilling ist Teil einer Familientradition, deren Verbindung allerdings gar nicht so nah liegt. Dennoch schweißt und hämmert sie mit einer Selbstverständlichkeit – inzwischen seit 20 Jahren. Kreuzerne Ergebnisse dieser Arbeit sind derzeit in der Klosterkirche in Heiligenrode noch bis zum 15. August zu sehen. 

Ihr Großvater hatte eine Schmiede, allerdings hat Schilling daran nur noch vage Kindheitserinnerungen. Der Opa stirbt, als sie vier Jahre alt ist. Rauch, Dampf, Hitze – diese Dinge sind aber noch in ihrem Gedächtnis. Aber: „Da sind eventuell Gene geflossen“, sagt sie. Nach diesem ersten Berührungspunkt mit dem Handwerk passierte in dieser Sache erst einmal lange nichts. Dann lernt sie ihren Mann kennen. Dessen Vater ist von Beruf: Schmied. Doch von einer familiären Prägung kann dabei ja keine Rede sein. 

Vor zwanzig Jahren dann – drei Jahre nach ihrer Pensionierung aus dem Lehrerberuf – macht sie in Bremerhaven, ihrer Heimatstadt, einen Kurs an der Volkshochschule. „Es hat mir gut gefallen, mit Feuer zu hantieren“, sagt die 69-Jährige über das Handwerk, das ihr eine Freundin angedient hatte. Die nämlich informierte sie über Feuerzeichen in Bezug auf ihr Sternzeichen. Sie sollte deshalb einmal „etwas Kräftiges“ machen. Der Funke springt damals noch nicht vollends über, aber sie bleibt dran am Thema, berichtet sie. Schilling bildet sich weiter fort in der Kunst an der Uni Bremen und an der Europäischen Kunstakademie in Trier. Etwa vier bis fünf Jahre später hat sie ihre eigene Werkstatt und 3000 Euro in eine Grundausstattung bestehend aus Hammer, Amboss, Esse (Feuerstelle), Zangen und weiteres investiert. Sie entwickelt ihren eigenen Stil und hat einen sehr persönlichen Fokus auf Kreuze.

Denn: Als sie ganz jung war, sei ihr einst ein Text des Heiligen Franziskus (Franz von Assisi) in die Finger gekommen. Darin hieß es „Herr, lass mich trachten, [...] nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe; nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe“. Damals denkt sie: „Das ist ja ein Blödsinn. Was bedeutet das?“ Jeder wolle doch verstanden und geliebt werden. Irgendwann macht es „Klick“, sagt sie, und sie versteht die Zeilen für sich. Heute symbolisiert das Kreuz für sie diese Haltung, dass ein gutes Wort für andere in vielen Situationen helfe. Das Kreuz ist Hauptbestandteil ihrer 22 Werke, die sie derzeit in der Klosterkirche in Heiligenrode ausstellt. Auch der Fisch gehört zur ihrem Markenzeichen, mitunter auch in Kombination. Denn: In der Matthäus-Bibelstelle rund um Petrus, der zu Jesus über das Wasser geht und erschrickt, als Wind aufkommt, sinkt Petrus. Jesus fragt ihn: „Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?“. Der Fisch symbolisiert für sie diesen Selbstglauben.

Allerdings beschäftigt sich Schilling auch mit weltlichen Dingen, auch in Ausstellungen. Für Kunden entwirft sie Gartenobjekte beispielsweise, darunter auch eiserne Möbel.

Heute sagt sie über das Schmieden: „Es ist etwas, das mir sehr, sehr viel Spaß macht“. Wenn sie schmiedet, fallen alle Gedanken ab, auch Knie- und Hüftprobleme verlieren ihre Bedeutung, dabei fordert die Arbeit auch Körpereinsatz. „Es sind schon einige Hammerschläge nötig“, sagt sie über ihr künstlerisches Tun. Bei ihrer freiwilligen Arbeit ist sie wie „weggetreten“, beschreibt sie und meint damit den Zustand, den Psychologen mit dem englischen Begriff „Flow“ bezeichnen.

Die Eisenkreuze, die sie jetzt zeigt, sind groß, klein, und zu jedem ihrer Exponate kann Schilling, die seit drei Jahren in Stuhr lebt, Hintergrund liefern. Beispielsweise zu ihrem „Eine-Welt-Kreuz“, das in der Mitte einen alles verbindenden Kreis hat. Auf dem „dienenden Kreuz“ etwa lassen sich Kerzen abstellen „für etwas, das einem am Herzen liegt“, sagt Schilling. Die Kreuze bringen unterschiedliche Gedanken zum Ausdruck. Für manche ihrer Werke braucht sie zwei Stunden, für manche zwei Wochen.

In Heiligenrode ist die Ausstellung noch bis zum Ende der Sommerpredigtreihe (15. August) zu sehen. Die Kirche, Auf dem Kloster 5, ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Sollte sie geschlossen sein, können Besucher sich im Kirchenbüro (am Spielplatz) oder bei der Küsterin Elke Parusel unter 01 73/ 8 94 93 07 melden. Am 5., 7., 12. und 14. August wird Schilling selbst jeweils von 11 bis 13 Uhr vor Ort sein.


Mein Stuhr & Weyhe
Ihr Portal für Stuhr & Weyhe

Herzlich willkommen in Ihrem Portal für die Gemeinden Stuhr und Weyhe. Hier informieren wir Sie über wichtige Nachrichten und Veranstaltungen aus dem Diepholzer Nordkreis.

Vor dem Hintergrund von Datenklau und Datenschutz beleuchten der Weyher Dennis-Kenji Kipker und der Stuhrer Volljurist Sven Venzke-Caprarese im WESER-KURIER nun alle zwei Wochen Themen der digitalen Welt.
Aktueller Mittagstisch in Ihrer Region
Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 14 °C / 7 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/wolkig.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/bedeckt.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 40 %
Die Sportmeldungen aus der Region
Veranstaltung für Ihre Region
Sonderthemen aus der Region
Sonderthemen aus der Region
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Traueranzeigen
Leserkommentare
rmonsees am 22.10.2019 08:33
In Luxemburg beispielsweise, während des dortigen Volksfestes -der "Schueberfouer"- kann der ÖPNV ab 19 Uhr zum und vom Festplatz kostenfrei genutzt ...
axp am 22.10.2019 08:29
na ja, ich denke nicht, das die Bevölkerung hier aufgehetzt wird. Es ist eher so, dass langsam aber sicher immer mehr Menschen mitbekommen, das die ...