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Bürgermeisterkandidat Stephan Korte
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„Wirkliches Scheitern kenne ich nicht“

Sebastian Kelm 15.05.2019 0 Kommentare

Hat einen Werdegang mit etlichen Wendungen hinter sich: Stephan Korte.
Hat einen Werdegang mit etlichen Wendungen hinter sich: Stephan Korte. (Janina Rahn)

Stuhr. Sie war ihm stets ein treuer Begleiter – wenngleich nicht immer ein ganz so verlässlicher: die 30 Jahre alte Moto Guzzi. Einmal ging ihm das Motorrad „unter dem Hintern“ in Flammen auf, wie Stephan Korte über das vorläufige Ende der Beförderung durch sein Gefährten-Gefährt erzählt. „Glücklicherweise passierte das gleich neben einem Feuerwehrhaus“, erinnert er sich. Als sie noch lief, trug ihn die Moto Guzzi als Jugendlicher auf dem Weg nach Bremen auch mehrfach durch Stuhr. Jener Gemeinde, in der er nun Bürgermeister werden will. Bis zu seiner Kandidatur als unabhängiger Bewerber, unterstützt von SPD und Grünen, legte der heute 54-Jährige einen Weg mit etlichen Abstechern und Wendungen zurück. Aber der Reihe nach.

1965 in Diepholz geboren, wuchs Korte dort mit seinem sechs Jahre älteren Bruder in einer ehemaligen Wehrmachtssiedlung am Fliegerhorst auf. Der Vater war Berufsfeuerwehrmann beim Militärflugplatz. Das färbte offenbar ab: Auch Korte wurde ehrenamtlich Brandbekämpfer. „Eine der wenigen Sachen, die man damals machen konnte“, beschreibt er einen weiteren Antrieb beim Eintritt in die Jugendfeuerwehr. Sein erstes Auto, ein VW Käfer, wurde dann auch teilweise rot angestrichen. Mit dem ging es später tatsächlich bei Alarmierungen raus. „Ich war irgendwann sogar schwerer Atemschutzträger, habe viele schwere Einsätze mitgemacht“, sagt Korte. Er habe daher einen guten Eindruck davon, was die Kräfte in Stuhr leisten müssen.

Ansonsten verbrachte er nach eigenen Angaben viel Zeit draußen. „Das war ja noch lange vor dem Smartphone“, kommentiert er die Stunden am Baggersee oder im Jugendfreizeitzentrum. Gut in Erinnerung geblieben sind ihm auch die Besuche bei Autorennen auf dem Fliegerhorst-Gelände, bei denen ihm der Vater Zugang zu den Fahrerboxen verschafft habe. In Diepholz ging Korte auch zur Schule, von der ersten Klasse bis zur Höheren Handelsschule. Schmunzelnd räumt er ein: „Ich war im Unterricht vielleicht nicht der Leidenschaftlichste."

Das sollte sich ändern: 1981 begann er in Bremen seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten – mit guten Noten am Ende, wie er sagt. Mit einem Studium an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in der Hansestadt qualifizierte er sich für den Höheren Dienst. Bei der Ausländerbehörde sei er Ende der 1980er-Jahre für Ausweisungen, Abschiebungen und Asylverfahren zuständig gewesen: „Da sind wir regelrecht abgesoffen. Das war einfach keine den Menschen zugewandte Aufgabe. Und ich habe überlegt, ob es das ist.“

War es erst einmal nicht mehr für ihn: Nach dem abgeleisteten Wehrdienst in Munster und Bremen während der Zeit des Mauerfalls studierte er ab 1990 Rechtswissenschaften an der Universität Bremen mit den Schwerpunkten Umwelt-, Bau- und Fachplanungsrecht. Nebenbei verdiente er sich etwas als „Extrawache“ der Johanniter unter anderem auf der Krebsstation im Krankenhaus Bremen-Mitte dazu. Mit dessen „Kostenexplosion“ sollte er sich später noch als Teil eines Untersuchungsausschusses befassen. Beides „prägende Erfahrungen“, wie er resümiert. Die Wochenenden verbrachte er trotzdem weiter in der Diepholzer Heimat, vertiefte seine Leidenschaft für Punk-Musik und Independent etwa in der legendären Diskothek Lindenhof in Wetschen. Seine aktuelle Lieblingsband? „The Notwist. Da bin ich gerade erst beim Konzert in Oldenburg gewesen.“

1997 beendete Korte sein Referendariat beim Oberlandesgericht Oldenburg mit dem zweiten Staatsexamen. Daraufhin verschlug es ihn als Berater zu der Kienbaum Unternehmensberatung in Düsseldorf und Berlin, eingesetzt war er im Bereich öffentliche Verwaltung. „Drei Jahre habe ich durchgängig in Hotels gelebt“, erzählt er über die vielen Dienstreisen. Rückblickend sagt er zu seinen Erfahrungen: „Man lernt, wo die eigenen Grenzen liegen. Und da geht es meist recht weit.“

2000 folgte die Rückkehr in die bremische Verwaltung – per Zufall. „In einem Café saß mein ehemaliger Lehrer Henning Lühr und sprach mich an. Er war händeringend auf der Suche nach einem Projektleiter“, erinnert er sich an die morgendliche Begegnung nach einer für ihn langen Nacht in Bremen. Ehe er sich versah, fand er sich auf Betreiben des späteren Staatsrats beim Senator für Finanzen in einem Führungskräfte-Nachwuchspool wieder – zusammen mit einem gewissen Andreas Bovenschulte.

Dem aktuellen Bürgermeister von Weyhe ist es übrigens zu verdanken, dass Korte auch zur SPD zurückkehrte. „Mit 15 bin ich zu den Jusos gegangen, aber ich konnte mit den Diskussionen da wenig anfangen. Ich habe mich dann geärgert, dass die SPD die Ökologie so vernachlässigt“, erklärt er seinen zwischenzeitlichen Rückzug aus der Partei, der außerdem an der Politik von Bundeskanzler Gerhard Schröder gelegen habe. „Ich bin wieder eingetreten, als sich Bovenschulte anschickte, Landesvorstand zu werden“, sagt er über seinen Wegbegleiter.

Ein solcher wurde nach eben jenem schicksalhaften Aufeinandertreffen im Café Henning Lühr. „Ich war sein persönlicher Troubleshooter“, formuliert Korte, welche Problemlöser-Rolle er unter ihm einnehmen sollte. Unter Beweis stellen konnte er seine Qualitäten darin bei Vorgängen der „Optimierung“ innerhalb der Verwaltung. Die Freie Hansestadt durfte er auch in Arbeitskreisen auf Bundes- und Länderebene vertreten, so etwa im Deutschen Städte- und Gemeindetag, wie er erzählt. „Ich habe Bremen Ports und Immobilien Bremen mit aufgebaut, saß in Aufsichtsräten, unter anderem beim Krankenhaus Ost“, zählt er weitere Karrierestationen auf.

Seine gegenwärtige Stufe: Senatsrat und stellvertretender Abteilungsleiter bei der scheidenden Grünen-Finanzsenatorin Karoline Linnert. In dieser Eigenschaft war oder ist er verantwortlich für den Personalsachbearbeitungs-Eigenbetrieb Performa Nord „mit inzwischen 300 Kunden deutschlandweit“ sowie den IT-Dienstleister Dataport „mit 3500 Mitarbeitern in sechs Bundesländern und einer halben Milliarde Euro Umsatz“. Unter anderem auch die Bremer Kitas fielen in seinen Zuständigkeitsbereich. „Da haben wir ein Online-Anmeldeverfahren eingeführt, den Aufwand reduziert. Hier werden die Plätze ja noch jährlich vergeben“, sagt er.

Vom Amt des Bürgermeisters verspreche er sich allgemein eines: „Noch mehr Gestaltungsmöglichkeiten." Zu seinem beruflichen Werdegang gibt er zufrieden und durchaus selbstbewusst zu Protokoll: „Wirkliches Scheitern kenne ich bisher noch nicht.“ Dabei habe er in Bremen natürlich mit einem „Wahnsinns-Sanierungsstau“ umgehen müssen. Seine Position zu Sparen oder Investieren: „Wer eine Schwarze Null pflegt, ist meist untätig.“ Er bevorzuge eine „vernünftige Verschuldung“, schränkt aber ein: „Nur nicht in Fahrwasser wie Bremen geraten.“

In Sachen Mitarbeiterführung hält er es wiederum wie folgt: „Ich pflege immer einen sehr freundschaftlichen Umgang mit den Menschen. Ich finde Leute toll, die eigene Ideen haben und die auch äußern – ohne Angst haben zu müssen, dass sie vom Vorgesetzten als Tinnef abgetan werden.“ Er halte zudem viel von klärenden Gesprächen.

Geradezu anregende Unterhaltungen habe er privat mit seiner 13-jährigen Tochter. „Ich gehe abends gern mit ihr spazieren, und wir reden über alles mögliche“, sagt er. Sie ist das gemeinsame Kind mit seiner Lebensgefährtin, die bei Airbus arbeitet. „Wir haben uns bei einer Wohnungsbesichtigung kennengelernt. Nun, mit der Wohnung ist es nichts geworden, dafür mit uns“, sagt er lachend. Eine gemeinsame Bleibe wurde schließlich im Bremer Viertel gefunden, von wo aus es ihn als begeisterten Werder-Fan öfter ins nahe Weserstadion zieht. An diesem zieht er hin und wieder auch beim Training des Rudervereins Hansa vorbei, bei dem er Mitglied ist.

Ein paar Jahre lang war Korte, der viel herumgekommen ist, in Martfeld Nordkreis-Bewohner. In Stuhr hat er sogar Verwandte: „Der Cousin meines Vaters wohnt in Moordeich.“ Familie sei ihm wichtig, Freunde ebenso. Er liest zudem nach eigenen Angaben viel, Max Frischs „Stiller“ ist sein Lieblingsbuch.

Und da ist eben noch seine Moto Guzzi, die er all die Jahre behalten und kürzlich wieder zum Laufen gebracht habe. Wer weiß, vielleicht fährt Stephan Korte mit dieser ja eines Tages als neuer Stuhrer Bürgermeister vor dem Rathaus vor. 

In diesen Tagen stellt der WESER-KURIER die drei Bewerber um das Bürgermeisteramt in der Gemeinde Stuhr vor – nach der Reihenfolge der offiziellen Verkündung ihrer Kandidatur. Auf Frank Holle folgt nun Stephan Korte. Nach diesen persönlichen Porträts wird es bei der WK-Podiumsdiskussion am kommenden Donnerstag, 16. Mai, ab 18 Uhr im Hotel Bremer Tor an der Syker Straße 4 in Brinkum um die einzelnen Positionen, Motivationen und Ziele gehen.


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Leserkommentare
Opferanode am 20.10.2019 15:14
@ Bunker
Bei Ihnen weiß ich nicht immer, ob Sie das ernst meinen, was Sie schreiben. Kann ja auch ironisch gemeint sein?
Wenn Sie von ...
alterwaller am 20.10.2019 15:01
INITIATIVEN !!!

Zu hoch, zu flach, zu breit, zu lang. Die Fenster passen nicht zum Umfeld und was ist mit begrünten Dächern ? Da wird ...