Bürgerdemo gegen Schließung von Filialen Rentner-Protest vor Sparkassen-Zentrale

Verden. Die Kreissparkasse Verden wird in Barme wohl einige ihrer Kunden verlieren. 40 Rentner aus Barme protestierten gestern in der Fußgängerzone gegen die angekündigte Schließung der Barmer und sieben weiterer Geschäftsstellen.
23.03.2010, 05:01
Lesedauer: 3 Min
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Von Johannes Heeg

Verden. Die Kreissparkasse Verden wird in Barme wohl einige ihrer Kunden verlieren. Die 40 Rentner aus Barme, die gestern in Verden mit einem Protestumzug durch die Fußgängerzone gegen die angekündigte Schließung der Barmer und sieben weiterer Geschäftsstellen demonstrierten, sind jedenfalls nicht gut zu sprechen auf das Kreditinstitut, dem sie zum Teil seit Jahrzehnten die Treue halten.

'Wir werden wohl zur Volksbank wechseln', sagten beispielsweise Margot Hentschel (74) und ihr 80-jähriger Mann Friedrich. Auch für Liselotte Gernand war es die erste Demo ihres Lebens. Die 73-Jährige hält mit ihrem Unmut ebenfalls nicht hinterm Berg: 'Wir waren nicht die schlechtesten Kunden. Aber das interessiert die Sparkasse ja offensichtlich nicht.' In Barme gebe es keine Post mehr, keinen Edekaladen, keinen Bäcker, keinen Schlachter, keinen Getränkemarkt und keine Lotto-Annahmestelle. Gerade mal ein Friseur und eine Kneipe sei dem Ort geblieben. Und nun solle die Sparkasse auch noch geschlossen werden. Das wolle sie nicht hinnehmen.

Einige der älteren Herrschaften, die vom Lugenstein zunächst zum Rathaus und dann zur Sparkassen-Hauptstelle marschierten, trugen Plakate mit sich. 'Profit vor Kundennähe' war da zu lesen, 'Gegen Arbeitsplatz-Abbau' oder 'Stop dem Rückzug aus der Fläche.' Einige machten mit Ratschen und Trillerpfeifen ordentlich Krach, Sprecher Hans Haberstock verstärkte seine Stimme mit einem Megafon. Mehrere Dutzend Male wiederholte er die Kernforderung der Demonstranten: 'Wir wollen eine Grundversorgung in nächster Nähe.'

'KSK-Verfahren zu gefährlich'

'Uns würde es reichen, wenn die Sparkasse einmal die Woche vormittags und einmal die Woche nachmittags geöffnet hätte', konkretisiert Heinz Nösel. Das von der Sparkasse angebotene Modell, wonach sich Kunden gegen telefonische Voranmeldung in der Bücherei einmal in der Woche Bargeld auszahlen lassen könnten, bezeichnete der 70-Jährige als 'würdelos'. Da die Auszahlungszeiten auch potenziellen Kriminellen bekannt seien, sei dieses Verfahren auch viel zu gefährlich für die Angestellten und die Kunden.

Eine 'Farce' nannte Nösel das Gespräch, das eine Abordnung der Barmer Sparkassenkunden am Freitag mit dem Vorstand geführt hat. 'Die haben uns sieben Wochen warten lassen, und als wir endlich empfangen wurden, waren die Briefe schon eingetütet, in denen die Sparkasse den Kunden die Schließung mitgeteilt hat', erzählte Nösel. Er sei sehr enttäuscht darüber, wie die Sparkasse mit ihren Kunden umgehe.

Sparkassenvorstand Klaus Brandes gab sich gestern demonstrativ unbeeindruckt von den Protesten seiner Kunden. Auf Anfrage betonte er: 'Es bleibt bei unserer Entscheidung.' Kein Kreditinstitut könne sich auf Dauer defizitäre Geschäftsstellen leisten. 'Wir hätten Barme schon vor zehn Jahren schließen sollen', meinte er.

Dass die Filialen in Barme, Hülsen und Oyten-Süd zum 31. März geschlossen würden, liege an den veränderten Nutzungsgewohnheiten der Kunden. Zahlreiche Kunden nutzten in den vergangenen Jahren lieber andere Geschäftsstellen an zentralen und gut erreichbaren Standorten. Dass die Ein- und Auszahlungen in Barme, Hülsen und Oyten-Süd so drastisch zurückgegangen seien, sei auch ein Spiegelbild der Entwicklung der dörflichen Infrastruktur, in der es inzwischen keine nennenswerten Einkaufsmöglichkeiten mehr gebe. 'Wenn es in einem Ort keine Geschäfte mehr gibt, heben die Leute dort auch kein Geld mehr ab', so Brandes.

Mit Blick auf die Protestaktion sagte er: 'Ich hätte mir gewünscht, dass die Menschen die Energie, die sie in die Demonstration gesteckt haben, in den Erhalt der dörflichen Infrastruktur investiert hätten.' Brandes verwies auf die Ortschaft Otersen, wo eine aktive Dorfgemeinschaft einen Dorfladen unterhalte, in dem auch eine Sparkassenfiliale untergebracht sei. In Barme hingegen hätten die Menschen seit Jahren billigend in Kauf genommen, dass nach und nach alle Einkaufsmöglichkeiten verschwinden.

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