Kritik: Nach Umstellung auf Fahrzeuge mit Greifarm

Restmülltonnen werden nicht ganz leer

Lilienthal. Als er die Mülltonne sah, ärgerte sich Joachim Bedau. 'Da war nur knapp ein Viertel entleert', sagt der Lilienthaler. 'Das ist nun schon das zweite Mal passiert.' Das Gros des Mülls steckte noch in der Tonne, fest gefroren.
17.02.2010, 11:47
Lesedauer: 2 Min
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Von Michael Wilke

Lilienthal. Als er die Mülltonne sah, ärgerte sich Joachim Bedau. 'Da war nur knapp ein Viertel entleert', sagt der Lilienthaler. 'Das ist nun schon das zweite Mal passiert.' Das Gros des Mülls steckte noch in der Tonne, fest gefroren. Am Wendeplatz der Friedrich-Wilhelm-Raasch-Straße sah Bedau zwei weitere Tonnen, die 'auch nicht richtig geleert' waren.

Früher sei das selten passiert, sagt Bedau. Da habe der Müllmann, der hinten auf dem Wagen mitfuhr, kräftig gerüttelt und die Tonnen erneut zum Leeren hochgefahren. Heute erledige der automatische Greifarm die Entleerung ohne die Umsicht der Müllwerker. 'Nun spart man einen Mann ein, das finde ich nicht glücklich.'

Der Kreisdezernent Werner Schauer glaubt nicht, dass der Einsatz der neuen Müllfahrzeuge die Winterprobleme mit dem Restmüll verschärft. 'Bei mir ist noch nie Müll festgefroren', sagt er. Wer die Tonne unten mit Zeitungspapier ausstopfe und Nassabfälle nicht ohne Beutel hineinkippe, beuge vor. Das habe er auch getan, sagt Bedau. Er habe die erkaltete Asche aus dem Kamin in Zeitungspapier eingeschlagen und unten in die Tonne gestopft.

Vorsorglich hat der Lilienthaler graue Müllsäcke gekauft, weil er fürchtete, nach der Umstellung der Müllabfuhr auf 14täglichen Rhythmus mit der reduzierten Zahl an Leerungen nicht mehr auszukommen. 'Sonst haben wir die Tonne alle drei Wochen rausgestellt. Damit sind wir als Drei-Personen-Haushalt hingekommen.' Nun stehe er vor der Wahl, die Tonne alle zwei Wochen 'dreiviertelvoll' an die Straße zu schieben und am Ende mehr Gebühren zu zahlen oder Müllsäcke zu verwenden und dabei ebenfalls draufzuzahlen. Die grauen Säcke nimmt die Müllabfuhr nach wie vor mit, wenn sie mit den Hausmülltonnen am Straßenrand platziert werden. Das stellt Schauer klar. Der Kaufpreis schließt die Entsorgung ein.

Vereiste Fahrbahnen haben dafür gesorgt, dass Menschen in nicht geräumten Nebenstraßen fünf Wochen oder länger auf die Müllabfuhr warten. Dafür hat Bedau Verständnis: 'Bei den Straßenverhältnissen kann man niemandem einen Vorwurf machen.' Das sieht der Worpsweder Helge Lippa anders. Er sei früher Fahrtenleiter einer Spedition gewesen; die Lkw hätten ihre Ziele mit hochwertigen Winterreifen auch bei Schnee und Eis angesteuert. Das sei nicht mit der Müllabfuhr vergleichbar, wiederspricht Schauer. 'Ein Möbelwagen fährt einmal rein, entlädt und fährt wieder raus. Der Müllwagen muss alle zehn Meter anhalten und wieder anfahren.' Auf spiegelglatten Eispisten sei das unmöglich. Schauer wohnt selbst in einer nicht gestreuten Nebenstraße in Osterholz.-Scharmbeck und hat beobachtet, wie sich der Müllwagen mehrmals festfuhr: 'Niemandem ist geholfen, wenn der Wagen steckenbleibt oder in den Graben rutscht.' Alle Fahrzeuge seien mit angemessenen Winterreifen unterwegs, betont der Kreisdezernent.

'Daran wird nicht gespart.'

In einigen Bereichen der Gemeinden Lilienthal, Worpswede und Grasberg seien Nebenstraßen so vereist, dass auch die Paketpost nicht mehr ausgeliefert werde, betont der Kreisdezernent Werner Schauer. Seit 31 Jahren habe es keinen so schneereichen Winter mehr gegeben. 'Wo ein Notstand droht, hilft die ASO', sagt Schauer. Betroffene könnten sich an die Abfall Service Osterholz GmbH wenden.

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